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Blitzeinschlag auf Sportplatz in Abtwil: 13 Fussballspieler aus dem Krankenhaus entlassen – einer bleibt hospitalisiert +++ Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes: «Der Schock ist gross»

Am Dienstagabend ist es in Abtwil bei einem Gewitter zu mehreren Blitzeinschlägen gekommen. Auf dem Sportplatz Spiserwis wurden 14 Jugendliche verletzt und mussten ins Spital gebracht werden. Inzwischen konnten 13 Spieler das Krankenhaus verlassen. Der 16-Jährige, welcher mit der Rega ins Spital geflogen werden musste, bleibt hospitalisiert.

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BRK News
  • Am Dienstagabend schlug während eines Junioren-Fussballspiels ein Blitz auf dem Sportplatz Spiserwis in Abtwil ein.
  • 14 Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren wurden verletzt und am Dienstagabend in verschiedene Spitäler gebracht – ein Fussballspieler war bewusstlos und wurde mit der Rega ins Spital geflogen.
  • Am Mittwochnachmittag ist noch ein Jugendlicher im Spital.
  • Vor zwei Jahren wurde der Sportplatz elektrotechnisch überprüft und damals als mangelfrei beurteilt.

(rms/dwa/fin/rar/dar/nat) Am Dienstagabend hat auf dem Sportplatz Spiserwis bei einem Spiel zwischen B-Junioren des FC Abtwil-Engelburg und des FC Münsterlingen in Abtwil ein Blitz in einen Scheinwerfer eingeschlagen. Anschliessend bewegte er sich über das Spielfeld und traf dabei mehrere Spieler. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt am Dienstagabend auf Nachfrage:

«14 Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren sind verletzt worden. Sie wurden in verschiedene Spitäler eingeliefert und bleiben dort zur Überwachung.»

Ein Fussballspieler sei bewusstlos gewesen – er musste mit der Rega transportiert werden. Zum genauen Gesundheitszustand kann Krüsi am Dienstagabend keine genauen Angaben machen. Der Betroffene habe aber eine Verletzung aufgrund eines Stromschlags erlitten. Der genaue Unfallhergang werde derzeit noch abgeklärt. Zuschauer wurden beim Spiel keine verletzt.

Am Mittwochnachmittag teilt die Kantonspolizei mit, dass mittlerweile 13 Jugendliche das Spital verlassen konnten. Der 16-jährige Fussballspieler, welcher mit der Rega ins Spital geflogen werden musste, bleibt hospitalisiert. Nach Angaben des medizinischen Personals sei sein Gesundheitszustand stabil, heisst es in einer Medienmitteilung. Genauere Angaben dazu können nicht gemacht werden.

Gemäss einem Communiqué des FC Münsterlingen seien die Junioren des Vereins stabil. Weiter heisst es:

«Dies gilt auch für den kurzzeitig bewusstlosen Junior, der durch die Rega versorgt werden musste.»

Sieben der acht betroffenen Spieler des FC Münsterlingens konnten in der Zwischenzeit das Spital verlassen, schreibt der Vorstand in einem Communiqué am Mittwochnachmittag.

Feuerwehr, Polizei und Sanität rückten mit einem Grossaufgebot nach Abtwil aus. Sechs Rettungswagen sowie ein Careteam wurden aufgeboten. Der Verkehr war wegen des Vorfalls aber nur gering eingeschränkt, so Krüsi weiter.

Nicht der erste Vorfall

Blitzeinschlag in Sirnach vor neun Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Ostschweiz der Blitz auf einem Sportplatz einschlägt. Im Frühling 2011 kam es beim 2.-Liga-Fussballspiel zwischen dem FC Sirnach-Stella und dem FC Weesen zu einem Blitzeinschlag. Das Feld in Sirnach war zum Zeitpunkt des Unglücks regennass. Direkt vom Blitz getroffen wurde zwar niemand. Insgesamt sieben Personen wurden von der Wucht des Blitzeinschlags aber zu Boden geschleudert: je zwei Spieler der beiden Mannschaften, der Schiedsrichter und zwei Balljungen. Drei Betroffene mussten zur Kontrolle ins Spital gebracht werden. Der Match wurde nach dem Blitzeinschlag beim Stand von 2:1 für den Gast sofort abgebrochen.

