Beschleunigung mit Widerstand: Die Regiobus AG aus Gossau fährt seit 50 Jahren

Von 3 zu 27 Bussen: Seit 50 Jahren kennt die Regiobus AG nur eine Richtung: Vorwärts. Doch das Busunternehmen aus Gossau stiess auch immer wieder auf Hindernisse.

David Grob
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Fahrgäste verlassen einen Bus der vielbenützten Linie 151. Aufkleber weisen auf das Jubiläum hin. (Bild: Benjamin Manser, 4. Juni 2019)

Fahrgäste verlassen einen Bus der vielbenützten Linie 151. Aufkleber weisen auf das Jubiläum hin. (Bild: Benjamin Manser, 4. Juni 2019)

Rund 5,6 Millionen Passagiere transportiert die Gossauer Transportfirma Regiobus AG 2018 – 1969 waren es rund 200'000. 27 Busse zählt die Fahrzeugflotte heute – drei waren es im Gründungsjahr. 83 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen – 1969 startete der Kleinbetrieb mit drei Mann. Mit zwei ehemaligen Postautos und einem gemieteten Bus führte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Autobus AG Gossau, den ersten Linienbetrieb zwischen dem Bahnhof Gossau und St. Gallen-Stocken ein.

50 Jahre später ist die Regiobus AG stark gewachsen und transportiert Fahrgäste in St. Gallen, Gossau, Herisau, Wil und Gaiserwald auf jährlich rund zwei Millionen Kilometern.

In voller Fahrt

Die Regiobus AG nahm also stetig mehr Fahrt auf und bekam 2007 nochmals zusätzlichen Anschub. Der Grund: Das Fussballstadion sowie Einkaufs- und Freizeitzentrum Kybunpark, damals noch AFG-Arena, wurde teileröffnet. «Dies brachte uns viele zusätzliche Gäste auf der Linie 151 zwischen St. Gallen und Gossau», sagt Bruno Huber, der seit 2006 das Busunternehmen als Geschäftsführer leitet.

2009 war die Regiobus AG zusammen mit den Verkehrsbetrieben St. Gallen und der Postauto AG Teil eines Pilotprojekts, das die Fahrgäste laufend über das Eintreffen von Bussen und allfällige Verspätungen informiert. Heute ist dies Standard im öffentlichen Verkehr. Dies bedingte wiederum ein modernes Betriebsleitsystem, das fortlaufend die Position des Busses ortet und die Kommunikation zwischen Fahrer und Leitstelle gewährleistet.

Sand im Getriebe

Die Zahlen und die Chronologie lesen sich wie eine Erfolgsgeschichte stetigen Wachstums. Doch die Fahrt der Regiobus AG geriet zwischenzeitlich immer wieder ins Stocken.

Bis 2003 durfte die Regiobus AG keine Passagiere auf dem Stadtgebiet St. Gallens transportieren und die Busse verkehrten nur bis St. Gallen Stocken. Was seit Jahren angestrebt wurde, konnte 2003 schliesslich verwirklicht werden: die Buslinie konnte bis zum Hauptbahnhof St. Gallen verlängert werden. Bruno Huber sagt:

«Die Busse durften aber anfangs keine Fahrgäste auf dem Stadtgebiet aufnehmen, sondern nur absetzen.»

2014 schliesslich stand die Regiobus AG kurz vor dem Aufkauf durch die Appenzeller Bahnen. Die Städte Gossau und Herisau verhinderten die Übernahme und kauften den Appenzeller Bahnen AG den Aktienanteil von 40-Prozent ab. Seither teilen sich die beiden Körperschaften die Aktien am Unternehmen.

Von der Politik abhängig

Die Regiobus AG ist wie andere Unternehmen des öffentlichen Verkehrs von den politischen Verhältnissen abhängig. Konzepte, wie gewisse Gossauer Quartiere zu erschliessen wären, wurden schon früher erarbeitet. Politisch sind diese jedoch umstritten, sowohl im Stadtparlament als auch in der Bevölkerung. «Oft scheitert die Erschliessung auch durch den Widerstand aus dem Quartier», sagt Huber. Ältere wünschten sich oft eine Busanbindung, Leute mittleren Alters setzen stärker aufs Auto. Zur Erschliessung ist ein Postulat beim Gossauer Stadtrat hängig. 

Das grösste Problem für Huber sind derzeit aber die Verspätungen zu den Hauptverkehrszeiten.

«Wir bräuchten eine eigene Busspur im Zentrum von Gossau.»

Eine schnelle Lösung scheint aber unrealistisch. Bauliche Massnahmen müssten ergriffen werden – nach der Neugestaltung der St. Gallerstrasse vor einigen Jahren scheint dies jedoch in weite Ferne gerückt. Die einzige Alternative für Huber wäre es, den Individual- und Schwerverkehr zu minimieren. Wachstum um des Wachstums Willen ist für Huber nicht wichtig.

«Wir sind nicht prioritär da, um zu wachsen. Unser Kerngeschäft ist der sichere und bequeme Transport von Fahrgästen. Wenn uns die Besteller neue Aufträge erteilen, machen wir das aber natürlich sehr gerne.»

Allenfalls weitet das Unternehmen sein Gebiet in den nächsten Jahren dennoch leicht aus. Derzeit ist in Prüfung, die Linie 158, die von Herisau nach Abtwil führt, bis nach Engelburg zu verlängern. Hubers Ziel wäre es, dies mit dem Fahrplanwechsel 2021 realisieren zu können. Ausserdem besteht die Idee, die Linie 155 vom Walter Zoo zum Bahnhof Gossau bis ins Niederdorf zu verlängern. «Wir überreichen dem Stadtrat hierzu demnächst ein Konzept», sagt Huber.