Beim Kanton geniesst die Zughaltestelle Sommerau in Gossau keine Priorität

In den Plänen für die Sommerau spielt auch eine neue Haltestelle eine Rolle. Sie bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Johannes Wey
Drucken
Teilen
Vis-à-vis der Stickereihäuser an der Bischofszellerstrasse könnte eine Zughaltestelle entstehen.

Vis-à-vis der Stickereihäuser an der Bischofszellerstrasse könnte eine Zughaltestelle entstehen.

Bild: Benjamin Manser (15.März 2019)

Noch schweift der Blick ins Grüne, wenn man mit dem Zug von Gossau in Richtung Arnegg fährt. Doch mit dem Beginn des Mitwirkungsverfahrens für den Sondernutzungsplan ist die Überbauung des Industrielandes in der Sommerau einen Schritt näher gerückt.

Wer sich die Pläne etwas genauer anschaut, stolpert unweigerlich über die «SBB-Haltestelle Sommerau inklusive Ausbau Doppelspur», die neben den Bahngeleisen auf der Höhe der Stickereihäuser eingezeichnet ist. Auf diese Planung muss auch die Überführung für Fussgänger und Velofahrer Rücksicht nehmen, die dereinst von der Bischofszellerstrasse über die Gleise führen soll.

Für den Kanton genügen die Busverbindungen

Die Haltestelle ist eine Massnahme im Agglomerationsprogramm. Sie soll das Arbeitsplatzgebiet, zu dem auch das Langfeld nördlich der Stadtwerke zählt, besser an den öffentlichen Verkehr anbinden und einen «Impuls für die Stadtentwicklung» setzen, wie es im Massnahmenbericht zum Programm heisst. Von einem neuen Stadtteil als westliches Tor der Stadt ist die Rede.

Derzeit ist beim Gossauer Stadtrat die Einfache Anfrage «S-Bahn-Offensive Gossau/Arnegg» von SP-Stadtparlamentarier Florian Kobler zum Thema offen. Er stellt die Frage, ob es derzeit Überlegungen für neue Haltestellen, unter anderem in der Sommerau, sowie ein Wendegleis gebe (siehe Zweittext).

S-Bahn braucht ein Wendegleis

Auch stadtsanktgaller Verkehrspolitiker von links bis rechts interessieren sich für das Eisenbahngleis in der Gossauer Sommerau. Sie setzen sich vehement für einen Viertelstundentakt für die Stadtbahnhöfe Winkeln, Bruggen und Haggen ein. Ein wichtiges Puzzleteil dazu wäre ein Wendegleis auf Gossauer Boden, um einen Shuttlezug zwischen den beiden Städten zu ermöglichen. Diesbezüglich sei man noch mit Abklärungen beschäftigt, sagt Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr. Fest steht, dass für die Taktverdichtung nebst dem Wendegleis noch weitere bauliche Massnahmen ergriffen werden müssten. Ein allfälliger Shuttlezug sei aber nicht abhängig von einer neuen Haltestelle und dem Ausbau auf eine Doppelspur in der Sommerau. (jw)

Allerdings: Im Agglomerationsprogramm und in den Überlegungen des Kantons geniesst die Haltestelle Sommerau keine Priorität, erklärt Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr, auf Anfrage.

«Aus meiner Sicht bietet das heutige Busangebot auf der Bischofszellerstrasse eine adäquate ÖV-Erschliessung für die geplante Entwicklung des Arbeitsplatzgebietes Sommerau.»

Auch Roman Aepli, dessen Unternehmen das Bauland gehört, findet die Anbindung mit zwei Bushaltestellen «sehr komfortabel».

Für den Bahnausbauschritt 2035 sei der Wunsch zwar beim Bund deponiert worden, sagt Ruggli. Dieser habe ihn jedoch abgeschlagen. Man werde den Wunsch für den nächsten Ausbauschritt wieder eingeben.

Der Platz wird schon einmal reserviert

Mit der Gesamtüberarbeitung des Richtplans sollen laut Ruggli aber die nötigen Flächen für die Haltestelle und den Doppelspurausbau gesichert werden. In den Sondernutzungsplänen, die derzeit beim Kanton zur Vorprüfung liegen, seien diese Flächen bereits berücksichtigt. Ob der Fahrplan einen zusätzlichen Halt in der Sommerau aber überhaupt zulassen würde, ist noch nicht geklärt.