In der Folge kam es zu Vorwürfen seitens des Gastvereins aus Weesen. Die Partie hätte problemlos weitergeführt werden können, so die Auffassung des Clubs. Plötzlich hätten jedoch Spieler des Heimvereins über Probleme geklagt und anscheinend nicht mehr weiterspielen können, obwohl ihnen zum Zeitpunkt des Blitzeinschlags nichts anzumerken gewesen sei. Sirnach seinerseits konterte die Vorwürfe und hielt fest, ein Spieler des Heimteams sei nach dem Blitzeinschlag ins Klubhaus geführt worden und mit Kopfweh und Übelkeit zusammengebrochen.

Der Ostschweizer Fussballverband hat ein Merkblatt für Spiele bei drohenden Gewittern

Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes.

Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes.

Bild: Reto Martin

Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes (OFV), zeigt sich am Mittwochmorgen bestürzt:

«Der Schock ist auch heute noch gross. Wir sind in Gedanken bei den Jugendlichen, den Eltern und den Trainern.»

Solche Zwischenfälle seien immer tragisch. Er erinnert an den Vorfall in Sirnach (siehe Infobox). Auch wenn damals niemand direkt vom Blitz getroffen worden war, schreibt der Ostschweizer Fussballverband daraufhin ein Merkblatt zu Gewittern, das sich an Schiedsrichter und Trainer richtet. In diesem heisst es etwa:

«Folgt der Donner einem Blitz nach 15 Sekunden, ist das Gewitter ungefähr fünf Kilometer entfernt und damit gefährlich nah – der Schiedsrichter sollte jetzt ein Fussballspiel unterbrechen.»

Dieses Merkblatt ist eine Ergänzung zum offiziellen Schiedsrichter-Merkblatt der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Fussballverbandes. In diesem sind Gründe für Spielabbrüche aufgeführt: Gewitter mit Blitzschlag wird auch genannt. Jedoch fehlt eine genauere Beschreibung der Situation, wann ein Spiel abzubrechen sei, wie dies im Merkblatt des OFV festgehalten ist. Ein Spiel abbrechen darf gemäss dem Reglement des Schweizerischen Fussballverbandes ein Schiedsrichter erst, wenn sich andere Massnahmen, wie etwa einen Unterbruch, als «wirkungslos» erweisen. Reglementarisch kann einzig der Schiedsrichter ein Spiel ab- oder unterbrechen, sagt Häuselmann.

Der Blitz hat eingeschlagen, als das Gewitter bereits abzog

Hätte das Spiel also abgebrochen werden müssen? Antworten auf diese Frage liefert Marcel Stofer, Präsident der Schiesdrichterkommission des OFV. Stofer wohnt im nahen Engelburg und war nach dem Vorfall gegen 22:30 Uhr am Ort des Geschehens. Er habe mit verschiedenen Funktionären, Eltern und anderen anwesenden Personen gesprochen, sagt Stofer.

«Ein Spielabbruch oder -unterbruch stand nie zur Diskussion.»

Zum Blitzeinschlag sei es laut der Anwesenden erst gekommen, als das Gewitter bereits am Abziehen war. In aller Regel fällen Schiedsrichter und Trainer einen Gemeinschaftsentscheid. Weder Schiedsrichter, noch Trainer hätten aber einen Spielabbruch in Betracht gezogen, so Stofer. Die Trainer oder andere Offizielle, dies ist auch im Merkblatt festgehalten, können einzig einen Spielunterbruch verlangen. Geht der Schiedsrichter nicht darauf ein, könnte die Mannschaft Protest einlegen und das Spielfeld verlassen. Stofer hält fest: «Ein Gewitter ist zwar etwas spezielles, aber nicht aussergewöhnliches im Fussball.»

