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Geothermie in St.Gallen: Wissenschaftler nutzen das Bohrloch

Der St.Galler Stadtrat möchte mit dem definitiven Versiegeln des 4450 Meter tiefen Geothermie-Bohrlochs «St.Gallen GT-1» zuwarten. Gegenwärtig wird dieses von der Wissenschaft genutzt; es ist Teil des EU-Programms «Science4CleanEnergy».
Daniel Wirth
Erinnert an das Geothermie-Projekt: Eine eiserne Gedenkmeissel-Plastik. (Bild: Ralph Ribi (3. August 2018))

Erinnert an das Geothermie-Projekt: Eine eiserne Gedenkmeissel-Plastik. (Bild: Ralph Ribi (3. August 2018))

Zwischen Kehrichtheizkraftwerk (KHK) und Open-Air-Osteingang im Sittertobel liegen seit knapp fünf Jahren schwere rostrote Stahlplatten über «St.Gallen GT-1», dem Geothermie-Bohrloch, das vor ziemlich genau fünf Jahren nach einem Erdbeben provisorisch versiegelt wurde.

Rund um die Stahlplatte steht ein windiges Gatter, und rund um das Gatter liegen mehrere hundert grosse, mit weisser Folie umhüllte Ballen überschüssigen Kehrichts, die als Reserve für den Winter dienen. Ein Steinwurf davon entfernt, am Rand der Rechenwaldstrasse, erinnert ein stählerner Geothermie-Gedenkmeissel an das pionierhafte St.Galler Energieprojekt, das vor fünf Jahren erdstossartig zu Ende ging und schweizweit und international für Schlagzeilen sorgte.

Ein Projekt der Europäischen Union

Seit diesem Jahr und noch bis 2020 dient das 4450 Meter tiefe Loch Forschern des EU-Programms «Science4CleanEnergy». Wissenschafter wollen herausfinden, wie sich tiefe Bohrungen auf die Umwelt auswirken. Die Teilnahme am Programm koste die Stadt nichts, wie Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe, sagt. Im Gegenteil: Die Europäische Union zahlt der Stadt St.Gallen während dreier Jahre einen sechsstelligen Betrag. Das ist im Vergleich mit den rund 38 Millionen Franken, welche von der Stadt in Zusammenhang mit dem Geothermie-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes «verlocht» wurden, ein Klacks, aber immerhin.

Andere Nutzungen als eine wissenschaftliche hatte der Stadtrat sorgfältig abklären lassen und 2016 in einer Antwort auf ein Postulat Jürg Brunners und René Neuweilers (beide SVP) ausführlich darüber berichtet. Nachdem klar war, dass zu wenig heisses Wasser im Untergrund vorhanden war, wurde von Fachleuten abgeklärt, ob allenfalls die Förderung von Erdgas ökonomisch sinnvoll wäre. Das Ergebnis: Sie ist es nicht. Bei einer optimistischen Annahme von zehn Millionen Normkubikmetern Erdgas hätten die geschätzten Investitionen von 6,5 Millionen Franken, die es gebraucht hätte, um Gas zu fördern, den Ertrag von circa 3,5 Millionen Franken bei weitem nicht gedeckt. Zehn Millionen Normkubikmeter Erdgas entsprechen rund 110 Gigawattstunden Energie. Ein Vergleich: Der Absatz der St.Galler Stadtwerke (SGSW) an Endkundinnen und -kunden betrug 2017 knapp 780 Gigawattstunden. Das heisst: Das Erdgas aus dem Bohrloch «St.Gallen GT-1» wäre nach zwei Monaten aufgebraucht.

Geprüft wurde gemäss Jans auch der Einbau einer Erdwärmesonde. Auch das sei derzeit wirtschaftlich nicht sinnvoll, sagt der Nachfolger von Stadtrat Fredy Brunner, dem geistigen Vater des St.Galler Geothermie-Projekts, das schliesslich scheiterte. Dennoch: Jans übt keine Kritik an den St.Galler Geothermie-Pionieren. Im Gegenteil: Er windet ihnen ein Kränzchen und bindet die Stimmberechtigten in sein Lob für den seinerzeitigen mutigen Entscheid mit ein. St.Gallen habe erkannt, dass die Energiewende und die im Energiekonzept 2050 festgeschriebenen Ziele notwendig seien, und es sich lohne, dafür zu investieren.

KHK und Fotovoltaik als Kompensation

Die erwartete Energie aus dem Geothermie-Projekt muss gemäss Jans kompensiert werden. Bei der Wärme sei das durch den Ausbau des KHK zum Teil gelungen. Bei der Produktion elektrischer Energie als Kompensation für solche aus heissem Wasser fördere die Stadt Fotovoltaik-Anlagen, und baue sie Anlagen für die Wärme-Kraft-Koppelung.

Das Bohrloch definitiv verschliessen möchte der Stadtrat noch nicht. «Die Technik macht Fortschritte», sagt Peter Jans.

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