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Beizensterben in St.Galler Uni-Quartier: «Wienerberg»-Pächter werfen den Bettel hin

Innert kurzer Zeit haben das Restaurant Wienerberg und die Pizzeria Bufala ihre Tore dicht gemacht. Damit gibt es in Rotmonten derzeit nur noch ein Restaurant. Beim «Wienerberg» besteht jedoch Hoffnung, dass es bald mit neuen Pächtern weitergeht.
Jürg Ackermann
Das Restaurant Wienerberg bei der HSG. Das Pächterehepaar wirft den Bettel hin.

Das Restaurant Wienerberg bei der HSG. Das Pächterehepaar wirft den Bettel hin.

«Wir haben Betriebsferien:» Wer im Traditionslokal «Wienerberg» telefonisch einen Tisch reservieren will, erfährt auf dem Anrufbeantworter des Restaurants nur die halbe Wahrheit. Denn nun steht definitiv fest: Andrea Schirmer und ihr Lebenspartner Rüdiger Claus werden nicht mehr auf den Rosenberg zurückkehren.

Die «Betriebsferien» werden auf unbestimmte Zeit verlängert, weil sich die bekannte Gastronomin vollständig aus der St. Galler Restaurant-Szene zurückzieht. Vor etwas mehr als einem Jahr gab Schirmer das geschichtsträchtige Restaurant Bäumli in der Innenstadt auf, nun ist nach zwei Jahren auch im «Wienerberg» Schluss. Das ist insofern überraschend, als die erfahrenen Gastronomen vor zwei Jahren mit viel Vorfreude und Vorschusslorbeeren in Rotmonten gestartet waren.

Sie habe keine Sekunde überlegt, als die Anfrage von «Wienerberg»-Besitzer Christoph Loosli gekommen sei, sagte Schirmer damals. Schliesslich gehöre das «Wienerberg» zu den schönsten Lokalen der Stadt, es sei eine gastronomische Perle.

Quartierverein hofft auf «gute Nachfolgelösung»

Mit einem Mix aus Businessleuten (Uni und Helvetia-Versicherung), Stammgästen und Vereinen wollte das Pächter-Paar das Restaurant zum Blühen bringen. Das gelang nur bedingt. Vor allem der Vorsatz, auch im Quartier nachhaltig Wurzeln zu schlagen, schlug fehl.

Rüdiger Claus will sich zu den Gründen für den Rückzug nicht äussern. Er sagt nur, dass er sich mit seiner Lebenspartnerin ganz aus der Gastronomie zurückziehen werde. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass den Pächtern «die Anspruchshaltung gewisser Gäste» zu schaffen machte.

Wie es weitergeht, ist offen. Gerold Schneider, der Präsident des Quartiervereins, sagt:

«Rotmonten hofft sehr darauf, dass es im ‹Wienerberg› eine gute Nachfolgelösung gibt.»

Er tut dies auch mit Blick auf die Pizzeria Bufala. Sechs Jahre lang hat David Grippo mit seiner Frau Tatjana an der Guisanstrasse in unmittelbarer Nähe des Weiterbildungszentrums der Universität gewirtet. Die Pizzen des gebürtigen Neapolitaners, der einst im «Waldhaus» in Flims seine Sporen abverdient hatte, gehörten zu den besten der Stadt. Nun hat auch er Schluss gemacht. Grippo ist mit seiner Familie ins Ausland gezogen. In der Pizzeria an der Guisanstrasse sah er keine Zukunft mehr.

Neuer Tiefpunkt

Damit ist in der Gastronomie in Rotmonten ein neuer Tiefpunkt erreicht, nachdem vor vier Jahren bereits die defizitäre «Sonne» inklusive Hotel schloss und einer Überbauung weichen musste. Im Traditionsrestaurant im Zentrum des Quartiers war seit 1904 gewirtet worden.

Als gastronomische Konstante bleibt in Rotmonten neben den zwei kleinen Cafés in den Bäckereien Schwyter und Gschwend damit einzig das weit weg vom Quartierzentrum liegende Restaurant «Peter und Paul» beim gleichnamigen Wildpark. Damit dürfte das knapp 3000 Einwohner umfassende Quartier die tiefste Restaurantdichte der Stadt aufweisen. Auch Quartiervereinspräsident Gerold Schneider sagt:

«Wenn wir nur noch ein richtiges Restaurant im Quartier hätten, wäre das sehr wenig. Für eine Pizzeria oder ein anderes Restaurant hat es in Rotmonten definitiv noch Platz.»

Wiener Schnitzel und Backhendl

Zumindest beim «Wienerberg» gibt es jedoch Hoffnung auf eine Nachfolgelösung. Läuft alles nach Plan, soll das Restaurant nur vorübergehend geschlossen bleiben. Christoph Loosli, der Flawiler Unternehmer und Besitzer des «Wienerbergs», sagt:

«Es wird in nächster Zeit etwas passieren. Wir haben einen neuen Pächter in Aussicht.»

Alles andere würde auch überraschen. Denn Gastro-Experten schätzen das Potenzial des Restaurants in unmittelbarer Nähe zur Uni mit ihren 8500 Studenten und 3000 Angestellten als gut ein.

Zudem ist das «Wienerberg» ein Restaurant mit langer Geschichte. Schon anfangs des 20. Jahrhunderts wurde im Jugendstilhaus Essen und Trinken ausgeschenkt. Mit seinen österreichischen Spezialitäten wie Wiener Schnitzel oder Backhendl machte sich das Lokal mit seinen stilvollen Innenräumen während langer Zeit auch einen Namen ausserhalb des Quartiers.

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