Bernhard Keller senkt in Muolen zum dritten Mal in Folge die Steuern - und ist damit nicht allein

Obwohl die Bürgerversammlungen wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können, sinken in den Regionsgemeinden die Steuern. Mörschwil bleibt aber konkurrenzlos.

Perrine Woodtli
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Es gibt Anträge von Gemeinderäten, da haben die wenigsten Bürgerinnen und Bürger etwas dagegen. Selten sagt jemand Nein zu einer Steuersenkung. Gleich in mehreren Gemeinden in der Region St.Gallen sollen dieses Jahr die Steuerfüsse purzeln.

Die Gemeinden beantragen die Steuersenkung eigentlich jeweils an ihren Bürgerversammlungen. Die meisten davon dürften dieses Jahr aufgrund des Corona-Virus aber nicht stattfinden. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger werden stattdessen an der Urne über die Geschäfte in ihrer Gemeinde abstimmen. Die Abstimmung wird am 19. April durchgeführt.

Eine Gemeinde, welche die Steuern dieses Jahr senken will, ist Muolen. Der Gemeinderat stellt den Antrag zur Steuerfussreduktion um drei Prozentpunkte auf 129 Prozent. Diese Senkung sei mit Blick auf den Finanzplan gut verkraftbar, sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller.

Bernhard Keller

Bernhard Keller

PD

Auch unter Berücksichtigung dieser Reduktion verbleibe auf die nächsten fünf Jahre betrachtet immer noch ein Eigenkapital von über zwei Millionen Franken für künftige Aufwandüberschüsse bestehen. In Muolen wäre es die dritte Steuersenkung in Folge.

Steuern mit «nötiger Vorsicht» senken

Ebenfalls die dritte Steuerfussreduktion wäre es in der Gemeinde Waldkirch, von 125 auf 122 Prozent. Der Gemeinderat sei trotz eines budgetierten Defizits von 544 000 Franken überzeugt, dass eine Steuerfusssenkung um drei Prozentpunkte möglich und realistisch sei, sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari.

Aurelio Zaccari.

Aurelio Zaccari.

Urs Bucher
«Dies ist für Waldkirch nach unseren Berechnungen in der Finanzplanung verkraftbar.»

Man habe gegenüber den Bürgern in den vergangenen Jahren kommuniziert, dass man die Steuern senken wolle – dies allerdings «kontinuierlich und mit der nötigen Vor- und Weitsicht».

Gossau und Wittenbach sind schon runter, Eggersriet zieht nach

Auch in Eggersriet sollen die Steuern sinken und zwar von 128 auf 125 Prozent. Dort wäre es bereits die fünfte Steuerfussreduktion in Folge.

In einigen Gemeinden wurden die Steuern bereits gesenkt. Die Wittenbacherinnen und Wittenbacher stimmten im November einer Reduktion um zwei Prozentpunkte von 135 auf 133 Prozent zu.

In der Stadt Gossau purzelte der Steuerfuss im Dezember von 121 auf 116 Prozent runter. Das Stadtparlament genehmigte die Steuersenkung und folgte damit dem Antrag des Gossauer Stadtrates.

Häggenschwil hat Pläne

Während einige Gemeinden die Steuern senken, bleibt in manchen Orten alles beim Alten. So beantragt beispielsweise der Häggenschwiler Gemeinderat, den Steuerfuss bei 119 Prozent zu belassen – trotz gutem Abschluss 2019 und hoher Eigenkapitalreserven.

Hans-Peter Eisenring.

Hans-Peter Eisenring.

Benjamin Manser

Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring begründet dies mit möglichen grösseren Investitionen in absehbarer Zeit. Er spricht unter anderem das Gutachten für die Machbarkeit der neuen Sporthalle an. Auch in Gaiserwald (107 Prozent), Berg (136 Prozent) und Andwil (118 Prozent) beantragt der Gemeinderat dieses Jahr einen unveränderten Steuerfuss.

In der Gemeinde Mörschwil soll ebenfalls alles so bleiben, wie es ist. Der Gemeinderat beantragt wie bereits im vergangenen Jahr einen unveränderten Steuerfuss von 75 Prozent.

Für Paul Bühler wäre es die letzte Bürgerversammlung gewesen, die er als Gemeindepräsident erlebt. Er tritt Ende Jahr zurück.

In seiner knapp 30-jährigen Amtszeit hat Bühler 13 Mal die Steuern gesenkt. Wäre es nicht schön gewesen, wenn er in seinem letzten Amtsjahr erneut einen tieferen Steuerfuss beantragen hätte können? Bühler antwortet:

«Wer unterbreitet der Bürgerschaft nicht gerne eine Steuersenkung?»
Seine letzte Bürgerversammlung als Gemeindepräsident wurde abgesagt: Paul Bühler.

Seine letzte Bürgerversammlung als Gemeindepräsident wurde abgesagt: Paul Bühler.

Michel Canonica

Das habe aber nichts mit seiner persönlichen Befindlichkeit zu tun, sondern müsse jeweils nachhaltig begründet sein. So oder so: Mit einem Steuerfuss von 75 Prozent bleibt Mörschwil nach wie vor ein Steuerparadies.