Hitzige Diskussionen vor den Kantonsratswahlen: Die Kandidaten im Wahlkreis Rorschach sind sich bei Spital und Klima uneinig

Eine Frau und sechs Männer stellen sich beim Wahlpodium in Rorschach den Fragen der «Tagblatt»-Moderatoren. Vor allem die Schliessung des Rorschacher Spitals gibt im Wahlkampf zu reden.

Rudolf Hirtl
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Angeregte Diskussionen gabs am Wahlpodium in Rorschach: (von links) Jolanda Riedener (Tagblatt), Jonas Streule (EVP), Martin Hochreutener (SVP), Ariane Thür Wenger (SP), Richard Faust (Grüne), Igor Feuz (GLP), Raphael Frei (FDP), Dominik Gemperli (CVP) und Martin Rechsteiner vom Tagblatt.

Angeregte Diskussionen gabs am Wahlpodium in Rorschach: (von links) Jolanda Riedener (Tagblatt), Jonas Streule (EVP), Martin Hochreutener (SVP), Ariane Thür Wenger (SP), Richard Faust (Grüne), Igor Feuz (GLP), Raphael Frei (FDP), Dominik Gemperli (CVP) und Martin Rechsteiner vom Tagblatt.

Bild: Benjamin Manser

Das von EVP-Kandidat Jonas Streule initiierte Wahlpodium im Stadthofsaal Rorschach hätte ein grösseres Publikum verdient. 35 Männer und Frauen kamen am Dienstagabend in den Genuss einer lebhaften Diskussion. Auf den Zahn gefühlt wurde den sieben Politikerinnen und Politiker aus dem Wahlkreis Rorschach von «Tagblatt»-Redaktorin Jolanda Riedener und von «Tagblatt»-Redaktor Martin Rechsteiner.

Das Podium war mit nur einer Frau ebenso dünn mit Frauen besetzt, wie es die Listen zur Kantonsratswahl aus dem Wahlkreis Rorschach sind. 50 Männer stehen dort 18 Frauen gegenüber. Eine Frauenquote ist aber dennoch kein Thema. Ariane Thür Wenger sagt:

«Wir sind uns in der SP gewohnt, dass der Anteil Frauen und Männer ausgewogen ist.»

Auch wenn es in vielen anderen Bereichen diesbezüglich unbefriedigend sei, so brauche es keine Quote, sondern eine Förderung von Frauen. Er sei nicht oft mit der SP einer Meinung, so FDP Kantonsrat Raphael Frei, doch hier stimme er mit Ariane Thür Wenger überein. Während Martin Hochreutener (SVP) trocken sagt:

«Wenn sich keine Frauen melden, kann man auch keine wählen»,

betont Richard Faust, dass die Grünen grossen Wert auf Ausgewogenheit legen. CVP-Kantonsrat Dominik Gemperli plädiert dafür, möglichst gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen Politik machen können. Er erinnert daran, dass die CVP mit Susanne Hartmann eine Frau als Regierungsratskandidatin stellt.

Nur Grüne und SP für das Spital Rorschach

Wenig überraschend wird die drohende Schliessung des Spitals Rorschach besonders emotional diskutiert. «Das Thema muss entpolitisiert werden», mahnt Raphael Frei. Wenn sich nichts ändere in der Spitallandschaft, so haben wir jedes Jahr ein Defizit von rund 70 Millionen Franken. Auch deshalb unterstütze er den Vorschlag der Regierung. «Es muss eine ehrliche Diskussion geführt werden. Man darf dabei nicht nur regional denken», sagt Dominik Gemperli. Das Spital Rorschach sei langfristig nicht finanzierbar.

«Unsere Hausärzte verlieren einen wichtigen Partner, wenn das Spital geschlossen wird. Rorschach bietet gute Behandlungen und kurze Wege», sagt Ariane Thür Wenger. Applaus vom Publikum gibt’s für ihre Bemerkung, sie zweifle daran, dass die Grundversorgung für die Region Rorschach im Zentrumsspital kostengünstiger geleistet werden könne.

Igor Feuz von der GLP entgegnet. «Bei Spitzenmedizin, wie sie in St.Gallen geboten wird, verkürzt sich der stationäre Aufenthalt erfahrungsgemäss von durchschnittlich sieben auf vier Tage.» Deshalb und wegen der besseren Fallzahlen werde es also günstiger. Während Jonas Streule auf die höhere Fehlerquote in kleineren Spitälern wegen der fehlenden Fallzahlen (Operationen pro Spital) hinweist, sagt der in Mörschwil wohnende Richard Faust, dass er Rorschach trotz der Nähe zu St.Gallen vorziehe. «Dezentrale Standorte bedeuten auch eine höhere Versorgungssicherheit.» Martin Hochreutener erntet Lacher, als er erwähnt, was an ihm schon alles operiert wurde. Er habe dabei oft die Gelegenheit gehabt, mit Chirurgen zu plaudern, und diese würden aus Qualitätsgründen eine Zentralisierung empfehlen.

Klimajugend drängt zurecht auf rasches handeln

Als die Moderatoren das Thema auf den Klimaschutz lenken, muss sich Richard Faust für die Klimajugend wehren. Auf die Aussage von Jonas Streule, dass bei den Demonstrationen mittels Notfallrhetorik ein Systemwechsel und nicht etwa eine bessere Klimapolitik gefordert werde, entgegnet der Grüne Kantonsratskandidat: «Die Klimajugend verweist zurecht darauf, dass die bestehenden Systeme die Welt gefährden.» Er hoffe, dass der Hype anhalte, zumal das Thema eminent wichtig sei. Die Umwelt sei auch bei der SVP Thema, sagt Martin Hochreutener. Die Probleme müssten aber global gelöst werden. «Wir alleine können nichts ausrichten.»

Klimapolitik müsse in erster Linie über Eigenverantwortung und Innovationen und nicht etwa über Verbote und Strafen funktionieren, so Raphael Frei. «Es ist schön, wenn sich alle für das Klima einsetzen», sagt Ariane Thür Wenger. Ob der Ansatz der FDP reiche, um schnell genug vorwärtszukommen, sei allerdings fraglich. Dominik Gemperli will dort investieren, wo auch Wirksamkeit entsteht. Wo beispielsweise Fotovoltaik nicht möglich sei, müsste man über Ersatzabgaben diskutieren. Für Richard Faust muss es beispielsweise Pflicht sein, defekte Ölheizungen mit alternativen Energiebringern zu ersetzen und keine neuen Ölheizungen mehr zuzulassen. Und was macht GLP-Mann Igor Feuz für die Umwelt, will Jolanda Riedener wissen. «Ich habe mein Auto verkauft und nutze jetzt den öffentlichen Verkehr.»