Mit Joint und ohne Führerschein am Steuer:
St.Galler Kreisgericht droht Angeklagtem mit Gefängnis

Der 23-Jährige hat seit 2014 zahlreiche Verkehrsdelikte begangen, sogar eine Verfolgungsjagd mit der Polizei war dabei. Trotzdem gibt ihm der Richter noch eine allerletzte Chance.

Claudia Schmid
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Der Angeklagte machte die Strasse mehrmals bekifft und ohne Führerschein unsicher. (Symbolbild)

Der Angeklagte machte die Strasse mehrmals bekifft und ohne Führerschein unsicher. (Symbolbild)

Benjamin Manser

Einem jungen Schweizer ist der Führerschein auf Probe schon mehrmals entzogen worden. Das hinderte ihn nicht daran, sich wieder ans Steuer zu setzen. Während er nach den früheren Vorfällen mit Strafbefehlen und Geldstrafen davonkam, musste er nach dem jüngsten Strassenverkehrsdelikt vor dem Kreisgericht St.Gallen erscheinen. Der Einzelrichter bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe und betonte, dies sei nun seine allerletzte Chance. Packe er sie nicht, drohe beim nächsten Mal mit aller Wahrscheinlichkeit ein Gefängnisaufenthalt.

Der 23-jährige Autolenker wurde letztmals am 11. November 2019 bekifft und ohne gültigen Fahrausweis von der Polizei angehalten.

Beamte stellen starken Marihuanageruch fest

Den Beamten fiel bei der Kontrolle ein starker Marihuanageruch auf, worauf sie in der Mittelkonsole einen angerauchten Joint fanden. Im Blut des fehlbaren Lenkers wurde eine hohe Konzentration des THC-Wirkstoffes festgestellt. Er überschritt den Grenzwert um mehr als das Vierfache.

Der Beschuldigte wurde von der Staatsanwaltschaft wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, Fahren in nicht fahrfähigem Zustand und Führen eines Motorfahrzeugs mit verfallenem Führerausweis auf Probe angeklagt. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten, eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 70 Franken und eine Busse von 300 Franken.

Verfolgungsjagd mit der Polizei

An der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St.Gallen rechnete der Einzelrichter dem Beschuldigten vor, wie viele Strassenverkehrsdelikte er seit 2014 bereits begangen hatte. Entweder fuhr er zu schnell, setzte sich ohne gültigen Führerausweis ans Steuer, war beim Fahren bekifft oder überliess einem Lenker das Auto, obwohl dieser keinen Führerausweis hatte. Einmal bot er der Polizei sogar eine Verfolgungsjagd.

Der Beschuldigte lächelt den Richter vielsagend an

Auf die Bemerkung des Einzelrichters, man müsse wohl annehmen, er habe sich noch viel öfter als in den Akten vermerkt ohne Berechtigung ans Steuer gesetzt, lächelte der Beschuldigte vielsagend. Schliesslich sagte er aber in der Befragung auch, er sehe ein, dass er Fehler gemacht habe. Der Einzelrichter fällte Schuldsprüche im Sinne der Anklage. Beim Strafmass wich er leicht von den Anträgen der Staatsanwalt ab. Er liess die Geldstrafe fallen und erhöhte dafür die bedingte Freiheitsstrafe von acht auf neun Monate mit einer Probezeit von drei Jahren. Da die früher ausgesprochenen Geldstrafen ausser der Anhäufung von Schulden keine Wirkung gezeigt hätten, erachte er eine höhere Freiheitsstrafe als besseres Strafmass, erklärte er in der Urteilsbegründung.

Im Sinne einer letzten Chance spreche er die Freiheitsstrafe bedingt aus. Doch müsse sich der Beschuldigte bewusst sein, dass er nun kein weiteres Strassenverkehrsdelikt mehr begehen dürfe. Ansonsten drohe ihm nicht nur der Widerruf der bedingten Haftstrafe, sondern auch noch eine zusätzliche. Dann führe wohl kein Weg mehr am Gefängnis vorbei, sagt der Einzelrichter.

Ganz abgesehen von den Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz habe er mit seinem bekifften Fahren das Leben anderer Menschen gefährdet. «Stellen Sie sich vor, ein Verkehrsteilnehmer wäre wegen Ihnen tot oder sässe heute im Rollstuhl», redete der Einzelrichter dem Beschuldigten ins Gewissen.