Der St.Galler Bär 2022

Seit inzwischen 20 Jahren glossiert der St.Galler Bär Samstag für Samstag im Teil des «St.Galler Tagblatt» für die Stadt St.Gallen ein Ereignis der jeweils zurückliegenden Woche. Gezeichnet wird der Bär seit seinen Anfängen von Corinne Bromundt. Hier der Jahrgang 2022. Zum Jahrgang 2021 geht es hier.

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Ton oder kein Ton, das ist hier die Frage  Die Sanierung des Theaters St.Gallen wird drei Millionen Franken teurer als geplant. Schuld daran ist die Sound- und Lichtanlage, die ersetzt werden muss. Zum Glück haben das die Verantwortlichen noch bemerkt: Sonst hätten sich die Zuschauerinnen und Schauspieler selbst helfen müssen.
Stadtratsstern  Trotz drohenden Strommangels will der Stadtrat nicht auf die Weihnachtsbeleuchtung «Aller Stern» verzichten. Nach der Coronapandemie soll wenigstens im Advent so etwas wie Besinnlichkeit entstehen. Diejenigen, die sich an den Appell des Bundes halten und Strom sparen, wünschen dem Stadtrat ein besinnliches Fest.
Wespenalarm  Die St.Galler Feuerwehr darf seit diesem Sommer nicht mehr wegen Wespennestern ausrücken. Stattdessen entfernen private Schädlingsbekämpfer die lästigen Insekten. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wespen nicht gleich im Depot einnisten – den Feuerwehrleuten wären jedenfalls die Hände gebunden.
Feuerverbot light  So gemein. Ausgerechnet vor dem 1. August war es lange heiss und trocken. Der Kanton St. Gallen hat darum ein Feuerverbot erlassen. Allerdings eine Lightversion. Im Abstand von mehr als 200 Metern zum Wald dürfen Raketen und Vulkane angezündet und in die Luft gelassen werden. Feuerwerker müssen das Messband einpacken.
Auf Grund  Die MS Rhynegg der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt AG kann die Strecke Rorschach–Rheineck nicht bedienen. Der Alte Rhein hat zu wenig Wasser. Zum Niedrigwasser gesellen sich steigende Preise für Diesel. Der Pegel wird wieder steigen. Wenn die Dieselpreise nicht sinken, wird aus dem Motorschiff eine Galeere.
Mach’s gut!  Reto Voneschen geht in den Ruhestand. Er hat ihn verdient. Reto Voneschen gehörte zu St. Gallen wie die unzähligen Geschichten, die er über die Stadt schrieb. Er war Lokaljournalist aus Leidenschaft. Die Redaktion wünscht ihm für den nächsten Lebensabschnitt alles Gute, vor allen Dingen Gesundheit. Mach’s gut, vre.
Reserviert ist reserviert  Der FC Rorschach-Goldach hat turbulente Tage hinter sich. Erst wird dem Zweitligisten im Cup der FC St. Gallen zugelost, dann die Erkenntnis: Die Leichtathleten räumen die bereits reservierte Sportanlage Kellen nicht freiwillig. Wie es ausgeht, ist unklar. Eine Doppelbelegung hätte jedenfalls Unterhaltungswert.
Schlammshoppen  Im neuen Laden am Open Air St.Gallen findet man alles, was das Festivalgängerherz begehrt: Campingstühle, Shampoo, Sonnencreme und jede Menge Lebensmittel. Gemüse und Obst gäbe es auch. Die gesunde Ernährung steht im Sittertobel aber bekanntlich nicht im Mittelpunkt.
Kanonenfutter  Mit 25:0 hat der FC St. Gallen den Viertligisten FC Urnäsch in einem Freundschaftsspiel vom Platz gefegt. Nach dem Spiel gab es in den sozialen Medien Polemik. Die Profis hätten einen Gang runterschalten müssen, hiess es. Wie bitte? Das wäre unanständig gewesen! Und das 25:0 macht den Fans Hoffnung auf den nächsten Titel.
Haltlos  Die Busse der Linien 7 und 8 halten in Zukunft nicht mehr beim Schibenertor. Der Grund: Die Stadt muss sparen und dünnt deshalb den Fahrplan der Verkehrsbetriebe aus. Dabei ist eines ihrer Ziele in der Verkehrsentwicklung, den ÖV und den Langsamverkehr zu fördern. Das geht irgendwie nicht auf, mögen sich Fahrgäste denken.
