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Glosse

Böser Doppelgänger: Der falsche Eisenring aus Häggenschwil

Bedrückt sei die Stimmung in der Gemeinde Häggenschwil, hiess es kürzlich in der Sonntagspresse. Und nicht besser sei es um die Stimmung des Gemeindepräsidenten bestellt. Dass das nicht ernst gemeint war, kam nicht bei allen Lesern an.
Michel Burtscher
Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring im ehemaligen Restaurant Krone in Häggenschwil. (Bild: Ralph Ribi, 13.4.2016)

Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring im ehemaligen Restaurant Krone in Häggenschwil. (Bild: Ralph Ribi, 13.4.2016)

Manch einem Häggenschwiler muss das Gipfeli im Hals stecken geblieben sein, als er die vorletzte Ausgabe der «NZZ am Sonntag» gelesen hat. Francesco Benini, Inlandchef der Zeitung und gebürtiger St.Galler, erzählt darin eine unglaubliche Geschichte. Bedrückt sei die Stimmung in Häggenschwil, schreibt er. Genauso wie jene des Gemeindepräsidenten, der namentlich nicht genannt wird. Denn im Dorf, da läuft es nicht so rund.

Benini erzählt von der 1.-August-Feier, die vom russischen Gasriesen Gazprom hätte gesponsert werden sollen. Nachdem die Öffentlichkeit davon erfuhr, blies der Gemeindepräsident die Sache ab. Damit nicht genug: Mehrmals habe sich der Gemeindepräsident in die Nesseln gesetzt. Etwa damals, als er heimlich das Bürgerrecht Wittenbachs angenommen habe. Auch von dessen Sofa «mit dem bunten Stoffmuster» berichtet Benini.

Der politisch interessierte Leser merkt: Da geht es nicht wirklich um Häggenschwil – und auch nicht um dessen Gemeindepräsidenten. Vielmehr überträgt Benini das Gebaren von Aussenminister Ignazio Cassis in seiner Glosse auf die Gemeindeebene, etwa das missglückte Sponsoring des Schweizer Expo-Pavillons durch einen Tabakkonzern. Zufälligerweise wählte der Journalist dafür Häggenschwil. Dass das alles nicht ernst gemeint war, kam aber nicht bei allen Lesern an.

Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring – diesmal der richtige – schreibt im aktuellen Mitteilungsblatt, der Artikel habe zu vielen Reaktionen geführt, weil dessen Sinn nicht von allen verstanden worden sei. Er könne jedoch Entwarnung geben, in Häggenschwil laufe alles «im grünen Bereich». Das sind gute Nachrichten. Wobei Eisenring zu denken geben sollte, dass es anscheinend Menschen gibt, die ihm Cassis’sche Eskapaden zutrauen. Was wiederum ein Zeichen sein könnte, dass er eigentlich ganz gut in den Bundesrat passen würde.

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