Die Einnahmen durch die Corona-Bussen sollen Kindern aus St.Gallen zugutekommen - das schlägt ein Stadtparlamentarier vor

Die Stadtpolizei hat aus den Coronabussen über 30'000 Franken eingenommen. Das Geld soll an die Bevölkerung zurückfliessen, findet ein Stadtparlamentarier.

Marlen Hämmerli
Drucken
Teilen
Im «Ferienpass» ist der unter anderem der Eintritt ins Freibad Lerchenfeld inbegriffen.

Im «Ferienpass» ist der unter anderem der Eintritt ins Freibad Lerchenfeld inbegriffen.

Ralph Ribi

Eine Gruppe, die zu sechst spazieren geht. Jugendliche, die auf Drei Weieren zu nahe beieinander sitzen oder vor einer Bar den Abstand nicht einhalten. Für die Missachtung der Coronarichtlinien spricht die Stadtpolizei Bussen zu je 100 Franken aus. Bis Mitte Mai waren es über 300. Seither dürften einige mehr dazugekommen sein.

Darüber, was mit den über 30'000 Franken geschehen soll, hat sich Stadtparlamentarier Christian Huber Gedanken gemacht. Er hat einen Vorstoss zur Verwendung des Geldes eingereicht.

Geht es nach dem Grünen, soll das Geld an die Bevölkerung zurückverteilt werden. Die Einnahmen sollen den Kindern der Stadt zugutekommen. Der Stadtrat solle das Geld aus den Coronabussen nutzen, um den Ferienpass Mobil kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Dauerkarte für Badis, Museen und Walter-Zoo

Der Ferienpass Mobil kostet aktuell 35 Franken. Kinder bis 16 Jahren können damit die Ostwind-Zonen 210, 211 und 212 nutzen. Damit sind zum Beispiel Wittenbach, Gossau und Teufen inbegriffen. Zudem gilt das Abo unter anderem als Dauerkarte für die städtischen Badis und Museen sowie den Walter-Zoo. Zudem ist der Verleih in der Ludothek inbegriffen.

«Es gibt wahrscheinlich viele Familien, die dieses Jahr keine oder kaum mehr Ferien machen können», sagt Huber. Sei es, weil ihnen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit das Geld fehlt oder weil sie wegen der geschlossenen Schulen bereits Ferientage beziehen mussten. «Diesen Kindern möchte ich etwas geben», sagt Huber, der Kantilehrer ist.

Auf die Idee kam Huber, als er von der Summe hörte, die durch die Coronabussen zusammengekommen ist. «Ich habe mich gefragt, wie das Geld verwendet werden könnte. Es mussten sicher auch Jugendliche Bussen bezahlen, die vielleicht noch nicht von der Abstandsregel gehört hatten.»

Bei den Drei Weieren macht ein Hinweisschild auf die Anti-Corona-Massnahmen aufmerksam.

Bei den Drei Weieren macht ein Hinweisschild auf die Anti-Corona-Massnahmen aufmerksam.

Ralph Ribi

Institutionen unterstützen

Gleichzeitig geht es Huber um die Unterstützung der Institutionen, die dem Ferienpass angehören. Diese würden von der Kostenübernahme ebenfalls profitieren, sagt Christian Huber. So kam etwa der Walter-Zoo aufgrund der Anti-Corona-Massnahmen unter Druck.

Derzeit ist der Walter-Zoo noch geschlossen. Die Einnahmen fehlen, Ausgaben gibt es weiterhin. Jene fürs Tierfutter belaufen sich pro Tag auf 11'000 Franken.

Derzeit ist der Walter-Zoo noch geschlossen. Die Einnahmen fehlen, Ausgaben gibt es weiterhin. Jene fürs Tierfutter belaufen sich pro Tag auf 11'000 Franken.

Michel Canonica

In der Einfachen Anfrage «Gratis Ferienpass Mobil für alle städtischen Kinder dank Corona­bussen» will Huber auch wissen, wie sichergestellt werden kann, dass gerade effektiv Bedürftige von der Aktion profitieren könnten.

Da stellt sich die Frage, ob eine andere finanzielle Unterstützung nicht sinnvoller wäre? «Mir geht es wirklich um Familien, die nicht in die Ferien können», sagt Huber. «Wenn meine Idee nicht realisierbar ist, bin ich aber offen für andere Vorschläge.» Vom Stadtrat erhofft sich Huber, dass sich dieser überlegt, wie die «unverhofften Einnahmen» verwendet werden könnten, anstatt sie einfach der Polizeikasse zukommen zu lassen.

Der Verkauf des Ferienpasses Mobil sowie des Ferienpasses Light (ohne Ostwind-Zonen) läuft in diesen Tagen an. Die Pässe können dieses Jahr nur bei der VBSG-Verkaufsstelle im Rathaus gekauft werden, da die «Sommerplausch»-Zeitung nicht gedruckt wird. Dieser Zeitung liegt normalerweise ein Talon für die Pässe bei.

Ob Sommerplausch stattfindet, ist unklar, Anmeldefrist läuft

124 Anmeldungen sind bis gestern beim Sommerplausch eingegangen. Das seien etwa so viele wie normal üblich, sagt Claudia Felder, Leiterin des Sommerplausches. Gewisse Kurse seien bereits halb ausgebucht. Die Frist für Anmeldungen läuft seit vergangenen Mittwoch.

Felder geht davon aus, dass sich dieses Jahr mehr Kinder für die Kurse anmelden könnten, da weniger Familien in die Sommerferien fahren. Ziel sei es, den Sommerplausch durchzuführen. In welcher Form hänge von den Weisungen des Bundesrates ab. Vorderhand laufen deshalb alle Vorbereitungen normal weiter. Die «Sommerplausch»-Zeitung ist dieses Jahr jedoch nur online abrufbar. «Wir wollten es nicht riskieren, sie zu drucken, falls der Sommerplausch doch nicht stattfinden kann», sagt Felder.

Anmeldung sind möglich per Post bis 5. Juni, online bis 9. Juni auf www.sommerplausch.ch.