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Blumen bündeln statt salutieren – Eritreer gelingt Neuanfang bei Horner Floristin

Seare Mihreteab aus Eritrea ist ein Glücksfall für ein Horner Blumengeschäft. Seine Wohngemeinde Tübach vermittelte ihm den Job, in dem er aufblüht.
Sina Walser
Seare Mihreteab ist eine grosse Hilfe und entlastet Monica Koeppel im Blumengeschäft Kumari Fleurs. (Bild: Sina Walser)

Seare Mihreteab ist eine grosse Hilfe und entlastet Monica Koeppel im Blumengeschäft Kumari Fleurs. (Bild: Sina Walser)

«Mir gefällt es hier gut. Ich bin froh über die Freiheit in der Schweiz und geniesse die Stabilität des Landes», sagt Seare Mihreteab. Der ehemalige Flüchtling aus Eritrea arbeitet seit 2015 im Blumengeschäft Kumari Fleurs in Horn. Er wohnt seit sieben Jahren mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Tübach und landete durch die Arbeitsvermittlung beim Blumengeschäft.

Neben der sprachlichen Integration ist es auch Aufgabe der Gemeinden, Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. «Eine gesellschaftliche Integration gelingt am besten und am schnellsten, wenn man die Flüchtlinge in den Arbeitsalltag integriert», sagt Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach.

Die Ankunft in der Schweiz war für ihn ein Glückstag

Der 35-jährige Seare Mihreteab flüchtete Anfang April 2012 aus Eritrea und kommt am 26. April in der Schweiz an. Er wisse dieses Datum noch genau, sagt Mihreteab:

«Für mich war es ein Glückstag.»

Die schlimmen Zustände beim Militär in Eritrea und die fehlende Perspektive bewegen ihn zur Flucht. Schliesslich kommt er in Tübach an und wird nach drei Jahren Aufenthalt von der Gemeinde durch persönliche Kontakte dem Blumengeschäft Kumari Fleurs als Arbeitskraft vermittelt.

Seare Mihreteab ist nicht der erste Flüchtling, den Monica Koeppel, die Geschäftsführerin von Kumari Fleurs, beschäftigt. Sie habe leider schlechte Erfahrungen mit den Vorgängern gemacht, sagt sie, was dazu führte, dass sie die weiteren Anfragen der Gemeinde Tübach für neue Arbeitskräfte einige Male absagte. Bei Mihreteab lässt sie sich überreden und lädt ihn zu einem Gespräch ein. Sie bemerkt schnell, dass er arbeiten will und sehr sorgfältig und präzise mit allem umgeht. Deshalb stellt sie ihn bei sich an. Er beginnt mit einfachen Putzarbeiten sowie der Blumenpflege und arbeitet sich rasch ein. Er habe sie sehr schnell akzeptiert und als Chefin respektiert.

Chefin will ihrem Angestellten die Schweizer Mentalität näher bringen

Monica Koeppel und ihre Mitarbeitenden haben sehr viel Zeit investiert, um ihn über die hiesige Kultur und Politik aufzuklären sowie die Schweizer Mentalität näherzubringen. «Für mich war diese Aufklärung sehr wichtig, denn ich wollte ihm zeigen, dass es in der Schweiz zwar schön ist, aber man dafür auch arbeiten muss», sagt sie. Es gebe nämlich genug Flüchtlinge, denen es an einer solchen Aufklärung mangle, wodurch sich bei vielen Schweizern auch das schlechte Bild der Flüchtlinge gebildet hätte.

Die investierte Zeit hat sich gelohnt, wenn man Seare Mihreteab heute beim Arbeiten zuschaut. Zahlreiche Blumensträusse und -gestecke von ihm sind nun im Atelier Kumari Fleurs zu finden. Er kennt viele Blumennamen auswendig und kreiert Dekorationen für Kunden. «Wir haben wirklich Glück mit ihm. Natürlich muss ich ihm jeden Tag viel Geduld entgegenbringen, doch wir sind sehr dankbar», sagt Monica Koeppel.

Neben Seare Mihreteab beschäftigt das Blumengeschäft Kumari Fleurs auch noch zwei andere Mitarbeitende. Monica Koeppel ist schon seit 35 Jahren als Floristin tätig und hat seit 2001 ein eigenes Geschäft in der Region Rorschach. Neben dem saisonalen Verkauf von Blumen, Pflanzen, Töpfen und Accessoires im Horner Atelier bietet Kumari Fleurs auch Festdekorationen für Geburtstage oder Hochzeiten an.

Seare Mihreteab übernimmt Verantwortung

In den vier Jahren habe Seare Mihreteab keinen einzigen Tag gefehlt. Dies sei wirklich erwähnenswert, habe aber auch dazu geführt, dass er im Laden eine gewisse Verantwortung habe, sagt die Geschäftsführerin.

Mihreteab muss neben dem Gestalten von Sträussen auch den Boden wischen, die Blumen giessen und schwere Dinge tragen, wird aber auch dementsprechend dafür gelobt und als Mitarbeiter entlohnt. «Seit Seare bei uns mithilft, habe ich keine Schmerzen mehr im Rücken», sagt Monica Koeppel und lacht.

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