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Die «Villa Durchzug» am Bohl rostet: Für die Sanierung der Calatrava-Halle reserviert die Stadt St.Gallen eine Million Franken

Im Zuge der Marktplatz-Neugestaltung soll die Calatrava-Halle saniert werden. Dafür reserviert die Stadt St.Gallen eine Million Franken.
Christoph Renn
Die Calatrava-Wartehalle weist Altersschwächen auf. Die Tragsicherheit ist aber noch gegeben. (Bild: Ralph Ribi)

Die Calatrava-Wartehalle weist Altersschwächen auf. Die Tragsicherheit ist aber noch gegeben. (Bild: Ralph Ribi)

Regen, Wind und Sonnenschein haben der Calatrava-Wartehalle auf dem Bohl über die Jahre zugesetzt. Die Pfeiler rosten, Korrosionsschäden sind von blossem Auge sichtbar. Deshalb hat die Stadt in der neusten Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl einen Betrag über eine Million Franken für die Sanierung der «Villa Durchzug» reserviert. «Alles in allem ist die Wartehalle in einem guten Zustand», sagt Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau. Die Stahlträger seien intakt und es gebe keine undichten Stellen im Dach.

«Am wichtigsten ist, dass die Tragsicherheit zu hundert Prozent gegeben ist.»

Die tragenden Pfeiler rosten. (Bild: Ralph Ribi)

Die tragenden Pfeiler rosten. (Bild: Ralph Ribi)

Noch sei unklar, welche Kosten die Sanierung der Calatrava-Halle, die am 31. August 1996 feierlich eingeweiht wurde, wirklich verursachen wird. «Wir haben die Wartehalle von einer Spezialfirma im März kontrollieren lassen», sagt Maria Pappa. Das Resultat: Im Grossen und Ganzen befindet sich die Wartehalle in einem guten Zustand, es gibt lediglich kleinere Altersschwächen. Trotzdem sollen im Rahmen der Marktplatzumgestaltung die Roststellen entfernt werden. Noch unsicher ist, ob die tragenden Stützen, die tief in den Boden reichen, noch völlig intakt sind. «Die Spezialisten sind aber optimistisch, dass das Fundament noch in Ordnung ist.» Auch die Scheiben seien alle noch ganz, es gebe keine Risse.

Noch gibt es keine Klarheit über den Zustand der Stahlträger

Klarheit über den Zustand des Fundaments der Calatrava-Halle wird es geben, wenn die Stimmberechtigten der Stadt St.Gallen der Neugestaltung von Marktplatz und Bohl am 17. Mai 2020 zustimmen. «Dann werden wir sowieso den Boden am Bohl aufbrechen», sagt Maria Pappa. Gleichzeitig könne der Zustand der Stahlträger unter der Erdoberfläche begutachtet werden.

Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Je nach dem, wie beschädigt das Fundament der Wartehalle ist, verändern sich die Kosten. «Müssen wir nur die Rostschäden beseitigen und den Rest reinigen, können wir das vor Ort erledigen und die Sanierung würde deutlich billiger ausfallen», sagt Pappa. Müssen jedoch die gesamten Stahlträger ausgetauscht und erneuert werden, entstehen die Kosten von rund einer Million Franken. Dann müsste die ganze Calatrava-Wartehalle auseinandergenommen und abtransportiert werden. Und die Demontage und die Montage sind die grossen Kostentreiber.

«Wir haben deshalb zur Sicherheit diesen Betrag in die Vorlage zur Abstimmung zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl genommen.»

Muss die Wartehalle abtransportiert werden, soll ein Provisorium die wartenden Passagiere vor Regen und Wind schützen. «Eine vorübergehende Lösung haben wir aber noch nicht im Detail geplant», sagt Pappa. Zuerst müssten sie wissen, ob die Demontage der Calatrava-Wartehalle überhaupt nötig sei. Die Kosten von einer Million Franken könnten jedoch auch entstehen, obwohl die Stahlträger der Wartehalle vollkommen in Ordnung sind. «Wenn die genauen Pläne ergeben, dass die Calatrava-Konstruktion dringend verschoben werden muss», sagt Maria Pappa. Dieser Fall könnte eintreffen, wenn es beispielsweise wegen der Gleise nicht anders gehe. «Doch zuvor müssten wir Kosten und Nutzen genau abwägen.» Die Wahrscheinlichkeit sei klein, dass die Halle verschoben werde, obwohl die Stahlträger intakt sind. «Doch wir wollen uns diese Option vorerst offen halten.»

