Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Big Brother auf Baustelle in Rorschach

Eine Baustellen-Webcam zielt noch auf die bereits bewohnte Überbauung Seehof in Rorschach. Was auf den Balkonen passiert, ist darauf teilweise erkennbar. Laut Datenschützern ist das zwar nicht verboten, aber heikel.
Martin Rechsteiner
Die Webcam auf dem Kirchturm fotografiert auch nach dem Einzug von Bewohnern das Geschehen beim Seehof. (Bild: Sandro Büchler)

Die Webcam auf dem Kirchturm fotografiert auch nach dem Einzug von Bewohnern das Geschehen beim Seehof. (Bild: Sandro Büchler)

Es ist ein schöner Service: Auf einem Webcam-Bild können Interessierte nicht nur sehen, wie es auf der zweitgrössten Baustelle Rorschachs zu und her geht, potenzielle Käufer und Mieter der Wohnungen sehen auch gleich, wie der Bau vorangeht und wie viel Abendsonne sie auf dem Balkon haben werden.

Die Rede ist vom Seehof an der Hauptstrasse in Rorschach. Inzwischen ist das Gebäude fertig, erste Mieter sind bereits eingezogen. Die Kamera sendet allerdings nach wie vor Bilder ins World Wide Web – für jedermann einsehbar. Auf den Aufnahmen, die vom Morgen bis am Abend alle zehn Minuten entstehen, ist die Südfront des Neubaus zu sehen. Die Bilder zeigen Balkoneinrichtungen sowie Leute, wenn sie sich auf den Balkonen befinden. Ein verwunderter Bewohner hat diese Umstände der «Tagblatt»-Redaktion zugetragen. Es stellen sich Fragen zum Thema Datenschutz und Privatsphäre.

Bruno Konrad, der Bauherrenvertreter des Seehofs, sieht darin kein Problem. «Die Personen sind auf den Bildern ja nicht einmal annähernd erkennbar», sagt er.

«Die Kamera ist nicht da, weil wir Polizei spielen wollen.»

Sondern es gehe darum, den Baufortschritt und die Wohnlage zu zeigen.» Datenschutzrechtlich sei das abgeklärt und in Ordnung. «Weiter habe ich allen Wohnungsbezügern den Link zu den Webcambildern gesendet; sie sind somit über die Kamera informiert.» Ausserdem betreibe nicht die Bauherrschaft die Kamera, sondern die Baufirma, die Priora AG. «Wir haben uns einfach finanziell daran beteiligt.»

Bei der Priora ist Bauleiter Jochen Schaumann für das Projekt Seehof zuständig. Er sagt: «Falls sich Bewohner von der Webcam gestört fühlen sollten, schalten wir sie natürlich sofort aus. Wir hatten bis anhin aber keine Rückmeldungen diesbezüglich.» Das Verhältnis zu den Eigentümern und Mietern sei sehr gut, sagt er. Auch Schaumann betont, dass die Kamera rein zum Festhalten des Baufortschritts aufgestellt worden sei. «Ende November, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, hätten wir sie so oder so abmontiert.» Auch er ist überzeugt, dass alle Bewohner über die Präsenz des Geräts Bescheid wissen.

«Mir sind die Hintergründe und Details der Angelegenheit zwar nicht bekannt», sagt Silvia Böhlen, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb).

«Ich würde die Situation aber als heikel einschätzen.»

«Dies, weil die Wohneinheiten auf den Bildern erkennbar sind und bei den Aufnahmen die Anwesenheit der Bewohner ersichtlich ist.»

Ausserdem seien die Bilder online für jedermann abruf- und speicherbar. Auch parkierte Fahrzeuge seien erkennbar, diese können unter Umständen Rückschlüsse geben, ob jemand zu Hause sei. «Erkennbarkeit setzt nicht voraus, dass Gesichter oder Autonummern im Detail erfassbar sind.» Es genüge, wenn ein Merkmal einer bestimmten Person zu zuordnen sei. «Und bei Fragen zum Datenschutz kommt es immer auch auf die Zweck- und Verhältnismässigkeit an: Rechtfertigt das Interesse, einen Raum zu überwachen, allfällige Einschnitte in die Privatsphäre der Überwachten?»

Bewohner müssen informiert werden

Ob im Fall Seehof alle Grundsätze des Datenschutzes eingehalten werden, kann Böhlen nicht beurteilen. «Wichtig ist, dass die Betroffenen, also die Hausbewohner, über die Kamera und ihre Aufnahmetätigkeit Bescheid wissen. Ihnen muss bekannt sein, wer für die Datenbearbeitung verantwortlich ist, um Auskunft zu verlangen oder sich gegebenenfalls wehren zu können.» Ein E-Mail der Verantwortlichen mit dem Link zur Kamera reiche in diesem Fall wohl aus. «Falls sich ein Bewohner bei den Verantwortlichen über die Kamera beschwert, müssen diese handeln.» Dass er das umgehend tun würde, hat Bauleiter Schaumann bekräftigt.

Die Bauarbeiten sind fast fertig

Die ersten Mieter und Eigentümer sind bereits in den Seehof eingezogen. «Am 18. Oktober waren die ersten Schlüsselübergaben», sagt Bruno Konrad, Bauherrenvertreter des Seehofs. Insgesamt gibt es in der Überbauung 19 Miet- und 16 Eigentumswohnungen. Die Mietwohnungen seien alle vergeben, beim Eigentum seien neun bereits verkauft. «Damit sind wir sehr zufrieden. Zumal sich immer noch zahlreiche Interessenten melden», sagt Konrad. An einem Tag der offenen Tür am 8. und 9. Dezember sollen Interessierte die noch freien Wohnungen besichtigen können. Ebenfalls geöffnet hat gestern die öffentliche Parkgarage. Die offizielle Einweihung erfolgt am Dienstag. Derzeit finden auf dem Gelände noch vereinzelte Arbeiten statt, die bald abgeschlossen sein dürften, wie Konrad sagt. «Es folgt Asphaltierung der Laubenstrasse und auf der Seite Raiffeisen. Im Frühjahr kommen noch Deckbelagsarbeiten hinzu.» Während der Bauarbeiten entstand wegen einer Bodenabsenkung in einem benachbarten Gebäude, einer Familiengruft der Kirche, ein Riss (das «Tagblatt» berichtete am 19. Juni). Konrad sagt: «Der Fall liegt derzeit bei den Versicherungen. Wir stehen im engen Kontakt mit der Kirche.» (mre)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.