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Binäre Uhr wieder defekt: Das Zeiträtsel am St.Galler Bahnhofplatz

Mit der binären Uhr am Hauptbahnhof harzt es immer noch: Am Sonntagabend zeigte das Kunstwerk an der Aussenseite der neuen Ankunftshalle wieder eine falsche Zeit an. Die Stadt sucht erneut den Fehler, der beim Funksignal für die Zeitsynchronisation vermutet wird.
Reto Voneschen
Sonntag, 18.33 Uhr, auf dem Bahnhofplatz. Die binäre Uhr zeigt - in einem wenigstens geometrisch attraktiven Muster - allerdings 12.20 Uhr (und 34 Sekunden) an. (Leserbild: Hermann Bigler - 14. Oktober 2018)

Sonntag, 18.33 Uhr, auf dem Bahnhofplatz. Die binäre Uhr zeigt - in einem wenigstens geometrisch attraktiven Muster - allerdings 12.20 Uhr (und 34 Sekunden) an. (Leserbild: Hermann Bigler - 14. Oktober 2018)

18.33 Uhr war's, als Leserfotograf Hermann Bigler am Sonntag auf dem Bahnhofplatz stand. Die binäre Uhr an der Aussenseite der neuen Ankunftshalle zeigte aber erst 12.20 Uhr (und 34 Sekunden) an. Jetzt, wo die halbe Schweiz an die Olma nach St.Gallen reise, sei das ärgerlich, schreibt Bigler in einem E-Mail an die Tagblatt-Redaktion. Beleg für die falsche Zeitangabe ist ein Foto.

Es sei korrekt, dass die binäre Uhr wieder ein falsche Zeit anzeige, bestätigte am Montagmittag eine Sprecherin der städtischen Baudirektion die Beobachtung des Leserfotografen. Anscheinend funktioniere die Zeitsynchronisation nicht mehr, die auf einem Funksignal basiere. Die Hersteller der binären Uhr versuchen nun, die Uhr von dieser Synchronisation abzuhängen. Dies um zu kontrollieren, ob sie dann richtig geht.

Erste Fehlermeldung im September

Dass die binäre Uhr am Hauptbahnhof ein technisches Problem hat, ist nicht neu. Erstmals trat ein Fehler Ende September auf: Die Uhr zeigte eine falsche Zeit an. Darauf aufmerksam wurde die Stadt selber erst, weil lokale Medienredaktionen am 24. und 25. September aufgrund des Bildes eines Passanten nachfragten.

Damals litt die binäre Uhr - wie zuvor von Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner vermutet - unter anderem an einem Hardware-Problem. Der defekte «Sekunden-Zeiger» wurde daraufhin am 26. September durch den Herstellerbetrieb ausgetauscht. Zudem wurde die Steuerung der Uhr neu eingestellt.

Ist der Elektrosmog schuld?

Damals kündigte der Stadtbaumeister bereits an, dass man der Ursache für den Defekt genauer auf den Grund gehen wolle. Eine Möglichkeit, wieso die Uhr eine falsche Zeit zeige, sei, dass Elektrosmog von den Fahrleitungen der Bahn oder der Trolleybusse ihre Signale übersteuere, vermutete Hansueli Rechsteiner damals.

Die nächste Meldung aus Leserkreisen zur binären Uhr ging am Anfang der ersten Herbstferienwoche bei lokalen Medienredaktionen ein: Wer am 2. Oktober versuchte, die Zeit abzulesen, musste sich mit der Minuten- und der Sekundenanzeige begnügen. Die komplette obere Reihe mit den Kreissymbolen für die Stunden war ausgefallen. Im Verlauf des Tages leuchteten die blauen Symbole zwar wieder auf, allerdings zeigte die Uhr eine falsche Zeit an.

Kunst am Bau von Norbert Möslang

Die binäre Uhr an der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs ist eine Lichtinstallation des St.Galler Künstlers Norbert Möslang. Der 65-Jährige hatte sich in einem Wettbewerb mit acht eingeladenen Kunstschaffenden aus dem In- und Ausland durchgesetzt. Die Gesamtkosten für das Kunstprojekt betragen 324'000 Franken. Sie waren gemäss Stadtingenieur Beat Rietmann im Kredit für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes enthalten.

Wie man die binäre Uhr an der neuen Ankunftshalle des Hauptbahnhofs liest, erklärte die Stadt im Frühling mit dieser Illustration. (Bild: Stadt St.Gallen)

Wie man die binäre Uhr an der neuen Ankunftshalle des Hauptbahnhofs liest, erklärte die Stadt im Frühling mit dieser Illustration. (Bild: Stadt St.Gallen)

Die binäre Uhr war nach ihrer Montage Anfang April wochenlang ein Stadtthema. Befürworter und Gegner der Installation lieferten sich in den Social Media und lokalen Leserbriefspalten eine kleine verbale Schlacht. Kaum war diese verebbt, löste eine Info-Tafel mit den Abfahrtszeiten und Abfahrtsorten der Busse direkt unterhalb der Kunstinstallation erneut Aufregung aus.

Kunst contra Information: Was hat Vorrang?

Stadtparlamentarier bezeichneten die Info-Tafel direkt beim Kunstwerk in einem Vorstoss als «Schildbürgerstreich», den es unbedingt zu korrigieren gelte. Die Tafel wurde schliesslich umgehängt. Gegner der binären Uhr und auch Pro Bahn als Interessenvertretung der ÖV-Fahrgäste nahmen dies zum Anlass, Kritik an den Prioritäten des Stadtrates zu üben: Am Hauptbahnhof müsse die Information für Reisende Vorrang gegenüber der Kunst am Bau haben.

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