Bildung
Wie wird man digital fit: Zwei Wirtschaftsmittelschulklassen in St.Gallen sind Schüler und Lehrer zugleich

Ab Februar können Sekundarschulen im Kanton St.Gallen Workshops über digitale Themen, wie Robotik und Smart Home, im Startfeld besuchen. Konzipiert wurden diese von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule am Brühl.

Theepan Ratneswaran
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Die Schülerinnen Ayse Demirhan und Lanja Khalil aus der Klasse 2EWE der Kantonsschule am Brühl entwickeln im Fach IPT (Integrierte Praxisteile) ein Workshop für Sekundarschülerinnen und -schülern zum Thema Digitalisierung. Das Gebiet, das Khalil und Demirhan dabei bearbeiten, ist die Robotik. Hier justieren sie das Lego-Auto.

Die Schülerinnen Ayse Demirhan und Lanja Khalil aus der Klasse 2EWE der Kantonsschule am Brühl entwickeln im Fach IPT (Integrierte Praxisteile) ein Workshop für Sekundarschülerinnen und -schülern zum Thema Digitalisierung. Das Gebiet, das Khalil und Demirhan dabei bearbeiten, ist die Robotik. Hier justieren sie das Lego-Auto.

Bild: Ralph Ribi (25. Januar 2021)

Es ist dunkel draussen, es schneit und die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt. Drinnen im Innovationszentrum Startfeld, an der Lerchenfeldstrasse, gleich bei der Empa, hingegen blitzt und stürmt es.

Die beiden zweiten Wirtschaftsmittelschulklassen der Kantonsschule am Brühl tüfteln an ihren Aufgaben. Köpfe werden zusammengesteckt, in Kleingruppen wird Brainstorming betrieben und rege diskutiert. Die Geistesblitze setzen die Teams schliesslich in Taten um. Das grosse Thema ist die Digitalisierung. Das Ziel des Projekts der Kanti-Klassen: Workshops zu kreieren, die Sekundarklassen besuchen können.

Dieses Projekt wird in enger Zusammenarbeit und Unterstützung mit Startfeld und Smartfeld durchgeführt. Startfeld stellt ihre Räumlichkeiten für die Durchführung zur Verfügung. Für die Erstellung der Workshops stehen Partner von Smartfeld wie die Pädagogische Hochschule zur Verfügung.

Ein Lego-Auto fährt auf Befehl

Von Künstlicher Intelligenz über Virtual Reality bis hin zu Smart Home reichen die Inhalte. «In unserem Workshop möchten wir den Schülerinnen und Schülern die Robotik spielerisch näherbringen», sagt die Wirtschaftsmittelschülerin Lanja Khalil.

Zusammen mit Ayse Demirhan und Nithush Shankar zeigt Khalil anhand eines Lego-Autos, wie man per Computerprogramm einen Roboter bewegt. Auf Befehl eine Schlangenlinie zu fahren oder 50 Zentimeter vor einem Hindernis stehenzubleiben, sei möglich, so die Dreiergruppe. Und im Alltag kenne man dies schon, sagt Ayse Demirhan.

«Ein ‹smartes› Auto piepst und bleibt stehen, wenn man beim Parkieren zu nah an ein anderes Auto kommt – dank Robotik und Sensoren.»

Kaffee kochen einfach gemacht

Nicht nur ein Telefon oder ein Auto kann «smart» sein, sondern auch das eigene Zuhause. Wer möchte nicht am Morgen beim ersten Klingeln des Weckers mit einem Kaffeeduft in der Nase aufstehen? Mit Algorithmen und mit einer App auf dem Smartphone könne man programmieren, dass die Kaffeemaschine «eigenständig handelt», sagen Véronique Huber, Claudio Mehnert und Silvan Faeh der Klasse 2EWE der Kantonsschule am Brühl.

In ihrem Workshop wird den Sekundarklassen ein eingerichtetes Smart Home gezeigt, sagt Silvan Faeh. Die Sekundarklassen können nach dem Workshop mit Smart-Home-Apps und Technologien umgehen und wissen, wie wichtig das in der Zukunft sei. Auch die Nachteile des Smart Homes wie der Datenschutz werden angeschaut.

«Immer mehr Wohnanlagen sind mit Smart-Home-Technologien ausgestattet und daher muss die nächste Generation damit umgehen können.»
Die Gruppe Smart Home diskutiert mit den Coaches Lechner und Wetter (im Hintergrund) über ihr Projekt.

Die Gruppe Smart Home diskutiert mit den Coaches Lechner und Wetter (im Hintergrund) über ihr Projekt.

Bild: Ralph Ribi (25. Januar 2021)

Gleichaltrige lernen von Gleichaltrigen

Vornehmlich im Hintergrund agieren die zwei Lehrerinnen Silvia Wetter und Renée Lechner. «Jugendliche lernen gern von Jugendlichen», sagt Lechner auf das Konzept angesprochen. Ihre Aufgabe als Informatiklehrerin sei es, Jugendliche für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters fit zu machen.

Mit Peer-to-Peer-Learning sollen die Schülerinnen und Schüler wiederum voneinander profitieren – wie die Sekundarklassen von den Mittelschulklassen. Ab einem gewissen Alter wird die «Peergroup», die Gruppe ungefähr Gleichaltriger, mit denen Jugendliche verkehren, wichtiger als die erwachsenen Personen. Dies besagt die Entwicklungspsychologie.

«Wir haben die Rahmenbedingungen vorgegeben», sagt Wetter, Lehrerin für Wirtschaft und Recht an der Kanti. Sie gäben hier und da Tipps und Inputs, aber wichtig sei das eigenständige Erarbeiten der Konzepte.

«Wir sind vielmehr Coaches als klassische Lehrerinnen.»

Ein anstrengender, aber lehrreicher Spass

Die Schülerinnen und Schüler legen Eigenständigkeit und grosses Engagement an den Tag. Einige arbeiten sogar in ihrer Freizeit an ihrem Projekt. Die Gruppe um Lanja Khalil setzt sich regelmässig nach der Schule mit einem Robotik-Experten zusammen und bespricht brennende Fragen. Gestärkt aus den Diskussionen entwickeln sie dann ihren Workshop weiter.

Das Projekt mache sehr viel Spass, manchmal sei es auch anstrengend, sagt Lanja Khalil. Grundsätzlich sei das Ziel der ganzen Gruppe, einen lehrreichen Workshop auf die Beine zu stellen. «Wir wollen nicht, dass wir etwas Falsches sagen und die Sekundarklassen nichts von uns lernen können», sagt Ayse Demirhan. Denn schliesslich soll es ja auch bei den anderen stürmen und blitzen. Und dies jeweils donnerstagnachmittags im Startfeld von 13.45 bis 16.30 Uhr. Der erste Termin ist der 18. Februar. Weitere acht Donnerstage sind geplant.