Bildung

St.Galler Stadtrat ist gegen Umzug des Berufs- und Weiterbildungszentrums für Gesundheits- und Sozialberufe an den See: Der Gesundheitscluster fällt auseinander

Die St.Galler Regierung möchte junge Menschen in Gesundheitsberufen in Zukunft nicht mehr in der Stadt St.Gallen, sondern in Rorschach ausbilden lassen. Der Stadtrat findet das keine gute Idee, wie er auf eine interfraktionelle Interpellation antwortet.

Daniel Wirth
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Der Kanton St.Gallen will in Rorschach ein Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe aufbauen. Damit fallen die Standorte des Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe in der Stadt weg - entgegen den Willen des Stadtrats.

Der Kanton St.Gallen will in Rorschach ein Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe aufbauen. Damit fallen die Standorte des Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe in der Stadt weg - entgegen den Willen des Stadtrats.

Arthur Gamsa

Ende Oktober 2020 teilte die St.Galler Regierung mit, wie sie die Berufsbildungslandschaft umpflügen will: Das Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe (BZGS) soll aus der Stadt St.Gallen verschwinden und in Rorschach in ein sogenanntes Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe umgewandelt werden.

Die jungen Frauen und Männer, die heute am Berufs- und Weiterbildungszentrum Rorschach (BZR) ausgebildet werden, sollen auf anderen Berufsschulstandorte verteilt werden. In Rorschach wurde der Entscheid des Bildungsdepartements von Regierungsrat Stefan Kölliker (SVP) vernichtend kommentiert. Auch in St.Gallen hat man keine Freude.

Über 2600 Schülerinnen und Schüler

Wenige Tage nach der selbst für Direktbetroffene überraschenden Bekanntgabe durch die Regierung reichten die Fraktionen von SP/Juso/PFG, FDP, CVP/EVP, Grünen und Jungen Grünen, GLP und SVP-Einzelmaske Jürg Brunner eine Interpellation zum Thema ein. Am Dienstag werden Vorstoss und Stadtratsantwort im Parlament behandelt.

In seiner Antwort schreibt der Stadtrat, das BZGS habe 2003 mit 130 Fachangestellten Gesundheit (FAGE) im Klosterhof der Stadt St.Gallen begonnen. Im August 2014 sei das BZSG an die Lindenstrasse im Neudorf gezogen. Zu selben Zeit sei das hauswirtschaftliche Bildungszentrum Custerhof in Rheineck ins BZSG integriert worden. 2005 wurde gemäss Stadtrat die Höhere Fachschule HF Pflege in der Grütlistrasse bezogen.

Heute werden gemäss Stadtrat knapp 2000 junge Frauen und Männer in der Grundbildung und fast 700 in der Weiterbildung an BZSG unterrichtet.

Der Stadtrat schreibt in seiner Antwort auf den parlamentarischen Vorstoss, der Gesundheitscluster sei ein bedeutendes Thema im Aufbau des Wirtschaftsstandorts und in den Visionen der Stadtregierung. Er baue auf den Stärken der Stadt auf. Neben Firmen, Start-ups und Institutionen sei auch die Kompetenz in der Bildung im Gesundheitswesen von Bedeutung.

Auch Abnehmer der Fachkräfte sind sur place

In St.Gallen gebe es den Joint Medical Master an der Universität, den Bachelor in Pflege, Master in Pflegewissenschaften und ab dem Herbstsemester 2021/2022 den Bachelor in Physiotherapie an der Fachhochschule OST und bis dahin das BZGS mit seinen Bildungsgefässen.

Es befänden sich aber nicht nur die bedeutendsten Bildungsinstitutionen, sondern auch die bedeutendsten Abnehmer dieser Fachkräfte in St.Gallen: das Kantonsspital (KSSG), das Ostschweizer Kinderspital, die Hirslanden-Klinik Stephanshorn, die Geriatrische Klinik der Ortsbürgergemeinde und eine grosse Anzahl an Alters- und Pflegeheime seien hier angesiedelt.

Durch die geplante Umsiedlung des Depots der Verkehrsbetriebe in den Westen der Stadt mach der Stadtrat Areale in unmittelbarer Nähe des Kantonsspitals frei. Dort soll sich der Gesundheitscluster durch wertschöpfende, innovative Unternehmen im Gesundheitsbereich entwickeln können, schreibt der Stadtrat. Auch der Innovationspark bei der Empa nehme das Thema Gesundheit auf.

Brief an die Regierung geschrieben

Die Stadt habe grosses Potenzial, das den Aufbau eines strategischen Erfolgsfaktors für den Kantons ausmache. «Das Aufbrechen des Bildungsclusters Gesundheit läuft deshalb den Anstrengungen des Stadtrats zuwider», schreibt der Stadtrat. Er habe der Kantonsregierung einen Brief geschrieben und seinen Unmut kundgetan, heisst es weiter.

Im Kantonsrat haben Vertreterinnen und Vertreter aus der Stadt dringliche Vorstösse zum Thema angestossen oder mitunterzeichnet, wie der Stadtrat schreibt. Er werde sich weiter für den Gesundheitsstandort St.Gallen einsetzen.