Eventitis  Die Coronapandemie scheint nicht vorbei zu sein, die Zahlen steigen. Dennoch: Die Menschen wollen sich wieder begegnen. Dazu haben sie dieses Wochenende in der Stadt St.Gallen so viele Möglichkeiten wie schon lange nicht mehr. Wer ausgeht, hat die Qual der Wahl. Ein Anlass jagt den anderen. Wer es ruhig mag, spricht von Eventitis.
Rondellenschutz  Baudirektor Markus Buschor ist nicht zu beneiden. Bei der Neugestaltung des Marktplatzes kommen im partizipativen Verfahren immer wieder neue originelle Ideen auf. Der Heimatschutz will die Rondelle vor dem Abriss retten. Wie weit die Organisation und ihre Präsidentin Kathrin Hilber dabei gehen, ist offen.
Träumen  Der FC St. Gallen hat Cupsieger-T-Shirts drucken lassen. Das Finale gegen den FC Lugano ging aber mit 1:4-Toren verloren. Die T-Shirts konnten nicht verkauft werden. Gesucht wird eine nachhaltige Lösung. Tipp der «Tagblatt»-Stadtredaktion: Aus den T-Shirts Kissen nähen, für den Traum vom zweiten Cupsieg nach 1969.
Wasser marsch!  Im Katastrophenfall ist es um die Trinkwasserversorgung in der Stadt schlecht bestellt. Nach nur 20 Stunden könnte St. Gallen auf dem Trockenen sitzen. Die Politik arbeitet an einer Lösung – ein neues Seewasserwerk muss her. Sonst bleibt den Städterinnen und Städtern nur noch ein Regentanz – oder die Wünschelrute.
Für Hartgesottene  Vielerorts zwischen Gossau und Rorschach öffnen an diesem Wochenende die Frei- und Seebäder. Alles ist parat. Nur das Wetter spielt nicht mit. Ein Bad im kalten Wasser bei Regen und Wind ist nur etwas für Hartgesottene. Hoffnung für alle anderen spendet ein Lied von Artur Beul: «Nach em Räge schint Sunne».
Der Square bleibt leer  Studierende stören sich daran, dass der HSG-Square über zu wenig Arbeitsplätze verfügt und am Wochenende geschlossen bleibt. Der Intendant hält dagegen: Beim stillen Lernen fehle der «Square-Spirit». Wer auf eine Prüfung lernen muss, hat Pech gehabt: Dem bleibt nämlich nur der Warteschlange-Spirit übrig.
Win-win  Vor zwei Jahren warf Markus Buschor als städtischer Schuldirektor im Talentschulstreit mit dem Kanton seinen Hut in den Ring. Nun hat sich sein Nachfolger Mathias Gabathuler mit Erziehungsdirektor Stefan Kölliker auf eine Lösung geeinigt. So gehen beide als Sieger aus dem Streit hervor, auch wenn er Spuren hinterlassen hat.
Kraftakt  600 Meter stadteinwärts soll der Bahnhof Bruggen verlegt werden und zusammen mit dem Bahnhof Haggen den neuen Westbahnhof bilden. Dieser Kraftakt bedingt das Zusammenspiel zwischen Kanton und Stadt. Hauruck! Regierungsrat Beat Tinner zieht und Stadtrat Markus Buschor schiebt an. Im Moment stimmt der Fahrplan.
Federvieh  Comicfigur Fredi Vogl sollte der Stadt im Auftrag des Bundesamtes für Strassen die Autobahnsanierung schmackhaft machen. Jetzt hat er es aber mit Uli Uhu zu tun bekommen. Die Anti-Auto-Eule flatterte kürzlich in unsere Briefkästen. Da hilft nur noch ein Hahnenkampf. Marcel Baur und Walter Locher wissen, wie man den gewinnt.
Genau gerechnet  Die erste Rechnung von Stadtpräsidentin Maria Pappa schliesst deutlich besser ab als budgetiert und setzt damit einen Trend fort: Der Abschluss ist besser als der Voranschlag. Ob das so weitergeht? Armin von Wehrden, der neue Finanzchef der Stadt, wird Pappa beim Budget 2023 jedenfalls zu höchster Präzision verhelfen.
