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Nach zwölf Jahren: Katzen müssen raus aus St.Galler Altersheim

Zwei Katzendamen dürfen nicht im Altersheim alt werden. Nach zwölf Jahren im Wohn- und Pflegehaus Wienerberg müssen sie ins Tierheim. Trotz allem zeichnet sich für die beiden Rassekatzen ein Happy End ab.
Christina Weder
Die Geschwisterkatzen Minusch und Tipsj warten im Tierheim Sitterhöfli auf ihr neues Plätzchen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Geschwisterkatzen Minusch und Tipsj warten im Tierheim Sitterhöfli auf ihr neues Plätzchen. (Bild: Benjamin Manser)

Minusch und Tipsj warten im Tierheim Sitterhöfli auf ein neues Plätzchen. Die beiden betagten Katzendamen mit dem grau-bläulichen Fell haben zwölf Jahre im Wohn- und Pflegehaus Wienerberg in Rotmonten verbracht. Nun sind sie dort nicht mehr erwünscht. Vreni Bänziger, freiwillige Mitarbeiterin im «Wienerberg» und Tierliebhaberin, ist empört: «Das geht doch nicht, dass man zwölfjährige Katzen einfach abschiebt.» Sie weiss noch, wie die Katzenbabys vor zwölf Jahren ins Altersheim kamen. Die damalige Pflegedienstleiterin hatte sie als Therapiekatzen angeschafft.

Kafirähmli für die Katzen

Manche Bewohnerinnen und Bewohner hätten eine spezielle Beziehung zu den Katzen aufgebaut. Vreni Bänziger erinnert sich an eine inzwischen verstorbene Bewohnerin, die hin und wieder in der Cafeteria ein Kafirähmli für die beiden Katzen holte. Eine der beiden Katzen – Minusch – höckelte jeweils auf ihrem Rollator. Oder sie lief der Seniorin hinterher, wenn diese spazieren ging. Die andere Katze, Tipsj, begleitete eine andere Frau auf dem Sterbebett. Im Wohn- und Pflegehaus sei den zwei Katzen eine wichtige Rolle zugekommen, sagt sie. «Sie werden vermisst – wenn auch nicht von allen.»

Die Tierliebhaberin ist der Ansicht: Die beiden Katzendamen hätten es verdient, im Alters- und Pflegehaus ihren Lebensabend zu verbringen. Unterdessen sind sie zwölf Jahre alt, was in Menschenjahre umgerechnet dem Pensionsalter entspricht. Katzen der Rasse der Karthäuser haben gemäss Bänziger eine Lebenserwartung von bis zu 13 Jahren. Dass sie jetzt einfach ins Tierheim abgeschoben werden, erzürnt die Katzenfreundin. Es sei schwierig, Katzen in diesem Alter umzuplatzieren. Man mute ihnen damit einiges zu. «Wenn es um Tiere geht, kenne ich kein Pardon.»

Fische, Vögel und Hunde bleiben

Tiere können für betagte Menschen eine Bereicherung sein, das ist bekannt. Immer mehr Altersheime halten aus diesem Grund eigene Katzen, Vögel, aber auch Hühner, Geissen oder Kaninchen (Ausgabe vom 22. Januar). Dass dies allerdings nicht immer nur problemlos verläuft, zeigt der Fall im Wohn- und Pflegehaus Wienerberg. Heimleiter Pascal Gmür stellt klar:

«Es ist nicht so, dass ich keine
Tiere mehr will.»

Im hauseigenen Aquarium werden weiterhin Fische schwimmen; Kanarienvögel, Nymphen- und Wellensittiche werden wie gewohnt in der Voliere zwitschern. Und die Therapiehunde werden auch künftig im «Wienerberg» zu Besuch kommen. Von den Katzen aber hat sich der Heimleiter verabschiedet – in Absprache mit dem Team und dem Vorstand. Das sei ihm nicht leicht gefallen.

Gmür nennt mehrere Gründe dafür und verschweigt nicht, dass es Probleme mit der Hygiene gab. Nicht nur einmal kotzte eine der Katzen in den Speisesaal, kurz bevor sich die Bewohnerinnen und Bewohner zum Frühstück einfanden. Es kam auch vor, dass Mitarbeiter in den Gemeinschaftsräumen die Überreste einer Maus fanden. «Das musste jemand in Ordnung bringen», sagt Gmür.

Es stellte sich die Frage, wer. Konnte man dem Pflegepersonal, das sich bereits um die Fütterung und das Saubermachen der Katzenkistchen kümmerte, auch zumuten, die unschönen Hinterlassenschaften zu entfernen? Zudem hatten die Katzen im ganzen Haus freie Bahn, sie konnten überall rein – in die Büros, den Speisesaal, die Räume für die Medikamentenabgabe. «Überall waren Katzenhaare», sagt Gmür. Da Mitarbeiter mit Katzenallergie im Haus tätig seien, habe sich die Frage aufgedrängt, wie man das handhaben wolle.

Katzen sind trotz Alter einfach zu vermitteln

Der Heimleiter stellte zunehmend auch den therapeutischen Nutzen in Frage. Denn in den vergangenen Monaten habe sich keine innige Beziehung mehr zwischen den Katzen und den Bewohnern entwickelt. Nachdem er die Tiere vor einer Woche weggegeben hatte, habe er denn auch keine Reaktionen erhalten. Der Zeitpunkt sei für die Katzen der richtige gewesen. Denn im Alters- und Pflegehaus steht ein Um- und Neubauprojekt bevor, das für die Katzen Stress bedeutet hätte. Sie seien an einem anderen Ort besser aufgehoben, sagt Gmür: «Wir hoffen, dass die beiden ein gutes Plätzchen finden und viel Zuwendung erhalten.»

Seit einer guten Woche sind Minusch und Tipsj im Tierheim Sitterhöfli untergebracht. Geschäftsführer Heinz Staub beschreibt die beiden Katzendamen als sehr lieb, unkompliziert und topfit. In der neuen Umgebung fühlten sie sich noch nicht richtig wohl, sagt er. Und doch hat er gute Nachrichten: Er hat für die beiden soeben ein neues Plätzchen gefunden. Auch wenn sie schon etwas älter sind, sei es nicht schwierig gewesen, sie zu vermitteln.

«Wir finden immer jemanden, der ein Herz für die Tiere hat.»

Nächste Woche werden Minusch und Tipsj im Tierheim abgeholt. Staub ist zuversichtlich, dass sie sich im neuen Zuhause gut einleben und es für die beiden doch noch ein Happy End gibt.

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