Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

St.Galler Stadtparlament ist offen für einen Kifferversuch

Wie der Stadtrat befürwortet auch eine klare Mehrheit des St.Galler Stadtparlaments Versuche mit der kontrollierten Abgabe von Haschisch und Marihuana. Noch aber sind Kiffer-Experimente in der Schweiz verboten.
Daniel Wirth
Kontrollierte Abgabe von Cannabis: Der St.Galler Stadtrat und eine Mehrheit des Stadtparlaments stehen einem solchen Versuch positiv gegenüber. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

Kontrollierte Abgabe von Cannabis: Der St.Galler Stadtrat und eine Mehrheit des Stadtparlaments stehen einem solchen Versuch positiv gegenüber. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

«Es geht mir nicht um die Legalisierung von Cannabis», sagte SP-Stadtparlamentarier Etrit Hasler, der vor vier Jahren sein Postulat «Für eine vernünftige Cannabispolitik – Abgabe in St. Gallen?» eingereicht hatte gestern im Parlament. Es gehe ihm ums Mitmachen bei einem Pilotprojekt.

Auch wenn der Stadtrat mit dem Bericht auf Haslers Postulat lange auf sich warten liess: Der Sozialdemokrat rannte offensichtlich offene Türen ein im Rathaus. Denn der Stadtrat schrieb im Bericht, er sei überzeugt davon, dass wissenschaftliche Studien, die erforschten, wie sich ein kontrollierter Zugang auf die Gesundheit von Konsumentinnen und Konsumenten auswirke, dringend nötig seien.

Eine Marihuana-Pflanze. (Bild: Ted S. Warren/AP)

Eine Marihuana-Pflanze. (Bild: Ted S. Warren/AP)

Ein Pilotversuch in der Stadt St.Gallen brächte zudem verschiedene wertvolle Erkenntnisse, ist der Stadtrat überzeugt. Die politischen und fachlichen Voraussetzungen dafür seien in der Stadt erfüllt. So gebe es in St.Gallen zahlreiche Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen, die viel Erfahrung mit Cannabis als Heilmittel hätten und sich seit Jahren für den Einsatz von Cannabis als Heilmittel einsetzten.

15 Gramm Gras in der Apotheke

Geht es nach dem Stadtrat, könnte sich St.Gallen einem Forschungsprojekt nach einem Modell aus der Stadt Bern anschliessen: Versuchspersonen sollen Cannabis in der Apotheke kaufen können, wenn sie sich verpflichten, an Massnahmen zur Prävention und zur Schadensminderung teilzunehmen. Die maximale Bezugsmenge pro Monat ist auf 15 Gramm festgelegt, ebenso geregelt ist der maximale Gehalt des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) im Marihuana und im Haschisch, nämlich bei zwölf Prozent.

Allerdings: Noch sind solche Kiffer-Experimente in der Schweiz verboten. In der Herbstsession der eidgenössischen Räte werden aber mehrere Vorstösse behandelt, deren Urheber genau das ändern wollen. In diesem Zusammenhang sagte Anja Signer-Bürkler am Dienstagabend im Stadtparlament namens der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen:

«Der Ball liegt beim Bund, aber St.Gallen ist bereit für den Pass.»

Und Stefan Grob sagte für die CVP/EVP-Fraktion: «Die Stadt St. Gallen ist bekannt als Pionierin, wenn es um eine professionelle und innovative Suchtpolitik geht.» Die Vor­aussetzung für einen Pilotversuch seien in der Stadt St.Gallen ideal, sagte Grob.

«Wir unterstützen den Stadtrat darin, sich einem geeigneten Projekt anzuschliessen, sollten die nationalen gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden», sagte die Grünliberale Nadine Niederhauser. Sie ist Ärztin von Beruf.

«Die FDP-Fraktion begrüsst, dass sich die Stadt St.Gallen proaktiv mit diesem Thema auseinandersetzt und sich auf eine, wie auch immer ausfallende, Änderung der Gesetzeslage vorbereitet», sagte der Freisinnige, Oskar Seger.

Nur die SVP hegt Zweifel

«Die SVP-Fraktion lehnt den Antrag des Stadtrates zur Beteiligung an einer wissenschaftlichen Studie zum ‹Genusscannabiskonsum› ab», sagte Karin Winter-Dubs. Es lasse sich immer wieder beobachten, dass verschiedene Kreise in einer heiklen Frage wissenschaftliche Studien forderten, um damit Unterstützung zu gewinnen. Aber:

«Experimente sollen nicht Gelegenheit bieten für den Konsum von Drogen.»

Gerade aus der amerikanischen Forschung liessen sich Trends ableiten, die auf die negativen Auswirkungen von Cannabis aufmerksam machten. «Dies vor allem bei Jugendlichen zwischen 15 und 24, bezüglich ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit», gab Winter-Dubs zu bedenken.

Sie blieb mit ihrer Sorge allein auf weiter Flur. Das Stadtparlament schrieb das Postulat Haslers schliesslich ohne Gegenstimmen ab. Wie in den 1990er-Jahren bei der kontrollierten Abgabe von Heroin und Methadon könnte St.Gallen auch beim Gras pionierhaft wirken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.