«Wird für Strassenschlucht geopfert»: Bei einem Ja zum Autobahnanschluss wird das Goldacher Pflegeheim Helios abgebrochen

Die Gemeinden Goldach und Rorschach stimmen am 17. November über das Projekt «Autobahnanschluss Plus» ab. Wird der Anschluss realisiert, muss ihm das 11-jährige Pflegeheim Helios weichen. Das biete Chancen, sagen Befürworter.

Jolanda Riedener
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Der Neubau des Pflegeheims Helios wurde 2008 fertiggestellt. Das Zweithaus steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten. (Bild: Ines Biedenkapp)

Der Neubau des Pflegeheims Helios wurde 2008 fertiggestellt. Das Zweithaus steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten. (Bild: Ines Biedenkapp)

Die Bevölkerung sei schlecht über den geplanten zusätzlichen Autobahnanschluss informiert, kritisieren Gegner der Vorlage, die sich im Verein «Kein 3. Autobahnanschluss» organisiert haben. «So wissen viele nicht, dass der Neubau des Pflegeheims Helios abgerissen werden soll», heisst es in einer Medienmitteilung des Vereins.

Am 17. November wird in den Gemeinden Goldach und Rorschach darüber abgestimmt. Rorschacherberg hat bereits einen Kredit gesprochen.

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Helios, Kreuzung Industriestrasse

Im Abschnitt Blumenfeldstrasse/Industriestrasse haben die Projektverantwortlichen verschiedene Lösungen untersucht. Als beste von insgesamt acht Varianten, wurde jene befunden, bei der ein Teil des Pflegeheims Helios abgebrochen werden muss. Und zwar der 2008 entstandene Neubau.

«Widerstand wegkaufen»

«Dieser Entscheid ist nicht nachvollziehbar begründet», heisst es in der Mitteilung der Gegner. Für Felix Gemperle vom Verein «Kein 3. Autobahnanschluss» ist diese Massnahme ein «weiterer Mosaikstein» in einem Projekt, das verkehrsplanerisch abzulehnen sei. Dass das Pflegeheim nun für eine Strassenschlucht geopfert werde, sei bei der Bevölkerung noch nicht angekommen. Die Zerstörung des Baus koste Millionen und werde ausserdem mit Steuergeldern gezahlt.
Das Pflegeheim Helios sei bei jeder der von den Planern geprüften Variante vom Autobahnanschluss direkt betroffen. Die Gegner schreiben:

«Es war auch den Behörden klar, dass die Institution den Bau dieser Strasse vor ihrer Haustüre nicht kampflos hinnehmen würde.»

Möglichen Widerstand vom Pflegeheim würden die Verantwortlichen einfach wegkaufen.

Neuer Standort könnte Chancen bieten

Dem widerspricht Dominik Gemperli, Sprecher Autobahnanschluss Plus: «Wir sind mit der Stiftung Liebenau, die das Helios führt, schon zwei Jahre im Gespräch.» Seither sei man in intensivem, lösungsorientiertem Austausch. Der Stiftung sei bewusst, dass der Neubau einem Autobahnanschluss weichen müsste. «Gleichzeitig bieten sich dadurch Chancen», sagt Gemperli. Man könne so eine Neubeurteilung der Angebote und Prozesse machen. Gemperli sagt:

«Für die Gemeinden ist klar, auf das Angebot des privaten Pflegeheims wollen wir nicht verzichten.»

Beabsichtigt bleibt, einen neuen, regionenübergreifenden Standort fürs Pflegeheim zu suchen.

Bei der favorisierten Variante handelt es sich gemäss Gemperli um die beste Lösung. Im Vorfeld habe man alle Möglichkeiten gegenübergestellt und detailliert geprüft. Landerwerb gehöre natürlich dazu, bei einem Projekt diesen Ausmasses. Weiter sei der Zeithorizont bis zur Umsetzung gross, sollte der A1-Zubringer mit Kantonsstrasse zum See Zustimmung des Volks erhalten. Bis dahin würden sich auch im Bereich Pflege voraussichtlich Bedürfnisse verändern.

Der Vorstand der Stiftung Liebenau war bis Donnerstagabend nicht erreichbar.