Neue Borkenkäferart in der Schweiz: Der Buchdrucker bekommt Konkurrenz

Eine neue Borkenkäferart wandert in die Schweiz ein. Der Nordische Fichtenborkenkäfer mag den gleichen Baum wie der Buchdrucker.

Bruno Knellwolf
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Eindringling: Der Nordische  Fichtenborkenkäfer.

Eindringling: Der Nordische Fichtenborkenkäfer.

WSL

Auch diesen Sommer machte der Borkenkäfer von sich reden. Bezeichnet als Killer des Waldes, der mit seinen Fressorgien die Bäume vernichtet. Unter den Borkenkäfern gilt dabei der Buchdrucker als besonders gefrässig; er ist in der Schweiz und Liechtenstein die häufigste Borkenkäferart an Fichten. «In den letzten sechs Jahren sind die Befälle durch diesen Borkenkäfer wieder angestiegen, speziell in den Jahren 2017 und 2018», sagt Beat Wermelinger, Entomologe an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Die Zahlen sind für dieses Jahr noch nicht bekannt, doch vermutet der Experte, dass regional sogar noch höhere Befälle aufgetreten sind. «Das hat natürlich mit der Hitze und Trockenheit der letzten zwei bis drei Jahre zu tun», sagt Wermelinger.

Und nun kommt ein weite- rer Borkenkäfer dazu. Denn der aus Skandinavien und Russland stammende Nordische Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus) ist erstmals in der Schweiz entdeckt worden. Und zwar im st.-gallischen und liechtensteinischen Rheintal. Wermelinger geht davon aus, dass sich der Nordische Borkenkäfer in der ganzen Schweiz verbreiten wird. «Entweder schnell mit Holztransporten oder etwas langsamer in fliegender Weise.»

Wie der Buchdrucker bohrt er sich in die Fichten ein, legt Eier ab. Zugleich schleppen die Borkenkäfer einen Pilz ein, der ihnen die Besiedlung lebender Bäume vereinfacht. Die Larven fressen unter der Rinde und unterbrechen dadurch den Saftstrom zu den Wurzeln, und der Pilz im Holz unterbindet den Wassertransport von den Wurzeln nach oben. «Diese beiden Mechanismen führen dazu, dass ein befallener Baum innerhalb von zwei bis drei Monaten abstirbt» sagt Wermelinger.

Spezielle Massnahmen sind nicht nötig

Die Schweizer Fichten werden jetzt also auch noch durch den nordischen Eindringling bedrängt. Wie weit die neue Art zusätzlichen Befall verursache, sei unklar, sagt der WSL-For-scher. Denn es ist schwer zu erkennen, ob die Fichte wegen des Buchdruckers oder des auf dem gleichen Baum lebenden neuen Fichtenborkenkäfers abgestorben ist. Der nordische kann aber auch alleine auf einer Fichte wüten. Andere Baumarten sind bei uns aber kaum durch diesen Borkenkäfer bedroht, anders als in Sibirien, wo er auch Lärchen befällt.

Spezielle Massnahmen gegen den Eindringling seien keine nötig, da die übliche Bekämpfung des Buchdruckers auch die neue Art treffe. Allerdings: Das Fällen befallener Fichten im Winter schadet einzig dem Buchdrucker, nicht aber dem Nordischen Käfer.