Ob das Spiel auf Grund der schlechten Wetterverhältnisse hätte abgebrochen werden müssen, wird derzeit in Zusammenarbeit von Kantonspolizei St.Gallen und Staatsanwaltschaft untersucht. Kapo-Sprecher Hanspeter Krüsi spezifiziert auf Nachfrage. Man werde alle möglichen Ursachen und Faktoren untersuchen: Wetterdaten, Schiedrichterreglemente, die Lichtanlage. Krüsi fährt weiter:

«War es technisches Versagen? War es menschliches Versagen? Oder schlicht ein Zufall?»

Lichtmasten auf Sportplätzen verfügen im Normalfall über einen Blitzableiter, heisst es von verschiedenen Herstellern. «Solche Kandelaber sind in der Regel geerdet», sagt etwa Hermann Kolb von der Firma Kolb Protech aus Oberriet im Rheintal. Der Blitzableiter werde jeweils von Elektrikern installiert.

Der Schiedsrichter wurde von einem Care-Team betreut

Auch wenn der Schiedsrichter nicht vom Blitzeinschlag getroffen worden ist, sei auch er ein Betroffener, sagt Schiedrichterkommissionspräsident Stofer, der noch am Dienstagabend mit dem Schiedsrichter sprechen konnte. Es sei auch für ihn eine intensive Situation. Entsprechend wurde er vom Careteam betreut und nach Hause begleitet. Er sei am Mittwochmorgen, wie von den Psychologen geraten, zur Arbeit gegangen. Stofel sagt weiter:

«Dem Schiedsrichter geht es gut.»

Roger Wagner, Vizepräsident des FC Abtwil-Engelburg, sagt am Mittwochmorgen gegenüber «20 Minuten», in Zukunft werde man Spiele und Trainings beim drohenden Gewitter abbrechen. «Wir haben in der Vergangenheit aber auch zig Situationen erlebt, in denen nichts passiert ist.» Ob ein Spiel abgebrochen werde, liege im menschlichen Ermessen. Die Betroffenen im Verein werde man eng begleiten und unterstützen.

Der Gemeindepräsident ist betroffen

Boris Tschirky, , Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Boris Tschirky, , Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Bild: Benjamin Manser

Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald, auf dessen Gemeindegebiet der Fussballplatz Spiserwis liegt, zeigt sich auf Anfrage betroffen über den Unfall.

«Ich hoffe natürlich, dass die jungen Fussballspieler schnell wieder gesund werden.»

Die Staatsanwaltschaft werde nun den Vorfall genauer untersuchen. Tschirky kann soviel sagen: «Die gesamte Anlage wurde vor zwei Jahren elektrotechnisch überprüft und damals als mangelfrei beurteilt.»

Mehrere Spieler wurden durch den Blitzeinschlag auf dem Sportplatz Spiserwis verletzt.

Mehrere Spieler wurden durch den Blitzeinschlag auf dem Sportplatz Spiserwis verletzt.

Bild: Serafin Reiber

Wie ist der Kybunpark gesichert?

Könnte ein ähnlicher Vorfall auch im Kybunpark während eines Spiels des FC St.Gallen passieren? David Gadze, Mediensprecher des FC St.Gallen schreibt auf Anfrage, der Kybunpark sei nach den gängigen Regeln und Normen der Gebäudesicherungstechnik geschützt. Und weiter:

«Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Blitz auf dem Spielfeld einschlägt – wie auf jedem offenen Feld.»

Blitz schlägt auch in Haus ein

Der Blitzeinschlag auf dem Sportplatz war nicht der einzige an diesem Abend. Die Feuerwehr musste zudem wegen eines Hausbrandes bei der Bushaltestelle Ausserdorf Abtwil ausrücken. «Verletzte hat es bei diesem Vorfall keine gegeben», bestätigt Hanspeter Krüsi. Es sei nur Sachschaden am Dach entstanden.

Ein zweiter Blitz hat in ein Haus eingeschlagen.

Ein zweiter Blitz hat in ein Haus eingeschlagen.

Serafin Reiber