Bergclub St.Gallen: Nur die jungen Wanderer fehlen

Seit 50 Jahren organisiert der Bergclub St.Gallen Wanderungen, Klettertouren und Skiwochen. Mitglieder hat der Verein genug; es fehlt aber der Nachwuchs.

Christoph Renn
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Mitglieder des Bergclubs St.Gallen bestaunen den Chüebodengletschersee am Gerenpass im Jahr 2011. (Bild: pd)

Mitglieder des Bergclubs St.Gallen bestaunen den Chüebodengletschersee am Gerenpass im Jahr 2011. (Bild: pd)

Die erste Reise ging gleich hoch hinauf: Im ersten Jahr des Bergclubs St.Gallen organisierte Gründungsmitglied Oscar Künzle, genannt «Chrüsi», das erste Skilager in Stuben am Arlberg. Es sollten noch viele Hochtouren, Wanderungen und Klettertouren folgen. Um der damals üblichen Sonntagspflicht elegant nachzukommen, begleiteten die Tourenwochen oft bergbegeisterte Geistliche, heisst es im Jubiläumsheft. Heute, 50 Jahre nach der Gründung, steht das Gottesdienstangebot nicht mehr im Vordergrund, wie Präsident Markus Clerici sagt.

Der Name wurde zu mühsam

Begonnen hat für den Verein alles am 3. Januar 1968 im Hotel Ekkehard mit der Gründungsversammlung der Katourg St.Gallen (Katholische Tourengesellschaft). So hiess der Verein bis ins Jahr 2000, als die Mitglieder für die Namensänderung stimmten. Weil der Name Katourg für Aussenstehende immer einer Erklärung bedürfe und das manchmal recht mühsam sei, hiess es damals.

Die Sicherheit geht vor

Der Bergclub hat seit seiner Gründung um «Chrüsi» und dem späteren Stadtrat Karlruedi Schwizer und Franz Bock aber nicht nur den Namen gewechselt. Auch sonst spürt der Verein den Wandel der Zeit. «Es ist schwierig, junge Leute für unseren Verein zu begeistern», sagt Clerici. Früher gab es viele junge Mitglieder. Über die möglichen Gründe könne er jedoch nur spekulieren. Denn an der Breite ihres Angebotes könne es kaum liegen. «Wir führen monatlich rund sieben verschiedene Anlässe durch.» Diese reichen von kulturellen Anlässen wie Vorträgen zu Bergtouren über Wanderungen bis hin zu anspruchsvollen Kletterrouten.

Auch wenn der Nachwuchs fehlt, findet der Bergclub St. Gallen immer wieder neue Mitglieder. Clerici sagt:

«Wir sind offen für Gäste»

Es sei aber manchmal schwierig, weil Tourenleitende die Erfahrung der «Neuen» nicht kennen. «Vor allem bei anspruchsvollen Touren ist es wichtig, dass man die Stärken der Mitglieder kennt.» Denn die Sicherheit gehe immer vor.

Immer mehr gehen in Kletterhallen

Ein sehr beliebtes Ziel des Bergclubs ist der Alpstein. Doch versuchen die Mitglieder und der Präsident immer neue Routen zu entdecken. So gehen sie vermehrt Kooperationen mit den Bergclubs Zürich und Bern oder den Bergfreunden Luzern ein. Nicht nur für die älteren Mitglieder organisiert der Tourenverein hie und da auch kulturelle Ausflüge, wie beispielsweise den Besuch von Bad RagARTz in diesem Jahr. «Solche Anlässe sind gerade für jene super, die zu Fuss nicht mehr allzu gut unterwegs sind», sagt Clerici. Doch sollen sie nicht überhand nehmen. Das Wandern stehe weiterhin im Fokus.

Für Clerici ist klar: Wandern ist und bleibt eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Doch erinnert er sich gerne an Zeiten, als die Bollenwies an jedem Wochenende voll mit Kletterern war. «Heute gehen sie lieber in Kletterhallen, als draussen an der frischen Luft zu sein.»