Biogasanlage in Waldkirch: Mist oder Multitalent?

Hat die Gemeinde Waldkirch das Potenzial für eine oder gar mehrere Biogasanlagen? Dieser Frage sind der Landverein Tannenberg und der Naturschutzverein Waldkirch-Bernhardzell nachgegangen.

Manuela Bruhin
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Eine Biogasanlage im thurgauischen Tuttwil. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Eine Biogasanlage im thurgauischen Tuttwil. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Ich bin voll und ganz mit dem Virus infiziert.» Landwirt Michael Müller brachte mit dieser Aussage einige der rund 50 Anwesenden im OZ Bünt in Waldkirch zum Schmunzeln. An der Infoveranstaltung des Landvereins Tannenberg und des Naturschutzvereins Waldkirch-Bernhardzell unter dem Titel «Mit Biogas in die Zukunft – Chance für Waldkirch?» stellte er seine Biogasanlage im Kanton Thurgau vor. Und zeigte gleichzeitig seine grosse Leidenschaft dafür. Diese ist auch nötig, wenn es um den Bau einer solchen Anlage geht, denn es sind einige Hindernisse zu überwinden und noch mehr Bürokratie zu bewältigen. Sämtliche Vor- und Nachteile erläuterten Müller und weitere Referenten am Donnerstagabend.

Mehrere Voraussetzungen müssen gegeben sein

Derzeit gibt es in der Schweiz etwa 130 Biogasanlagen. In Deutschland sind es über 9000. «Die Schweiz ist im Vergleich dazu ein Klacks», brachte es Simon Bolli von Ökostrom Schweiz auf den Punkt. Und verdeutlichte auch gleich das grosse Potenzial, das noch in den Anlagen stecke. Die Vorteile würden nämlich nicht nur in der Energieproduktion liegen. «Vielmehr geht es auch um den Klimaschutz. Biogasanlagen sind Multitalente», sagte Bolli. Gerade beim ersten Punkt müsse nämlich noch einiges getan werden, erklärte Lorenz Neher, Leiter Energieförderung. Derzeit machen die fossilen Energien 75 Prozent aus, die erneuerbaren lediglich 25 Prozent. Bis 2050 müsse jedoch ein Systemwechsel erfolgen. Als «extrem steilen Weg» bezeichnet ihn Neher daher.

Doch wo steht die Gemeinde Waldkirch? Ist der Bau einer Biogasanlage überhaupt möglich? Dazu müssten verschiedene Voraussetzungen wie beispielsweise gute Verkehrsanbindungen gegeben sein.

Energiespezialist Thomas Keel symbolisierte mit einer Karte drei mögliche Standorte in Waldkirch und Bernhardzell. Nebst den positiven Effekten verdeutlichte er dabei auch, wie viele Herausforderungen damit verbunden wären. Manchmal machte die Topografie dem theoretischen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, ein anderes Mal waren die Distanzen zu weit. «Die Einsprachen erschweren den Bau einer Biogasanlage wohl am meisten», sagt Michael Müller, der seit einigen Jahren eine Anlage besitzt.

Anlage über eine App steuern

Die gezeigten Standorte waren zwar nur theoretische Vorschläge. Die anschliessende Diskussionsrunde wurde dennoch rege genutzt. Der Tenor verdeutlichte schnell: Grundsätzlich befürworteten die Anwesenden Biogasanlagen. Doch Zweifel an der Umsetzung liessen sich nicht von der Hand weisen.

Wie hoch der zeitliche Aufwand für den Betrieb sei, wollte beispielsweise ein Landwirt wissen. Müller ist durchschnittlich eineinhalb Stunden mit dem Unterhalt und den administrativen Angelegenheiten beschäftigt. Früher musste er oft nachts aufstehen, wenn es ein technisches Problem gab. «Heute kann ich das bequem über ein App steuern», erklärte er. Fragen über die Nachhaltigkeit und die Geruchsimmissionen wurden ebenfalls gestellt.

Auch die Kosten waren Anstoss für Diskussionen. Landwirt Michael Müller schätzt das Investitionsvolumen seiner Anlage mittlerweile auf rund drei Millionen Franken. «Ich befürworte die erneuerbaren Energien sehr», sagte ein Anwesender. Doch letzten Endes müsse es sich auch finanziell rechnen. Ein solch magerer Stundenlohn, wie er mittlerweile in der Landwirtschaft üblich sei, sei wahrlich kein Anstoss für den Bau einer solchen Anlage – darin waren sich alle Anwesenden einig.