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Neuorganisation beim FC Abtwil: Chefwechsel ohne Chef

Vor seinem Abgang beim FC Abtwil-Engelburg hat Ivo Forster eine kleine Revolution eingeleitet. Erst dank dieser konnte er Urs Rohrer als Nachfolger gewinnen. Das Modell könnte gar das Vereinssterben aufhalten.
Marco Cappellari
Der FC Abtwil-Engelburg setzt ausserhalb des Spielfelds auf eine neue Strategie. (Bild: Benjamin Manser (10. September 2016))

Der FC Abtwil-Engelburg setzt ausserhalb des Spielfelds auf eine neue Strategie. (Bild: Benjamin Manser (10. September 2016))

«Auch die Fussballclubs kennen das Problem aller Vereine, Vorstandsmitglieder zu finden», sagt Ivo Forster. Umso mehr hat es den ehemaligen Vereinspräsidenten des FC Abtwil-Engelburg überrascht, als sich vor kurzem gleich 32 Leute finden liessen, die bereit dazu waren, im FC Verantwortung zu übernehmen. «Ich hatte zuvor zwei Jahre lang erfolglos einen Nachfolger für mich gesucht», sagt Forster, der seit 2010 Vereinspräsident war. Seit Januar ist er CEO der FC St. Gallen Event AG. Sein Nachfolger beim FC Abtwil-Engelburg ist inzwischen gefunden: Urs Rohrer leitet seit Mai die Geschicke des Vereins. Vereinspräsident nennt er sich aber nicht. «Ich bin ‹Coach›, nicht Präsident, und hauptsächlich in beratender Funktion tätig», sagt Rohrer.

Vereinsstruktur ohne Hierarchie

Ein Vereinspräsident, der keiner ist? Rohrers ungewöhnliche Jobbeschreibung ist auf die neue Organisationsform zurückzuführen, nach der, der Verein seit Mai aufgestellt ist. Das System nennt sich Holokratie. «Das Wort gefällt mir nicht, ich bevorzuge den Begriff ‹teamzentrierte Organisation›», sagt Forster. Im Gegensatz zur personenzentrierten Organisation kennt sie keine Hierarchien und keine Chefs. Die Verantwortung verteilt sich auf einzelne Ressorts (siehe Zweittext). Die cheflose Struktur soll Abläufe erleichtern, die interne Kommunikation verbessern und für alle beteiligten Vorteile bieten. Was fast zu gut klingt, um wahr zu sein, hat bereits weltweit zahlreiche Anhänger gefunden. Unternehmen berichten von zufriedeneren Mitarbeitern und besseren Geschäftsergebnissen. «Diese Erfahrungen können wir nur bestätigen. Bisher hatten wir nur positive Auswirkungen und keine Nachteile», sagt Rohrer.

Teamzentrierte Organisation brachte Erfolg

Dass sich nach zwei Jahren der erfolglosen Nachfolgersuche jemand finden liess – und dazu noch 32 Vereinsmitglieder als Ressort-Leiter und -Stellvertreter – wäre ohne die teamzentrierte Organisation wohl undenkbar gewesen. Dass der FC Abtwil-Engelburg diesen radikal neuen Weg geht, ist Ivo Forster zu verdanken. Vor seiner Zeit beim FC war er bei einem Winterthurer Unternehmen tätig, das die teamzentrierte Organisationsweise vor einiger Zeit ausprobiert hatte und seither daran festhält.

«Ivo hatte auch mich für seine Nachfolge angefragt, aber erst als er die neue Organisation vorgeschlagen hat, war ich bereit dazu, meine Erfahrung einzubringen», sagt Rohrer. Forster, der weiterhin in engem Kontakt zum FC steht, meint, dass die teamzentrierte Organisation Schule machen und die Nachwuchsprobleme vieler Vereine lösen könnte. Viele seien heute nicht mehr bereit, viel Zeit für einen Verein aufzuwenden und Verantwortung zu übernehmen. Durch die Verteilung der Verantwortung auf 16 Ressorts seien die Mitglieder eher bereit, eine Teilverantwortung zu übernehmen. «Viele Vereine könnten von diesem System profitieren», ist Ivo Forster überzeugt. Ob dem so ist, wird sich zeigen. «Im November ziehen wir eine erste Bilanz», sagt Urs Rohrer, «wir sind sehr zuversichtlich.»

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