Viele Gemeindewebseiten hinterlassen einen zwielichtigen Eindruck

Die Webseiten zahlreicher Gemeinden sind «nicht sicher» – zumindest wenn es nach Google geht. Gefahr besteht nicht, trotzdem wollen Andwil und Gossau nachrüsten.

Johannes Wey
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«Nicht sicher» – und das auf der Webseite der Stadt Gossau. (Bild: Urs Bucher)

«Nicht sicher» – und das auf der Webseite der Stadt Gossau. (Bild: Urs Bucher)

So etwas kann verunsichern: Ruft man im Browser Google Chrome die Webseite der Stadt Gossau auf, warnt das Programm, die Verbindung sei «nicht sicher». Bei anderen Browsern wie Internet Explorer oder Firefox ist dieselbe Warnung nach wenigen Klicks ebenfalls auffindbar. Und sie erscheint nicht nur auf der Webseite der Stadt Gossau, sondern bei den meisten Gemeinden in der Region – zu den Ausnahmen gehören die Stadt St.Gallen sowie die Gemeinden Waldkirch, Häggenschwil und Berg.

Die Warnung gleich auf den ersten Blick hat Google in seinem Chrome-Browser vor rund einem Monat eingeführt, wie «Watson» berichtete. Den Schritt angekündigt habe das Unternehmen schon 2014. Ob sicher oder nicht hängt vom Protokoll ab, dass für die Textübermittlung verwendet wird. Bei HTTPS werden die Daten verschlüsselt, bei HTTP nicht.

Wie ein gutes Türschloss

Christian Thiel, Professor für Wirtschaftsinformatik (Bild: PD)

Christian Thiel, Professor für Wirtschaftsinformatik (Bild: PD)

Christian Thiel gibt aber Entwarnung. Er ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule St.Gallen. «Wichtig ist in erster Linie, dass HTTPS dort verwendet wird, wo der Nutzer Daten eingibt.» Und tatsächlich, die E-Government-Bereiche der jeweiligen Gemeinden, wo die Einwohner etwa Umzüge melden oder Tageskarten bestellen können, sind ausnahmslos verschlüsselt. Doch trotzdem:

«HTTPS ist heute der Standard. Es gibt keinen Grund mehr, darauf zu verzichten»

Dies im Unterschied zu vor einigen Jahren, als die Verschlüsselung beispielsweise auf Kosten der Geschwindigkeit ging. Heute sei HTTPS eine Basis-Sicherheitsmassnahme. «So wie ein gutes Türschloss, das vor Einbrüchen schützt. Darüber hinaus kann man zahlreiche weitere Massnahmen ergreifen.»

Für den Nutzer habe eine verschlüsselte Webseite vor allem zwei Vorteile: Zum einen können seine Daten, die er an die Gemeinde übermittelt, nicht mitgelesen werden. Zum anderen gibt ihm ein Blick auf das Webseiten-Zertifikat die Gewissheit, dass er nicht auf einer gefälschten Webseite gelandet ist, wo seine Daten per «Phishing» erschlichen werden können.

Gossau und Andwil planen neue Webseiten

Der Gossauer Stadtschreiber Toni Inauen weist darauf hin, dass HTTP auf der Webseite nur dort verwendet wird, wo die Nutzer selber keine Daten eingeben. Auf das kommende Jahr hin sei zudem eine Neugestaltung der Webseite vorgesehen. «Die durchgehende Umstellung auf HTTPS ist eines der Ziele», sagt Inauen.

Eine neue Webseite ist auch in Andwil geplant. «Unsere Seite ist in die Jahre gekommen. Wir haben schon Offerten eingeholt», sagt Gemeindeschreiber Peter Thuma. Die Kosten, die für eine umfassende Lösung mehrere Zehntausend Franken betragen können, werden ins Budget 2019 aufgenommen, die Webseite könnte bis 2020 fertig sein.

Anbieter rät Kunden zu HTTPS

Sowohl die Webseite der Stadt Gossau als auch jene der Gemeinde Andwil wurde von der Zürcher Innovative Web AG gestaltet – genau wie zahlreiche weitere im Raum St.Gallen, sagt Lester Thompson, Leiter Verkauf. Bei ihren Produkten würden die E-Government-Dienste seit 2007 verschlüsselt. «Und seit vergangenem Sommer verschlüsseln wir alle unsere Produkte komplett. Das ist heute Standard.» Anfang Jahr habe man den Kunden empfohlen, auch die weniger sensiblen Bereiche ihrer Webseiten auf HTTPS umzustellen.

Ein Grund dafür war auch, dass Google in seiner Suchmaschine verschlüsselte Webseiten besser bewertet. Sie sind damit auch einfacher auffindbar. Zudem verhindere man so, dass Nutzer durch die Warnung «nicht sicher» verunsichert würden.