Sandgallen  Die Frösche wären startklar für ihre Hochzeitsreise, doch vielen ist es aktuell zu trocken. Seit Wochen hat es kaum geregnet. Und jetzt legte sich auch noch tagelang Saharastaub über die Region. Da bleibt fleissigen Froschhelferinnen und -helfern bald nur noch eins: Statt zum Transportkübel greifen sie zur Giesskanne.
Tour de Tunnel  Dank eines Tunnels zwischen Lokremise und Reithalle sollen Velofahrerinnen und -fahrer schon bald schneller durchs Stadtzentrum kommen. Doch das wird eine sportliche Herausforderung: Die Rampe hat eine Steigung von zwölf Prozent. Wer da nicht ausser Atem sein will, sollte schon einmal mit dem Training beginnen.
Jubiläum  1000 Mal zierte der St.Galler Bär in den vergangenen knapp 20 Jahren die Samstagsausgabe dieser Zeitung. Oft musste er sich die Bühne teilen mit Protagonistinnen und Protagonisten, etwa aus der Stadtpolitik. Da ist es nur recht, dass der Bär zum Jubiläum für einmal ganz im Mittelpunkt steht und seine Zeichnerin ein Porträt erhält (Link).
Tut mal kurz weh  Die Spitex St.Gallen AG hat nach ihrem turbulenten ersten Betriebsjahr ein Loch in der Kasse. Eine Geldspritze tut not. Stadtpräsidentin und Finanzchefin Maria Pappa hat die Medizin organisiert, Stadträtin Sonja Lüthi die Spritze schon aufgezogen. Und Verwaltungsratspräsident Daniel Mächler muss die Hose runterlassen.
Maskenschredder  Eine Woche vor der Fasnacht sind fast alle Coronamassnahmen gefallen. Gerade rechtzeitig, um die Konfettiproduktion hochzufahren. An Material, das darauf wartet, gehäckselt zu werden, sollte es nicht mangeln: Von Masken über Schutzkonzepte und Plakate hat sich in zwei Jahren Pandemie so einiges angesammelt.
Blumenwies  Vor zwei Jahren war es ein Ränzler. Das Stadtparlament wies die Sanierung des Hallenbad Blumenwies an den Stadtrat zurück. Jetzt wage man den Auerbach-Sprung, protzten Stadträte Markus Buschor und Mathias Gabathuler. Und präsentierten dieselbe Vorlage noch mal. Aber Obacht, auch ein Auerbach kann als Ränzler enden.
Festhütte  Es gibt drei Interessenten für das Theaterprovisorium. Wo das Holzgebäude hinkommt, wenn das Theater dereinst saniert ist, ist offen. Der Eiszauber, dessen Organisatoren noch immer keine Bewilligung der Stadt haben, könnten das Provisorium umfunktionieren in ein riesiges Fondue-Chalet. Da ginge dann die Post ab!
Skilager  Ab in den Schnee? Kein Problem. St.Galler Schulkinder dürfen frisch getestet ins Skilager. Pech für die mit positivem Ergebnis: Sie müssen zu Hause bleiben. Oder früher abreisen. Oder dürfen nach einem negativen Testergebnis hinterher kommen. Skilager, wir kommen! Einfach mit mehr Shuttle-Fahrten zu den Tests als zu den Liften.
Spitex-Casting Seit Sommer sucht die Spitex St.Gallen AG um Verwaltungsratspräsident Daniel Mächler und Interimschefin Anna Ravizza nach turbulentem Start einer neuen Geschäftsführung für die Einheitsspitex – bisher erfolglos. Nicht nur Stadträtin Sonja Lüthi wird froh sein, wenn die Spitex endlich ihren neuen Superstar gefunden hat.
Wildcamping  Im Stadtparlament entbrannte diese Woche eine Diskussion um Wohnmobilstellplätze. Parlamentarier wie Marcel Baur und Donat Kuratli beklagten die fehlende Infrastruktur in St. Gallen. Stadtpräsidentin Maria Pappa sah das anders. Bei Camping denke sie eher an Zelten in der Natur – und Begegnungen mit einem Bär.
Auswechslung  SVP-Stadtparlamentarier Christian Neff verlässt das politische Spielfeld. Die emotionsgeladene Diskussion darüber, dass er nicht gegen Covid-19 geimpft ist, hat ihn dazu veranlasst. Neu ins Spiel kommt Jürg Brunner. Ohne Aufwärmen als Vizepräsident wird er kommenden Dienstag «höchster Stadtsanktgaller»