Interview

Chef der St.Galler Standortförderung: «In St.Fiden ist auffallend viel in Bewegung»

Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung Stadt St.Gallen, bedauert den Wegzug der L. Kellenberger & Co. AG. Bauprojekte würden dem Quartier eine neue Dynamik verleihen.

Sandro Büchler
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Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung Stadt St.Gallen

Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung Stadt St.Gallen

Bild: PD

Der Verlust von 270 Arbeitsplätzen muss Ihnen zu denken geben.

Samuel Zuberbühler: Ja, es ist sehr bedauerlich, wenn ein Unternehmen, das hier 103 Jahre seinen Sitz hatte, wegzieht. Die Arbeitsplätze gehen aber nicht verloren, sie werden verlagert. Dass die Kellenberger AG bloss zehn Kilometer entfernt ihre neuen Zelte aufschlagen wird, ist gleichzeitig auch ein starkes Zeichen für den Standort Ostschweiz. Das zeigt: Standortförderung macht nicht an Gemeindegrenzen halt.

Das Unternehmen sagt, in Goldach könne man auf der «grünen Wiese» eine Fabrik nach Mass bauen. In St.Gallen fehle der Platz dafür.

Das ist die Krux. Die Stadt St.Gallen hat zwar Land. Doch Areale in dieser Grösse – wir sprechen bei Kellenberger von mehr als 20'000 Quadratmetern – sind rar. Um ausbauwilligen Unternehmen aufzuzeigen, wo sie Raum und Platz finden, hat die Stadt eine Übersicht unter www.areale.stadt.sg.ch erstellt.

Was wird aus dem Areal, wenn Kellenberger auszieht?

Die Idee eines Gewerbeparks ist sehr interessant. Das Areal liegt in der Gewerbe- und Industriezone. Deshalb ist in Zukunft eine Nutzung in dieser Art und Weise vorgesehen. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn Platz für wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze geschaffen wird.

Wie wichtig ist das Areal für St.Fiden?

Da das Kellenberger-Areal relativ gross ist, hat es eine hohe Relevanz für das Quartier. Es wandelt sich aktuell ohnehin stark. Die frei werdenden Immobilien verleihen zusätzliche Dynamik.

Inwiefern wandelt sich St.Fiden?

Es ist auffallend, wie viel im Gebiet in Bewegung ist. Aktuell wird extrem gebaut. Da ist das Geschäftshaus Vier Winkel, das unmittelbar an der Bahnlinie bei der Brücke Spinnereistrasse entsteht. Im Haus wird Ibis im Herbst ein Hotel mit 104 Zimmern eröffnen. Wenn sich eine internationale Hotelkette niederlässt, ist das ein gutes Zeichen für den Standort und unterstreicht dessen Potenzial. Es ist ein aufstrebendes Gebiet mit einer guten Verkehrsanbindung. Zudem tragen die angedachte Zwischennutzung Areal Bach, die Überdachung der Autobahn mit dem Neubau der Olma-Halle 1 sowie der Ausbau des Kantonsspitals zum Entwicklungsschub bei. Alles hängt zusammen. Es ist ein ganzes Ökosystem.

Was meinen Sie damit?

In der Standortförderung sprechen wir oft von Ökosystemen. Denn bei der Entwicklung eines Gebiets wie in St.Fiden ist es wichtig, nebst innovativen Betrieben weitere Institutionen aus ähnlichen Bereichen anzuziehen. Bei St.Fiden spielt das Kantonsspital deshalb eine wichtige Rolle. Weiter sind der passende Wohnraum und die Qualität des öffentlichen Raumes wichtig. Eine erfolgreiche Standortförderung führt alles zusammen, was sich gegenseitig befruchten soll. Das volle Potenzial eines Standortes entfaltet sich erst durch das Zusammenspiel aller.

Wie kann sich die Stadt bei der Areal- und Quartierentwicklung in St.Fiden einbringen?

Wir begrüssen die neue Lebendigkeit im Quartier. Was wie in Zukunft auf privaten Grundstücken genutzt wird, darauf hat die Stadt aber nur wenig Einfluss. Dies liegt in der Hand von Privaten. Die Stadt, das heisst Stadtplanung und Standortförderung, stehen beratend zur Seite. Für das Kellenberger-Areal nehmen wir in nächster Zeit mit Mettler2Invest Kontakt auf. Wir begleiten und unterstützen bei Fragen. Unsere Türen stehen immer offen.