Rorschacher Notfall-Arzt: «Wegen Fondue Chinoise haben wir regelmässig Patienten.»

Samuel Henz ist  Leiter der Abteilung Innere Medizin am Spital Rorschach. Über die Festtage arbeitet er in der Notfallabteilung. Von Weihnachten bis Neujahr herrscht im Spital Hochbetrieb.

Martin Rechsteiner
Drucken
Teilen
Samuel Henz ist stellvertretender Chefarzt am Spital Rorschach. (Bild: PD)

Samuel Henz ist stellvertretender Chefarzt am Spital Rorschach. (Bild: PD)

Samuel Henz, weshalb ist im Rorschacher Notfall über Weihnachten-Neujahr so viel los?

Das hat verschiedene Gründe. Darunter der Klassiker: Man­cherorts wird zu viel gegessen und getrunken. Betrunkene Patienten haben einen Unfall erlitten oder verursacht und landen bei uns.

Sind das Ihre häufigsten «Gäste»?

Wir haben auch regelmässig Patienten mit schwerem Brechdurchfall. Dies, nachdem sie Fondue Chinoise gegessen haben. Denn viele wissen nicht, dass rohes Fleisch mit Bakterien besiedelt ist. Deshalb sollte es immer auf einem separaten Tellerchen liegen, strikt vom übrigen Essen getrennt.

Führen Eis und Schnee auch häufig zu Unfällen?

Dieses Jahr bekanntlich nicht. Bei weissen Weihnachten hingegen bringen Schnee und Glatteis leider bei älteren Menschen vermehrt Bescherung in Form von Arm- und Hüftbrüchen, was sie zu uns bringt.

Und was ist mit jenen, die der Krankenkasse wegen noch im alten Jahr behandelt werden wollen?

Diese landen nicht im Notfall. Planbare Eingriffe legen wir auf die Zeit vor den Festtagen.

Die Festtage sind eine emotionale Zeit. Beschert Ihnen das auch mehr Patienten?

Tatsächlich kommen überdurchschnittlich viele Menschen in psychischen Ausnahmezuständen zu uns. Meist äussert sich das aber in anderen Symptomen – etwa in einer Alkoholvergiftung, weil sie im Kummer zu viel getrunken haben.

Stress bei der Arbeit anstatt behagliches Feiern mit den Liebsten. Wie geht das Spitalpersonal damit um?

Die Dienste werden so eingerichtet, dass niemand an allen Tagen arbeiten muss. Aber natürlich ist es für die Mitarbeitenden nicht immer einfach: Mit zunehmendem Alter werden die vielen Dienste eine Belastung, Partner und Familie haben nicht immer Verständnis dafür, dass wir für die Feste immer wieder fehlen. Aber wir machen das Beste daraus: An den Feiertagen gibt es für das Personal ein grösseres, gemeinsames Frühstück, an Weihnachten hält der Spitalpfarrer einen Gottesdienst für Personal und Patienten.