Bürgerliche setzen sich durch: St.Galler Stadtparlament sagt hauchdünn Ja zur Überdeckungsstudie für den Bahnhof St.Fiden

Mit 30 zu 28 Stimmen bei einer Enthaltung sagt das St.Galler Stadtparlament Ja zur vertieften Machbarkeitsstudie für die Gesamtüberdeckung des Bahnhofs St.Fiden. Linksgrün hatte die Vorlage bekämpft.

Luca Ghiselli
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Kann der Bahnhof St.Fiden überdeckt werden? Das soll eine Machbarkeitsstudie bis Ende 2021 nun prüfen. Das Stadtparlament hat am Dienstagabend den dafür nötigen Kredit gesprochen.

Kann der Bahnhof St.Fiden überdeckt werden? Das soll eine Machbarkeitsstudie bis Ende 2021 nun prüfen. Das Stadtparlament hat am Dienstagabend den dafür nötigen Kredit gesprochen.

Bild: Ralph Ribi

Eine hauchdünne Mehrheit im St.Galler Stadtparlament will, dass die Stadt zusammen mit Privaten die Machbarkeit einer Gesamtüberdeckung des Bahnhofs St.Fiden vertieft prüfen lässt. Mit 30 Ja zu 28 Nein bei einer Enthaltung hat das Parlament dem Stadtrat am Dienstagabend grünes Licht für eine Machbarkeitsstudie gegeben, die bis Ende 2021 vorliegen soll.

Bereits im Vorfeld war klar, dass das Ergebnis knapp ausfallen würde. SP/Juso/PFG und Grüne/Junge Grüne lehnten die Vorlage, die einen Verpflichtungskredit von 368500 Franken vorsieht, geschlossen ab. Die bürgerlichen Fraktionen stimmten (mit Ausnahme von SVP-Parlamentarier Jürg Brunner, der sich enthielt) geschlossen dafür. Zünglein an der Wage waren wie so oft in dieser Legislatur die Grünliberalen. Und in der fünfköpfigen Fraktion fand die Vorlage schliesslich mehr Befürworter als Gegner.

Ein Leuchtturm mit langem Schatten?

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer.

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer.

Bild: PD

Die Debatte verlief lebhaft. Doris Königer (SP) sagte, es brauche in St.Fiden keinen goldenen Leuchtturm, der die umliegenden Quartiere im Dunkeln lasse. Christian Huber (Grüne) meinte, eine Überdeckung verbinde die Quartiere St.Fiden und Heiligkreuz nicht automatisch. Dass SBB, Migros und Kanton sich nicht an der Finanzierung der Studie beteiligen wollten, sei zudem ein Indiz dafür, dass die Risiken zu hoch und die Finanzierung zu unsicher sei.

FDP-Stadtparlamentarier Karl Schimke.

FDP-Stadtparlamentarier Karl Schimke.

Bild: Michel Canonica

Auf bürgerlicher Seite setzte hingegen ein buchstäblicher Lobgesang ein. Karl Schimke (FDP) hielt ein flammendes Plädoyer für die Vision, «einen mutigen Ort für St.Gallens Aufbruch» zu erschaffen. Die Alternative sei, dass man zum Endbahnhof der Schweiz verkomme. Als Schimke am Schluss seines Fraktionsvotums eine selbstgeschriebene Ode auf den Deckel und darüber, wie St.Gallen besser als Zürich sei, zum Besten gab, hielt sich die Begeisterung allenthalben aber in Grenzen. Im Gegenteil: Schimke trug sich gar Tadel von Andreas Hobi (Grüne) ein. «Das ging zu weit.»

Bürgerliche glauben an neues Stadtquartier

CVP-Stadtparlamentarier Louis Stähelin.

CVP-Stadtparlamentarier Louis Stähelin.

Bild: PD

Auch die Fraktionssprecher der anderen bürgerlichen Parteien hielten mit Euphorie nicht zurück. Louis Stähelin (CVP) sagte, seine Fraktion glaube an die Vision und die Schaffung eines neuen Stadtquartiers auf der Überdeckung. «Man kann auch Nein sagen zu dieser Vision. Man soll sich dann aber nicht wundern, wenn helle Köpfe die Stadt verlassen.» Man solle deshalb die Chance nutzen und die Sinnhaftigkeit einer solchen Überdeckung prüfen lassen. In eine ähnliche Kerbe schlug Donat Kuratli (SVP): «Die vertiefte Machbarkeitsstudie ist zwingend nötig, wenn man nicht durch Verzögerungen den Anschluss verpassen will.»

Baudirektorin Maria Pappa äusserte Verständnis für sämtliche Voten. Sie könne sowohl Euphorie als auch Skepsis nachvollziehen. Aber: Man sage bei dieser Vorlage nicht Ja zur Überdeckung, sondern zu deren vertieften Prüfung. «Das Engagement der privaten Investoren ermutigt uns, den nächsten Schritt zu tun.» In Anlehnung an Karl Schimkes Ständchen sagte sie: «Wir wollen nicht besser sein als Zürich. Wir sind eine eigenständige Stadt.»

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