Negatives Resultat wegen geplantem Abbau der Wartehalle

Die Wartehalle des Architekten Santiago Calatrava gab schon bei den ersten beiden Abstimmungen zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl zu Reden. Im ersten Anlauf sagten 53 Prozent der St.Gallerinnen und St.Galler Nein zur Marktplatzumgestaltung. Eine Vox-Analyse zeigte im Nachhinein, dass einer der Hauptgründe für das Resultat der beabsichtigte Abbau der Calatrava-Halle gewesen sei.

Auch im zweiten Anlauf im März 2015 scheiterte die abgespeckte Vorlage erneut. Rund 58 Prozent der Stimmbeteiligten sagten damals erneut Nein zum Kredit von 14 Millionen Franken. Beim anstehenden dritten Anlauf stimmt die St.Galler Bevölkerung über einen Verpflichtungskredit von 27,7 Millionen Franken ab.

Kritik an der Calatrava-Halle

Die Stadt St.Gallen gehört zu den ersten Auftraggebern des ETH-Absolventen Santiago Calatrava. Seinen ersten Auftrag in der Gallusstadt erhält er im Jahr 1983. Die Stadt liess den damals 32-Jährigen bei der Bushaltestelle St.Fiden zwei Glasdächer bauen (siehe Bild). Nur drei Jahre später folgt der zweite Auftrag für den spanisch-schweizerischer Architekten. 1986 entstand mit einem Stützbogen im Konzertsaal der Musikschule an der Rorschacher Strasse ein weiterer Bau von ihm.
Nach seinen ersten zwei Aufträgen in der Stadt St.Gallen entwickelt sich Santiago Calatrava zum Stararchitekten. Trotzdem führt er zwei weitere Projekte in der Stadt St.Gallen aus. Dies hat mit der Verbundenheit mit den frühen Arbeitgebern zu tun. 1998 erstellt er die Kantonale Notrufzentrale (siehe Bild). Die Notrufzentrale wird aber bald aus dem Stiftsbezirk und damit aus dem markanten Calatrava-Bau wegziehen. Dies aus betrieblichen Gründen (Zahl der Arbeitsplätze) wie auch aus technischen (bauliche Sicherheit). Die Vermutung liegt nahe, dass sie neu im Westen der Stadt St.Gallen untergebracht wird. Der Kanton plant dort ein Verwaltungsgebäude für die Sicherheitsorganisationen, für Kantonspolizei, Untersuchungsgefängnis und Staatsanwaltschaft (Tagblatt vom 20. September).

Ein weiteres markantes Gebäude von Santiago Calatrava in St.Gallen ist der Pfalzkeller (siehe Bild). Charakteristisch ist das hydraulische Dach des Eingangs. Doch genau dieses Dach ist es, dass schon Probleme verursacht hat. 2016 musste der Eingang eingerüstet werden. Das bewegliche Dach war defekt und wurde komplett ersetzt. Die Sanierungsarbeiten beliefen sich auf 2,4 Millionen Franken.
Der umstrittenste Bau in der Stadt ist die Wartehalle auf dem Bohl, die nun ebenfalls saniert werden muss. Bevor das Parlament 1994 den Entwurf schlank durchwinkte, wurde über die geplante «Villa Durchzug» kritisch diskutiert. Die Konstruktion schütze die wartenden ÖV-Passagiere zu wenig vor Wind und Wetter, hiess es. Und es gab einzelne Stimmen, die kritisierten, dass die Halle für den Standort zu voluminös, zu unförmig sei und den Blick aufs Waaghaus verstelle. (ren)

Die Kantonal Notrufzentrale.

Die Kantonal Notrufzentrale.

Die Glasdaächer an der Bushaltestelle St.Fiden.

Die Glasdaächer an der Bushaltestelle St.Fiden.

Das Eingnagsdach des Pfalzkellers.

Das Eingnagsdach des Pfalzkellers.

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