Bin ich gemacht für Hollywood? Im Schauspielkurs in Rorschach können Jugendliche ihr Talent vor und hinter der Kamera entdecken

Im Schauspielkurs der Volkshochschule Rorschach tauchen Jugendliche in die Arbeit vor und hinter der Kamera ein. Der Kurs soll den Teilnehmern einerseits die Arbeit näherbringen, andererseits auch als Denkanstoss über den eigenen Medienkonsum dienen.

Viola Priss
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Mit, vor und hinter der Kamera zu spielen will gelernt sein. Und ausprobiert, im Schauspielkurs in Rorschach.

Mit, vor und hinter der Kamera zu spielen will gelernt sein. Und ausprobiert, im Schauspielkurs in Rorschach.

Bild: PD

Manchmal ist ein Augenzwinkern schon zu viel. Wenn die Kamera läuft und jede feine Regung einfängt, sind ausufernde Bewegungen und Grinsekatze fehl am Platz. Die Karriere vom Instagram-Influencer zum Filmstar, viele Kinder und Jugendliche träumen von ihr.

Dass die Realität vor und hinter der Kamera neben Talent besonders Akribie, Disziplin und viel Wartezeit bedeutet, können Jugendliche jetzt bei der Volkshochschule Rorschach selbst erleben. Andreas Beutler, Schauspieler und Schauspielcoach, ermöglicht jungen Talenten, in die Welt von Celluloid und Mimenspiel einzutauchen.

Wage ich es, Emotionen zu zeigen?

Hinter der Fünf-Sekunden-Szene, die am Ende im Kameraguckkasten zu bestaunen ist, steckt Kameratechnik, Perspektivwechsel und viel Justieren am Ausdruck. Während es im Theater häufig ausladende Gesten und ausufernde Bewegungen brauche, ginge es beim Film um Feinarbeit, sagt Kursleiter Beutler: «Theater und Film, das sind zwei ganz verschiedene Berufe. Das ist, als würde man die Arbeit eines Konditors mit der eines Bäckers vergleichen!»

Als Schauspielcoach erspürt und begleitet er junge Talente auf ihrem Weg vor die Filmkamera. Körperübungen, Atemtraining, Choreografie, aber auch das «Sich-Einlassen-Können» auf das Gegenüber entschieden über den Verlauf einer Schauspielkarriere. Und: «Geduld, Geduld, Geduld. Auch dann, wenn man sich fragt, wann endlich das ‹Und ...Action!› kommt.»

Beutler selbst ist seit Jahrzehnten auf beiden Bühnen, Theater wie Film, zu Hause. In «Der Goali bin ig» betreute er den Nachwuchs während, vor und nach den Dreharbeiten, stand aber gleichzeitig auch selbst in der Hauptrolle vor der Kamera. Immer wieder erlebe er in seiner Theaterarbeit mit Jugendlichen im In- und Ausland, an Filmschulen wie auf Workshops:

«So ein Reinschnuppern kann heilsam sein und in die Realität zurückholen.»

Wer auch nach dem x-ten Schnitt und im Licht der Scheinwerfer noch die Passion fürs Spiel bewahre, der bliebe am Ball und könne am Ende weiter kommen.

Regina Ferraro, Leiterin der Volkshochschule Rorschach suchte einen Kurs speziell für Jugendliche, in dem sie sich ausprobieren könnten nach der langen Zeit der Zurückhaltung. Mit dem Workshop vor und hinter der Kamera fand sie genau, was sie suchte: «Träume sind immer unterstützenswert. In der Schule kommen Jugendlichen aber, wenn überhaupt, erst in der Oberstufe mit Filmarbeit in Berührung.» So habe sie es selbst bei ihrem Sohn beobachten können.

Auf spielerische Weise soll im Crashkurs eine Antwort auf die Frage «Nur Spass oder Berufung?» gefunden werden. Dabei beginnt alles ganz offen, ohne Script und festen Ablauf. Gemeinsam erdenken sich die Gruppen der 10- bis 18-Jährigen ein Thema, das ihnen auf der Spielerseele brennt. Das Equipment, die Übungen und das Know-how bringt der Coach mit, dann heisst es für einen Tag: «Und... Action!»

Hinter den Kulissen statt hinter der Handykamera

Die Freude an der Arbeit vor der Kamera entdecken, ist das Eine. Gleichzeitig soll der Kurs aber auch als Denkanstoss dienen: Wie viel Medien konsumiere ich, und von welcher Qualität?

Das Phänomen des sogenannten Binge-Watching, also der Serien-Orgie vor dem Bildschirm, Staffel für Staffel, sei zwar kein Jugendphänomen. Und doch sei es immer wieder die «Generation Instagram», deren Storys, sowie Snapchat, Youtube-Kanäle und Blogs Eltern und Lehrer Sorge bereiten.

So werde die Handykamera zum Instrument der Social Media, und jeder Jugendliche spiele darauf sein Lied, dabei, warnt Schauspielcoach Beutler: «Ist es so wichtig wie noch nie, zu sensibilisieren. Dargestelltes und Realität decken sich nicht.» Dazwischen läge ganz viel Schnitt, Maske und Inszenierung. «Aber auch irrsinnig viel Spass – wen das Schauspielfieber gepackt hat, den lässt es nie mehr los.»

Anmeldung für den Kurs per Telefon 071 511 62 08 oder auf www.vhr.ch