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Betreibungen in der Stadt St.Gallen auf Rekordhoch – häufig trifft es Personen zwischen 20 und 35 Jahren

Nicht nur die Zahl der Konkurse steigt, auch jene der Betreibungen erreicht ein Rekordhoch. 29'500 Zahlungsbefehle hat das städtische Betreibungsamt 2018 ausgestellt. Ein Grund für den Anstieg: Gläubiger fordern zunehmend auch Kleinstbeträge ein.
Christina Weder
Der Schalter im Betreibungsamt: Die Angestellten arbeiten hinter Sicherheitsglas. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Schalter im Betreibungsamt: Die Angestellten arbeiten hinter Sicherheitsglas. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Kanton St.Gallen vermeldete kürzlich einen Rekord: Die Zahl der Konkurse ist 2018 auf 781 gestiegen. Ein Viertel davon wurde in der Kantonshauptstadt eröffnet. Es handelt sich um 197 Verfahren. Die Tendenz sei in Stadt und Kanton dieselbe, sagt Daniel Wild, stellvertretender Leiter des kantonalen Konkursamts: «Die Zahl der Konkurse nimmt seit mehreren Jahren zu.»

Der Anstieg wird mit dem Boom bei den Firmengründungen erklärt. Immer öfter muss sich das Konkursamt mit Firmen beschäftigen, die erst wenige Jahre alt sind.

In der Stadt wurden 91 Firmen-, 19 Privat- und 84 Erbschaftskonkurse gezählt. Im Gegensatz zum Kanton verzeichnet die Stadt vor allem bei Letzteren eine Zunahme. Die Zahl der ausgeschlagenen Erbschaften ist gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent gestiegen. Fast die Hälfte der schuldenbeladenen Nachlässe, mit denen sich das Konkursamt kantonsweit beschäftigt, stammt aus der Stadt.

Für Daniel Wild ist der hohe Anteil keine Überraschung. In der Stadt habe man es bei Erbschaftskonkursen immer wieder mit Personen zu tun, die zurückgezogen und anonym lebten. Auf dem Land sei dies seltener der Fall.

Gläubiger fordern häufiger auch Kleinstbeträge ein

Bogdan Todic, Leiter des Betreibungsamts der Stadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bogdan Todic, Leiter des Betreibungsamts der Stadt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nicht nur die Zahl der Konkurse steigt, auch die Zahl der Betreibungen klettert in der Stadt auf ein Rekordhoch. Knapp 29'500 Betreibungen wurden 2018 eingeleitet. «Eine so hohe Zahl hatten wir noch nie», sagt Bogdan Todic, der Leiter des städtischen Betreibungsamts. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr beträgt sechs Prozent. 2017 wurden noch rund 27'800 Zahlungsbefehle gezählt. In den Jahren davor sei die Zahl der Betreibungen ziemlich konstant gewesen.

Für den Anstieg im Jahr 2018 hat Todic keine stichhaltige Erklärung. Er könne nur mutmassen. Zum einen sieht er im «Konsumverhalten gewisser Personen» einen möglichen Grund. Zum anderen stellt er eine zunehmende Professionalisierung im Inkassowesen fest. Gläubiger seien immer häufiger bereit, auch Kleinstbeträge von 50 bis 200 Franken einzufordern – und dies, obwohl sie die Betreibungskosten vorschiessen müssen.

Zwischen 15 und 20 Prozent der Betreibungen werden gegen Unternehmen eingeleitet. Bis zu 150 Zahlungsbefehle können gemäss Todic bei einzelnen Aktiengesellschaften eingehen, wenn sie Liquiditätsprobleme haben. Aber auch Einzelpersonen werden oft mehrfach betrieben.

«Es kommt vor, dass sich Schuldner mit 20, 30 oder im Extremfall 50 Betreibungen konfrontiert sehen.»

Personen zwischen 25 und 35 Jahren würden dabei überdurchschnittlich häufig betrieben. Der Leiter des Betreibungsamts erklärt sich dies so: «Sie sind von zu Hause ausgezogen, haben sich beruflich etwas etabliert, leben aber über ihre Verhältnisse.» Sie hätten die Finanzen noch nicht im Griff. Es fehle ihnen die Erfahrung. Insbesondere unterschätzten sie obligatorische Positionen wie Steuern, Arzt- oder Zahnarztkosten.

1600 Personen mit Lohnpfändung

Im schweizweiten Vergleich befindet sich St.Gallen ziemlich genau im Durchschnitt, was die Zahl der Betreibungen anbelangt. Bei einer Bevölkerungszahl von acht Millionen werden gemäss Bundesamt für Statistik rund drei Millionen Betreibungen eingeleitet – mehr davon in den Städten als auf dem Land. Das ist gemäss Todic auf eine gewisse Anonymität zurückzuführen, welche die Städte bieten.

Im Gegensatz zu den Betreibungen verzeichnet die Stadt bei den Pfändungen keinen Anstieg. Rund 17000 Pfändungen wurden 2018 vollzogen. Das sind 400 weniger als im Jahr davor. Derzeit leben 1600 Personen mit laufender Einkommenspfändung in der Stadt – eine konstante Zahl, wie Todic sagt. Es handelt sich um rund zwei Prozent der städtischen Wohnbevölkerung. Für jede dieser Personen wird individuell ein Existenzminimum berechnet, das je nach Unterhaltspflichten und Mietkosten unterschiedlich hoch ausfällt. Der Anteil des Lohns, der das berechnete Existenzminimum übersteigt, wird direkt vom Betreibungsamt eingezogen.

Dort sind 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit insgesamt 1900 Stellenprozenten damit beschäftigt, die Betreibungen zu bearbeiten und Geld zwangsweise einzufordern. Fast 25 Millionen haben sie im vergangenen Jahr an Gläubiger ausgezahlt.

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