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Chefärztin und Triathletin: Ironwoman will mit 60 noch schneller sein

Barbara Tettenborn leitet die Neurologie am Kantonsspital und ist Triathletin. So erfolgreich, dass sie sich zum zweiten Mal für den Ironman in Hawaii qualifiziert hat.
Malolo Kessler
Ironman-Europameisterin: Barbara Tettenborn in ihrem Büro am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Ironman-Europameisterin: Barbara Tettenborn in ihrem Büro am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Da gab es immer diese eine Sorge in Barbara Tettenborns Leben. Dass ebendieses nicht reichen könnte, um all das zu machen, was sie wollte. Also hat sie gemacht und gemacht und gemacht: Karriere, Reisen, Sport. Und sie hat alles geschafft. Heute ist die 60-Jährige Chefärztin, war in der Arktis und Australien, hat in Irland, England und den USA gelebt und Anfang Juli in Frankfurt die Ironman-EM in ihrer Kategorie gewonnen.

Die Neurologin sitzt in ihrem Büro im 16. Stock im Haus 04 des Kantonsspitals. Auf dem Tisch das Modell eines Gehirns, ein Kaugummiautomat und Fachliteratur, vom Bild an der Wand grinst Mickey Mouse. Seit bald 20 Jahren leitet Barbara Tettenborn die Klinik für Neurologie. «Wobei ich bei meinem Arbeitsantritt nicht gedacht hätte, dass ich den Rest meines Arbeitslebens hier verbringen werde.»

Perfektionistin und «relativ frecher Berliner Mensch»

Geboren ist Barbara Tettenborn in der ehemaligen DDR. Ihr Vater war Goalie der Handballnationalmannschaft, ihre Mutter kaufmännische Angestellte. «Wir hatten nie besonders viel Geld», sagt Tettenborn. Als sie drei Jahre alt war, flüchtete die Familie nach Westberlin, wo Barbara Tettenborn Abitur machte. «Als Jugendliche wäre ich gerne Chemikerin geworden.» Ihre Eltern hätten sie dann überredet, auf Medizin zu setzen: «Sie hatten die Sorge, dass es für mich als Frau schwierig sein würde, in Naturwissenschaften erfolgreich zu sein.» Daran müsse sie heute ab und zu denken, wenn sie Angela Merkel im Fernsehen sehe. Tettenborn lacht. Sie studierte in Berlin, Mainz und Dublin und bewarb sich 1999 in St. Gallen. Hier baute sie die Klinik stark aus, wurde die zweite Frau Professorin am Kantonsspital, zog nach Speicher und ist seit 2016 eingebürgert. Der «relativ freche Berliner Mensch» ist sie geblieben. Und jemand, der sich gerne «ein bisschen aufbäumt gegen Obrigkeiten», aber auch eine pingelige Perfektionistin sein kann.

Den ersten Triathlon mit 50 Jahren

In den ersten zehn Jahren, «bis der Laden lief», habe sie fast ausschliesslich gearbeitet, «normal viel» Sport getrieben. Dann, mit 49 Jahren, machte sie mit einem Team des Kantonsspitals beim Gigathlon mit. «Danach war ich so trainiert, dass ich mir dachte: Jetzt könntest du am Ironman mitmachen.» Etwas, das sie schon immer im Hinterkopf gehabt habe. Noch bevor sie ein Rennrad hatte, meldete sie sich an. Und als sie es hatte, geriet sie in die Schiene der Appenzeller Bahnen und brach sich den Oberarm. Dennoch ging sie neun Monate später in Zürich an den Start und wurde Zweite in ihrer Kategorie.

Inzwischen hat Barbara Tettenborn neun Mal an einem Ironman mitgemacht. Für den König aller Ironmen, jenen in Hawaii, hat sie sich 2014 schon qualifiziert. «Diese Teilnahme hat mein Leben nachhaltig beeinflusst», sagt sie, macht eine kurze Erzählpause, was sie an diesem Morgen sonst fast nie macht. «Ich denke oft: Wenn ich das geschafft habe, schaffe ich alles.»

Ziel: Schneller als beim letzten Mal

Die Distanzen in Hawaii sind dieselben wie sonst auch: 3,86 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer Velo fahren und 42,195 Kilometer laufen. Die Bedingungen aber, die seien die härtesten überhaupt: Schwimmen im Meer, schwülheisses Wetter, starker böiger Wind. Für die diesjährige Triathlon-WM im Oktober trainiert sie nun mindestens eine Stunde pro Tag, meist in der Mittagspause. Statt nach rechts in die Mensa, biege sie im Erdgeschoss nach links ins Training ab. «Ich merke, wie gut mir der Ausgleich tut. Das findet auch mein Team. Ohne Sport war ich strenger.» Ihr Ziel für den Wettbewerb in Hawaii ist nun, schneller zu sein als vor vier Jahren. Damals brauchte sie 14,5 Stunden.

Was danach kommt, was das nächste Ziel ist, weiss Tettenborn nicht. Es gibt fast nichts mehr, was sie noch nicht gemacht hat, aber unbedingt gerne noch machen würde. Ausser das mit der Eisdiele vielleicht: «Ein Traum wäre noch, eine richtig gute Eisdiele zu eröffnen.» Denn auch das macht die Chefärztin: Sie isst fast jeden Tag ein Glace.

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