Bei der Kirche St.Kolumban in Rorschach liegt ein Kreuz umgestossen am Boden: Es bleibt liegen – und das mit Absicht

Im Park hinter der Rorschacher Pfarreikirche St.Kolumban liegt ein Kruzifix in der Wiese. Schuld daran sind Vandalen. Obwohl die Tat schon Jahre her ist, wundern sich Passanten immer wieder darüber.

Natascha Arsić und Rudolf Hirtl
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Das Kruzifix liegt im Park hinter der Kirche St.Kolumban in Rorschach.

Das Kruzifix liegt im Park hinter der Kirche St.Kolumban in Rorschach.

Leserbild: Priska Kern

«Der stillgelegte Friedhof hinter der Kirche St.Kolumban wurde von Vandalen heimgesucht. Schade um die friedliche Anlage.» Mit diesen Worten und beigefügten Bildern wendet sich eine Leserin per E-Mail an diese Zeitung. Das Kreuz auf dem alten Friedhof wurde vom Sockel gestossen und liegt im Park auf dem Boden.

Das ist jedoch nicht erst seit diesem Wochenende so, sondern schon seit Jahren, erklärt Pfarreibeauftragte Anna Maria Frei-Braun. «Es war tatsächlich ein Vandalenakt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde das Kreuz umgeschubst und in der Wiese liegend wiedergefunden.» Anschliessend hätte es der damalige Pfarreibeauftragte wieder aufgestellt und auf den Sockel zurückgesetzt.

Durch Vandalismus eine neue Bedeutung erhalten

Doch damit war die Sache nicht erledigt. Denn kurz darauf lag das Kruzifix erneut zwischen den Bäumen in der Wiese – und wurde dort so gelassen, quasi als Mahnmal an den Vandalenakt. Wann genau das passiert ist, weiss Frei-Braun nicht. «Als ich im Jahr 2000 bei der Kirche St.Kolumban angefangen habe, war das schon so», sagt sie.

Das Kreuz habe eine neue Bedeutung erhalten und wurde gar in den sogenannten notwendenden Weg integriert. Jedes Jahr am Karfreitag organisiert die Liturgiegruppe einen stillen Abend, wobei das Kruzifix eine Zwischenstation ist. Die Pfarreibeauftragte Anna Maria Frei-Braun sagt:

«Das liegende Kreuz gilt als starkes Symbol für diesen Park, denn Leiden und Schmerz führen uns in die Tiefe.»

Sie werde nicht oft auf den vom Sockel umgestossenen Jesus angesprochen, denn viele Rorschacher kennen die Geschichte, so Frei-Braun. Er liegt sehr verborgen, im Park hinter der Kirche St.Kolumban zwischen den Bäumen. Immer wieder werden Blumen oder Kerzen hingelegt. «Es gibt Personen, die ihre Leiden damit verbinden können und dort einen Ort für ihren Schmerz gefunden haben.»

«Für einige ist der Park ein Kraftplatz», sagt die Pfarreibeauftragte Anna Maria Frei-Braun.

«Für einige ist der Park ein Kraftplatz», sagt die Pfarreibeauftragte Anna Maria Frei-Braun.

Leserbild: Priska Kern

Sauerei bei den Feuerstellen

Auch wenn Jesus schon länger im Gras liegt, Littering und Vandalismus sind in der Stadt Rorschach aktueller denn je. Dieses Jahr kommen wegen der Reiseeinschränkungen ungewöhnlich viele Leute nach Rorschach. Werkhof-Leiter Remo Städler sagt:

«Die meisten deponieren ihren Abfall zwar in den Kübeln, doch es bleibt trotzdem viel mehr als sonst auf den Wiesen am See liegen.»

Besonders an den Feuerstellen sei die Disziplin sehr schlecht. Ein Ärgernis seien derzeit auch zerschlagene Bierflaschen beim Stadt-Lift. Dort müssten ständig Scherben zusammengekehrt werden.

Vandalenakte in Goldach erfreulich gering

Vandalismus ist auch in Goldach ein alltägliches Übel. Normalerweise. Ob der Lockdown und die Absage der grösseren Feste dafür verantwortlich seien wisse er nicht, sagt Goldachs Gemeinderatsschreiber Richard Falk, doch diesen Sommer seit es bezüglich Vandalismus erfreulich ruhig.

Das Netzwerk «Ordnung im öffentlichen Raum», dem unter anderem Vertreter von Jugendarbeit, Schule, Securitas und Gemeinderat angehörten, habe auch einen erfreulichen Rückgang von Littering festgestellt. «Die 1.-August-Feier, die mit gesprengten Abfalleimern und anderen Delikten ein jährlicher Problempunk ist, hat zwar nicht stattgefunden, doch auch nach der Schulschlussfeier ist es diesmal ungewohnt ruhig und gesittet geblieben», sagt Falk.

Im vorletzten Jahr sei noch eine Gruppierung durch die Region am See gezogen und habe sich, angeführt von ein, zwei Rädelsführern, negativ bemerkbar gemacht. Aktuell sei auch dies kein Problem. «Vielleicht haben sie wegen Verpflichtungen für Lehre und Schule weniger Zeit dafür», fügt Falk mit einem Schmunzeln an.