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Bye bye St.Gallen – Akademiker verlassen die Stadt

Immer mehr Städter in der Schweiz haben einen Hochschulabschluss. Doch während fast die Hälfte der Zürcher Stadtbevölkerung eine höhere Bildung hat, hinkt St.Gallen hinten nach. Das hat gute Gründe.
Sandro Büchler
Studierende an der Universität St.Gallen (HSG) in St.Gallen. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Studierende an der Universität St.Gallen (HSG) in St.Gallen. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Zahlen lassen aufhorchen: Weniger als ein Drittel der Stadtsanktgallerinnen und -sanktgaller besitzt einen Hochschulabschluss. An einer Universität oder Fachhochschule haben gerade einmal 30,4 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung über 15 Jahre studiert. Damit liegt der Akademisierungsgrad der Gallusstadt unter dem Durchschnitt.

Rund 32,1 Prozent der Schweizer Städter haben einen Hochschulabschluss. In Zürich hat sogar fast jeder Zweite studiert (45,5 Prozent). Unter den schweizweit zehn grössten Städten gibt es nur in Biel mit 25,1 Prozent weniger Studienabsolventen als in St.Gallen. Dies zeigt eine neue Studie des Schweizerischen Städteverbands mit Daten aus der nationalen Strukturerhebung von 2012 bis 2016. Untersucht wurden 172 Schweizer Städte.

Der Stadtpräsident ist nicht besorgt

Den tiefen Anteil an Hochgebildeten führt Christian Brühwiler, Prorektor für Forschung und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG), auf zwei Faktoren zurück. «Einerseits hat der Kanton St.Gallen mit 14 Prozent eine geringere Maturandenquote als anderswo.» So hätten weniger Personen überhaupt Zugang zu einer Hochschulbildung. Andererseits biete St.Gallen nur eine «Spartenuniversität» für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

«Wer Geschichte studieren will, muss an andere Orte gehen.»

Laut Brühwiler würden zusätzlich zur Uni auch die PHSG und die Fachhochschule St.Gallen (FHS) weiteren Personen eine höhere Ausbildung ermöglichen. «Aber der Arbeitsmarkt in der Region bietet den Fachkräften wenig Möglichkeiten», sagt Brühwiler. Die Ostschweiz sei industriell geprägt.

Während Zürich beispielsweise mit der ETH für technische Berufe und Basel im Pharmabereich attraktiv seien, habe sich in St.Gallen das Jobangebot anders entwickelt. Wegen der begrenzten Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in St.Gallen sehen sich deshalb viele angehende Akademiker gezwungen, wegzuziehen. «Sie haben gar nicht die Möglichkeit, gewisse Fächer und Disziplinen zu studieren.»

Für St.Gallens Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin sind die Studienresultate kein Grund zu Besorgnis.

«Wir geraten nicht ins Hintertreffen.»

Für eine Stadt mittlerer Grösse wie St.Gallen habe auch die Berufsbildung eine grosse Bedeutung. «Hier fehlen die Hauptsitze grosser Konzerne, die in der Regel akademische Laufbahnen als Berufsbilder fordern.» Grossbanken und Versicherungen seien primär in Zürich beheimatet. «Schlussendlich ist es die Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Fachkräften, die ausschlaggebend ist.»

Mit 22,5 Jahren verlassen St.Galler ihr Elternhaus

Scheitlins Befund scheint die Studie zu bestätigen. Denn 15- bis 28-Jährige aus der Stadt St.Gallen ziehen mit rund 22,5 Jahren von zu Hause aus. Ein Spitzenwert. Im Durchschnitt verlassen Schweizer Städter erst mit 24,3 Jahren ihr Elternhaus. Die St.Gallerinnen und St.Galler haben es also besonders eilig. Junge Genfer und Luganesen hingegen lassen sich mehr Zeit. Beim Auszug aus dem elterlichen Nest sind sie im Durchschnitt 25-jährig.

Zwar lässt die Untersuchung offen, wohin die jungen Erwachsenen zügeln. Ob innerhalb ihrer Heimatstadt oder in andere Städte, darüber lassen sich keine Rückschlüsse ziehen. Scheitlin gewinnt dem frühen Auszug Positives ab:

«Es ist ja an sich gut, wenn die Jungen früh auf eigenen Beinen stehen lernen.»

Dem Weggang der Akademiker versuche die Stadt mit der Ansiedlung von IT-Firmen und Firmen im medizinisch-technischen Bereich zu begegnen, sagt Scheitlin. Auch die 2018 vom Stimmvolk angenommene Ausbildung zum Medical Master schaffe Potenzial, damit gut ausgebildete Ärzte in St.Gallen bleiben.

Der Stadtpräsident beschönigt die Abwanderung der Gebildeten nicht. «Bei insgesamt rund 13000 Studierenden an der HSG und der FHS werden wir zwangsläufig immer einen Weggang haben – in die ganze Welt notabene.» Sie seien Botschafter für die Stadt, die vielleicht irgendwann nach St.Gallen zurückkehren werden.

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