«Die beste Bewerbung meines Lebens»: Wie ein Facebook-Post einen jungen St.Galler zur Selbständigkeit führte

Hannes Walker machte einen Aufruf auf Facebook: «Suche Arbeit». Der Beitrag wurde geteilt und geteilt – knapp 6500 Mal. Überhäuft mit Anfragen rief er eine Homepage für Kleinaufträge ins Leben.

Jonas Manser
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Dieses Kartonschild bescherte Hannes Walker mehr Arbeit als vier Monate Stellensuche. (Bild: Benjamin Manser)

Dieses Kartonschild bescherte Hannes Walker mehr Arbeit als vier Monate Stellensuche. (Bild: Benjamin Manser)

Hannes Walker hatte genug von der traditionellen Stellensuche. Seit Ende August suchte er vergeblich eine 50-Prozent-Stelle als Elektriker. Nun musste eine unkonventionelle Methode her. Inspiriert von einem Zeitungsartikel über einen Mann aus Zürich, der auf der Strasse auf Arbeitssuche ging, schnitt Walker ebenfalls ein Schild aus Karton zurecht und beschriftete es mit «Suche Arbeit».

Statt sich in der Altstadt zu platzieren, entschied der 26-Jährige sich für den elektronischen Weg. Er setzte sich ins Treppenhaus und liess sich mit Schild und Zange in der Hand vom Nachbarn fotografieren. Dieses Bild und eine kurze Erklärung dazu teilte er auf Facebook. Es sei schwer mit diesem Pensum und seiner Ausbildung etwas zu finden, schreibt er darin.

«Ich nehme deshalb gegen eine faire Bezahlung jeden Job an, den ich machen kann»

An mangelnder Erfahrung solle es nicht scheitern. Neben seiner Ausbildung als Elektriker habe er auch im Gartenbau, als Maurer und Maler gearbeitet. Ebenso könne er bei einfacheren Computerproblemen behilflich sein.

Ansporn für neue Ideen

Walker hegte keine grossen Erwartungen. «Ich dachte mir: Es wäre toll, wenn 20 Personen meinen Beitrag teilen würden.» Es sollten schliesslich viel mehr werden. Bereits nach einer Woche wurde der Aufruf 3500 Mal geteilt, bis er bei rund 6500 «Shares», 400 Kommentaren und beinahe 1000 «Likes» angelangt war. «Es war die beste Bewerbung meines Lebens.»

Das Resultat: Hannes Walker wurde mit Tipps und kleineren Aufträgen regelrecht überhäuft. «Aus den Kommentaren wurde klar, dass die Leute mir wirklich helfen wollten», sagt Walker. Den einen oder anderen negativen Kommentar habe es jedoch auch gegeben. «Das ungewöhnliche Pensum hat unter anderem zur Diskussion geführt.»

An die 200 Anfragen kamen herein, einige ernsthafter als andere. «Ein Mann wollte mich sogar für eine Massage engagieren», sagt Walker. Diese Anfrage habe er aber dankend abgelehnt. «Darunter gab es aber auch Job-Angebote als Elektriker im 50-Prozent-Pensum.» Eigentlich genau, wonach er gesucht hatte.

Innerhalb einer Woche zur Selbstständigkeit

Doch an diesem Job hat Walker bereits kein Interesse mehr. «Diese gewaltige Reaktion brachte mich auf eine neue Idee. Es war sozusagen der Auslöser.» Walker zögerte nicht. Am 14. Dezember hatte er den Beitrag auf Facebook geschrieben. Nicht einmal eine Woche später entschied er sich für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Schon am 22. Dezember war die Webseite seiner neuen Kollektivgesellschaft aufrufbar. Jetzt steht der Businessplan und voraussichtlich ab Mitte Februar will er die ersten Aufträge entgegennehmen. «Rent me», Englisch für «Miete mich», heisst das neue Projekt von ihm und drei seiner Kollegen.

«Dein Problem, unsere Lösung» heisst das Firmenmotto. Sei es Hilfe im Garten, kleine elektrische Probleme, Umzüge, Snowboard-Service, Hundesitting oder unkonventionelle Stadtführungen durch St. Gallen: Hannes Walker und seine Truppe von Allroundern bieten alles an.

Insta-Profil anstatt Ladengeschäft

Das Netzwerk möchten sie über soziale Medien wie Facebook und Instagram aufbauen und pflegen, ein Ladengeschäft im herkömmlichen Sinne sei nicht geplant. «Der Facebook-Beitrag zeigte mir, dass die Nachfrage vorhanden ist.»

Walker ist von seinem neuen Unterfangen überzeugt. Seine grösste Sorge ist jedoch, dass die Firma nicht richtig anläuft. Am Anfang werde es wohl noch bei wenigen Aufträgen bleiben. «Aber den grössten Teil des Risikos trage ich selbst.» Anfänglich würden seine Kollegen ihm als Nebenverdienst wo nötig aushelfen. «Sobald es genug Aufträge gibt, werden auch sie ausschliesslich für ‹Rent me› arbeiten.»

www.rentme-swiss.ch