Bei der Premiere regnet es für die in St.Gallen wohnhafte Tina Schläpfer Edelmetall

Nach nur vier Jahren Training holt sich Tina Schläpfer bei ihrer ersten Bodybuilding WM-Teilnahme in New York den Titel.

Eva Wenaweser
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Tina Schläpfer holt sich bei ihrer ersten WM-Teilnahme in New York den Titel in der Kategorie «Figure Class Tall».

Tina Schläpfer holt sich bei ihrer ersten WM-Teilnahme in New York den Titel in der Kategorie «Figure Class Tall».

(Bild: PD)

«Gekonnt ignorieren.» Das tut die Hobby-Bodybuilderin Tina Schläpfer die Leute, die ihr Doping vorwerfen. «Am Anfang ist es mir sehr nahegegangen und es hat mich auch genervt. Oft ist es aber nur der Neid auf das, was ich erreicht habe», sagt die blonde 26-Jährige. 2015 hat Schläpfer angefangen zu trainieren, ohne jegliche Ambitionen. Sie sei ins Fitnesscenter gegangen, wie es viele andere auch tun. Jetzt ist sie Weltmeisterin in der Kategorie «Figure Class Tall» und Vizeweltmeisterin in den Kategorien «Fit Body» und «Bodybuilding». Trotz ihrem selbstbewussten Auftreten, kann man durch die Alltagskleidung nur schwer erahnen, was sich darunter für Muskeln verstecken.

Auf Grund ihrer Gluten-Unverträglichkeit musste sie ihre Ernährung umstellen und zog einen Coach hinzu.

«Durch ihn hat das mit dem Bodybuilding eigentlich angefangen.»

Er habe das Potenzial gesehen, sie gefördert und unterstützt. Seither hat Schläpfer immer noch den gleichen Berater an ihrer Seite: «Ich würde nie einen anderen wollen.» In der Anfangsphase sei es vielleicht noch möglich, ohne einen Coach etwas zu erreichen, aber wenn es um die Wettkämpfe gehe, müsse alles stimmen. «Die Ernährung ist eine Wissenschaft und ich bewundere, wie man das beherrschen kann – alleine würde ich es nicht schaffen», sagt Schläpfer.

Die Eltern haben manchmal Angst um sie

Ihre Eltern hätten es von Anfang an gut gefunden, dass sie etwas für ihren Körper tue. Allerdings seien sie besonders in der Wettkampfphase besorgt, dass es nicht gesund sei, was sie tue. Da aber ihr Trainer gut darauf achte, dass es überall in einem gesunden Mass bleibe, seien auch ihre Eltern die meisten Zeit beruhigt. Laut Schläpfer sei das Natural Bodybuilding, das sie betreibt, von Grund auf sowieso sicherer, weil sie keine leistungsfördernden Substanzen zu sich nehme.

«Logisch ist es nicht gesund, wenn man in kürzester Zeit 13 Kilo abnimmt, das liegt auf der Hand.»

In diesem Sport müsse man das dem Körper im Hinblick auf einen Wettkampf aber antun, danach habe man schliesslich auch wieder eine Regenerationsphase. Man müsse einfach mit gesundem Menschenverstand bei der Sache sein. Lachend sagt sie, dass sie ihrem Körper jetzt viel zurückgebe, die 13 Kilo habe sie bereits wieder zugenommen. Jetzt in der Weihnachtszeit gönne sie sich gerne einmal den ein oder anderen Schummeltag. Im Januar möchte sie dann aber wieder strenger auf ihre Ernährung achten.

Der Körper hat alles, was er braucht

Im Natural Bodybuilding gebe es sehr strenge Kontrollen bezüglich Doping. Es gebe vor und nach den Wettkämpfen diverse Tests. Laut Schläpfer ist es aber auch nicht unüblich, dass unangekündigt jemand vorbeikommt und sie auf verschiedene Substanzen testet. Wenn aber nicht gerade ein Wettkampf bevorstehe, würde sie auch auf andere nahrungsergänzenden Mittel und Vitamine verzichten. «Wenn ich mich vor dem Wettkampf in der Diätphase befinde, nehme ich aber zum Beispiel Vitamin B und C in anderer Form zu mir», sagt Schläpfer. Anders sei es schlicht und ergreifend nicht möglich, durch diese Mahlzeiten alle nötigen Vitamine aufzunehmen. Schläpfer spüre aber, dass ihr der strikte Ernährungsplan gesundheitlich extrem helfe, weil alles aufeinander abgestimmt sei. Dadurch werde sie auch nie krank. «Mein Körper hat alles, was er braucht.»

Mit dem Sieg qualifiziert sie sich für die Profi-Liga

Da die 26-Jährige das Bodybuilding weiterhin als ein Hobby ansehe, lasse es sich auch gut mit ihrem Job als Kommunikationsbeauftragte bei der Fachhochschule St.Gallen vereinbaren. Ohne ihren Job wäre es auch nicht möglich, ihr Hobby zu praktizieren.

«Bodybuilding ist extrem teuer und gerade in der Natural Kategorie gibt es sehr wenige Sponsoren, weil es eher eine Nebensportart ist.»

Daher gebe es in der Amateur-Liga, in der sie in New York an der WM teilgenommen habe, auch kein Preisgeld. Durch den Sieg im «Figure Class Tall» habe sie sich dort jetzt aber eine Pro-Card gesichert. Das bedeutet, dass Schläpfer nächstes Jahr in dieser Kategorie teilnehmen darf – in der es auch ein Preisgeld gibt. Laut Schläpfer ist das Geld für sie aber nicht das Wichtigste.

«Mir ist wichtiger, dass ich mich wohlfühle, bei dem was ich tue.»

Da sie ihrem Hobby so gerne nachgeht, investiert sie auch bereitwillig dafür. «Wenn ich so viel trainiere, habe ich keine Zeit mehr, mein Geld für anderes auszugeben», sagt Schläpfer lachend.

Grundsätzlich trainiere sie nicht so viel wie andere. «Pro Woche trainiere ich vier Mal und das immer etwa eine Stunde», sagt Schläpfer. Als Schweizer Athletin habe sie sich ausschliesslich über die Schweizer Meisterschaften im Oktober für die WM in New York qualifizieren können. Und obwohl sie auf einen Sieg gehofft habe, seien ihre Erwartungen mit einem Weltmeistertitel und zwei Vizeweltmeistertiteln bei Weitem übertroffen worden.

Kategorien

Tina Schläpfer hat an der Weltmeisterschaft in New York im November in den Kategorien «Figure Class Tall», «Bodybuilding» und «Fit Body» teilgenommen. In Schläpfers Siegerkategorie «Figure Class Tall» geht es eher um das Weibliche. Man tritt in hohen Schuhen an und die Muskeln sollten eher weich sein. Während man im «Bodybuilding» barfuss antritt und mehr auf Masse und Muskulatur geachtet wird. Der Körper sollte möglichst definiert sein. Die Kategorie «Fit Body» ist etwas dazwischen: Man hat zwar auch hohe Schuhe an, aber die Muskelqualität ist entscheidender als in der «Figure Class».

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