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Betreiber ziehen sich zurück: Die Vogelpflegestation St.Gallen steht vor einer ungewissen Zukunft

Das Betreiberehepaar der Vogelpflegestation St. Gallen hört per Ende September auf.
Die Nachfolge ist noch nicht geklärt, die Suche gestaltet sich schwierig. Bis auf weiteres springt der Wildhüter ein.
Luca Ghiselli
In der Wildpflegestation im Naturmuseum werden auch Falken wieder aufgepäppelt. (Bild: Claudio Heller)

In der Wildpflegestation im Naturmuseum werden auch Falken wieder aufgepäppelt. (Bild: Claudio Heller)

Es ist ein Knochenjob: Über 400 verletzte Vögel landen jährlich in der Wildvogelpflegestation St. Gallen im Naturmuseum, werden dort aufgepäppelt und wenn möglich wieder in die Freiheit entlassen. Tierrettungen, Aufzucht, Pflege: das alles kostet eine Menge Zeit und Geld. Über 1200 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden pro Jahr investierten Christian und Dora Müller in die Pflegestation.

Damit ist schon sehr bald Schluss. Per Ende September hört das langjährige Betreiberehepaar der Station auf. Einerseits aus gesundheitlichen Gründen, andererseits, weil der Aufwand immer grösser wurde.

Wie es nun weiter geht, ist noch völlig offen. Wie Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner auf Anfrage sagt, ist noch keine Nachfolgelösung in Sicht. «Wer dabei welche Rolle einnimmt, ist Gegenstand der aktuellen Abklärungen», sagt Rechsteiner. Bis klar ist, wie es in der Wildvogelpflegestation weitergeht, entsteht eine Vakanz. «Mit der Kündigung von Christian und Dora Müller ist der Betrieb der Pflegestation vorübergehend nicht mehr gewährleistet.»

Gemeinnützige Arbeit wird oft professionalisiert

Die Suche nach einer geeigneten Nachfolgelösung dürfte nicht einfach werden. Darum kümmere sich die 2016 neu gegründete Stiftung Wildvogelpflege in Koordination mit Kanton und Stadt, sagt Rechsteiner. Dabei gelte es aber festzuhalten, dass alle gemeinnützige Arbeit in der Tendenz professionalisiert werde. «Einerseits sinkt die Bereitschaft, sich ehrenamtlich gemeinnützig zu engagieren. Andererseits steigen die Anforderungen an solche Aufgaben», sagt Rechsteiner.

Nichtsdestotrotz sei es im Sinne aller, möglichst rasch eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für das Ehepaar Müller zu finden. «Wir haben im Naturmuseum die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Nun wünschen wir uns, dass sie möglichst schnell wieder genutzt wird.»

Christian und Dora Müller treten kürzer. (Bild: Claudio Heller)

Christian und Dora Müller treten kürzer. (Bild: Claudio Heller)

Wie es mit der Vogelpflegestation im Naturmuseum nach dem Abgang von Christian und Dora Müller weitergeht, beschäftigt auch Elisabeth Zwicky Mosimann. Die Präsidentin der Stiftung Wildvogelpflege St. Gallen sagt auf Anfrage, sie habe bereits zahlreiche Gespräche geführt. «Spruchreif ist aber noch nichts.» Auf eine Professionalisierung der Stelle angesprochen, sagt Zwicky Mosimann: «Wenn Sie mir morgen einen Tierpfleger bringen, der de facto gratis arbeitet, kann er anfangen.»

Das sei aber nicht so einfach. Gerade vor dem Hintergrund des Know-hows und des grossen Engagements der Müllers sei es schwierig, innert kurzer Frist eine gleichwertige Nachfolgelösung zu finden. «Wir sind in Verhandlungen, haben aber nicht nahtlos die perfekte Lösung parat.»

Das heisst: Es gibt eine Vakanz. Wie lange diese dauert, kann Zwicky Mosimann zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht abschätzen. Was aber passiert mit den verletzten Wildvögeln während der Zeit, in der die St. Galler Wildvogelpflegestation nicht besetzt ist? «Verletzte Tiere können dem Wildhüter gemeldet werden. Dieser platziert die Vögel dann in anderen Vogelstationen der Region.»

Die Vogelstation ist weitherum einzigartig

Davon gibt es aber nicht im Überfluss. Das weiss auch Martin Koe­gler. Der Ornithologe des Naturschutzvereins der Stadt St. Gallen sagt: «Die Vogelpflegestation St. Gallen ist in ihrer Art weitherum einzigartig.» Es wäre tragisch für alle, würde die Station längere Zeit verwaist bleiben. Es müsse unbedingt schnell ein Ersatz her. «Bald kommt der Winter. Und dann ist ein solches Angebot schlicht unverzichtbar, da viele Jungvögel und verletzte Tiere ohne Station kaum Überlebenschancen haben», sagt der Ornithologe.

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