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Tausende Anrufe, Schlangestehen bis ins Treppenhaus: Chaos bei Abtwiler Dorfarzt wegen Praxisübergabe

Ein Abtwiler Arzt übergibt seine Patienten an eine St. Galler Gemeinschaftspraxis. Sie erfahren davon aus dem Mitteilungsblatt – und überschütten die Praxis mit Anfragen.
Adrian Lemmenmeier
Weil sie wissen wollten, wie es weitergeht, standen Patienten in einer Abtwiler Praxis Schlange bis ins Treppenhaus. (Symbolbild/Keystone)

Weil sie wissen wollten, wie es weitergeht, standen Patienten in einer Abtwiler Praxis Schlange bis ins Treppenhaus. (Symbolbild/Keystone)

«Tausende Male hat letzte Woche das Telefon geklingelt, manchmal standen die Leute Schlange bis ins Treppenhaus.» Das erzählt Claudia Sauter. Sie ist die medizinische Assistentin in der Praxis ihres Mannes Michael, die sich in Abtwil an der Auwiesenstrasse befindet. Michael Sauter bestätigt: «Es ist ein Chaos ausgebrochen. Weil so viele Leute kamen, war die Praxis so gut wie lahmgelegt.»

Das Chaos war die Reaktion vieler Patientinnen und Patienten auf ein Inserat, das im aktuellen «Gaiserwalderblatt» erschienen ist. «Wir freuen uns, die Patientendossiers von Dr. med. Michael Sauter zu übernehmen», heisst es dort. Geschaltet hat das Inserat die Sanacare, ein Unternehmen, das in der ganzen Schweiz Gruppenpraxen unterhält. «Herr Dr. Sauter wird in der Sanacare Gruppenpraxis St. Gallen weiterhin in einem Teilzeitpensum tätig sein». Angaben dazu, was mit der Praxis in Abtwil geschieht, oder ab wann die Übernahme der Dossiers erfolgen soll, fehlen. Und so liefen letzte Woche in der Praxis die Drähte heiss. Ein Leser sagte gegenüber dem «Tagblatt», er habe mehrfach versucht, die Praxis telefonisch zu erreichen, sei aber nie durchgekommen.

Einen fliessenden Übergang gewährleisten

Die Geschichte beginnt mit dem Entscheid Michael Sauters, seine Praxis in Abtwil auf Ende Mai aufzugeben. «Weil ich noch als medizinischer Gutachter im Versicherungsbereich tätig bin, führe ich meine Praxis seit einigen Wochen nur im 50-Prozent-Pensum», erklärt Sauter. Es habe sich gezeigt, dass dies zur optimalen Betreuung der Patienten nicht ausreiche. So habe er nach einer Lösung gesucht und mit der Sanacare einen guten Partner gefunden. «Es ging darum, für die Patienten einen fliessenden Übergang zu gewährleisten», so Sauter. Nun könne er seine Patienten weiterhin betreuen, ohne eine eigene Praxis unterhalten zu müssen. Allerdings habe sich die Gelegenheit kurzfristig ergeben und so habe man schnell kommunizieren müssen. Sauter habe sich entschieden, mit einem Inserat im Gemeindeblatt über den Wechsel zu informieren, weil er so sehr viele Leute erreiche. «Allen Patienten einen persönlichen Brief zu schreiben, dazu fehlte schlicht die Zeit.» Mit dem Ansturm hatte Sauter aber nicht gerechnet. «Die Leute strömten herein, als wären sie am Weihnachtsschlussverkauf.»

Vor dem Inserat hätte ein Brief kommen sollen

Die Kommunikation sei in diesem Fall unglücklich verlaufen, sagt Marc Jungi, stellvertretender Geschäftsführer von Sanacare. «Wir hatten von Anfang an vor, die Patienten auch persönlich mit einem Brief zu informieren.» Weil der Einsendeschluss für Inserate beim «Gaiserwalderblatt» aber früh erfolge, habe man das Inserat eingereicht, bevor die Adressen aller Patienten vorlagen. Wegen Ferienabsenzen sei es nun bei zu Verzögerungen gekommen. «Wir hatten die Liste der Adressen erst vergangenen Mittwoch auf dem Tisch», sagt Jungi. Somit flatterten die Briefe erst gestern oder heute in die Briefkästen – fast zwei Wochen später als das Gemeindeblatt mit dem Inserat. «Wir bedauern, dass einige Patienten dadurch verunsichert waren», sagt Jungi. Der Umstand, dass im Inserat nicht festgehalten war, wann genau die Praxis in Abtwil schliesse, habe sicher zu dieser Verunsicherung beigetragen. Jungi betont aber, dass man mit dieser Lösung die Patienten optimal weiterbetreuen könne. «Es war uns wichtig, dass wir einen nahtlosen Übergang bieten können.» Und der Datenschutz sei zu jeder Zeit gewährleistet.

Michael Sauters Praxis in Abtwil ist noch bis Ende Monat halbtags geöffnet. Danach behandelt Sauter seine Patienten nicht mehr in Abtwil, sondern in St. Gallen.

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