Bei den Kleinparteien im Wahlkreis St.Gallen-Gossau jubelt einzig die EVP

Nebst den grossen Parteien wollten auch die EVP, die BDP, Parteifrei St.Gallen und die Schweizer Demokraten in den Kantonsrat einziehen. Geschafft hat es nur Einer.

Sandro Büchler
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Nach vier Jahren Pause wieder in den Kantonsrat gewählt: Jascha Müller von der Evangelischen Volkspartei (EVP).

Nach vier Jahren Pause wieder in den Kantonsrat gewählt: Jascha Müller von der Evangelischen Volkspartei (EVP).

Bild: Ralph Ribi

«Ich wusste, wenn ich gewählt würde, werde ich ein paar Hände schütteln», sagt Jascha Müller kurz nach seiner Wahl. Der 54-Jährige hat seinen eigenen Desinfektionsspray in der Jackentasche und desinfiziert seine Handinnenflächen mehrmals.

In der Jackentasche hat Jascha Müller seinen eigenen Desinfektionsspray.

In der Jackentasche hat Jascha Müller seinen eigenen Desinfektionsspray.

Bild: Sandro Büchler

Im Pfalzkeller hat er einige Hände geschüttelt, Gratulationen entgegengenommen. Müller freut sich «wie ein Kind», dass er für die EVP einen Sitz im Kantonsrat errungen hat. «Ich gebe Menschen gerne die Hand», aber aktuell überlasse er nichts dem Zufall. Als Kommandant der Milizfeuerwehr St.Gallen lasse er Vorsicht walten.

Er sei «gerade etwas überwältigt» von seiner Wahl. Zwar habe er erwartet, dass es knapp werde. «Die Jungen in unserer Partei sagten mir, dass es möglich ist.» Sein Dank geht deshalb an die jungen EVP-Parteimitglieder.

«Sie haben an mich geglaubt und
mich motiviert.»

Tiefe Wahlbeteiligung verhilft EVP zu zwei Sitzen

Die beiden neuen, alten EVP-Kantonsräte: Hans Oppliger (links) und Jascha Müller im Pfalzkeller.

Die beiden neuen, alten EVP-Kantonsräte: Hans Oppliger (links) und Jascha Müller im Pfalzkeller.

Bild: Urs Bucher

Die Evangelische Volkspartei errang im Wahlkreis St.Gallen 3,1 Prozent der Wählerstimmen und einen Sitz. Zusammen mit Hans Oppliger, der im Wahlkreis Werdenberg gewählt wurde, sitzt die EVP damit nun wieder zu zweit im Kantonsrat – wo sie vor vier Jahren rausgeflogen war.

EVP-Parteipräsident Daniel Bertoldo wartet gespannt auf das Resultat.

EVP-Parteipräsident Daniel Bertoldo wartet gespannt auf das Resultat.

Bild: Sandro Büchler

Zwei polarisierende, nationale Abstimmungen hatten damals am Wahlsonntag die Stimmbeteiligung in die Höhe getrieben: zu Ungunsten der EVP. «Nun konnten wir die zwei Sitze zurückholen», sagt Daniel Bertoldo, Präsident der EVP St.Gallen.

«Dieses Mal haben wir von der tiefen Stimmbeteiligung profitiert.»

Die beiden Sitze seien wichtig für eine Kleinpartei wie die EVP, «um gehört zu werden», sagt der neu gewählte Kantonsrat Jascha Müller. «In den vergangenen Jahren fehlte uns der direkte Draht in den Rat.»

BDP: «Wir backen kleine Brötchen»

Kenny Gubser, Präsident der BDP Kanton St.Gallen

Kenny Gubser, Präsident der BDP Kanton St.Gallen

Bild: PD

Die BDP hatte einige Vertreter auf der Liste zusammen mit der EVP ins Rennen geschickt. Doch für die BDP gab es keinen Sitz. Für Kenny Gubser, Präsident der BDP Kanton St.Gallen, nicht überraschend: «Wir sind eine kleine Partei und backen kleine Brötchen.» Man sei zu klein und verfüge nicht mehr über etablierte Köpfe. Nun sei Basisarbeit gefragt: «Neumitglieder rekrutieren, präsent bleiben auf sozialen Medien.» Die Zusammenarbeit mit der EVP hat Gubser positiv erlebt. Ob die BDP in vier Jahren wieder antreten werde – ob mit einer eigenen Liste oder mit einer erneuten Kollaboration –, sei noch offen.

Parteifrei und Schweizer Demokraten unverändert

Luzia Osterwalder, Parteifrei St.Gallen

Luzia Osterwalder, Parteifrei St.Gallen

Bild: PD

Wie vor vier Jahren kam Parteifrei St.Gallen auf 0,6 Prozent der Stimmen. «Wir hatten gar nicht erwartet, gewählt zu werden», sagt Luzia Osterwalder von Parteifrei. «Denn wir waren kaum sichtbar und hatten keine realistischen Chancen.» Die Partei hat im Wahlkampf keine Plakate aufgestellt. «Auch aus Umweltschutzgründen», sagt Naturheilpraktikerin Osterwalder, die sich selbst als Wachstumskritikerin und Pazifistin auf der Wahlliste bezeichnete. Die Partei konzentriere sich nun auf ihre Initiative zum Verbot von Tierversuchen.

Roland Uhler, Präsident der Schweizer Demokraten Kanton St.Gallen

Roland Uhler, Präsident der Schweizer Demokraten Kanton St.Gallen

Bild: Hanspeter Schiess

Die Schweizer Demokraten (SD) haben 0,3 Prozent der Wählerstimmen auf sich verbucht. Das Resultat ist vergleichbar mit den Wahlen 2012, als die SD letztmals für den Kantonsrat angetreten war. Roland Uhler, Präsident der SD Kanton St.Gallen, ist enttäuscht. «Nur schon auf 0,1 Prozent mehr hatte ich gehofft.» Immerhin sei es nicht weiter abwärts gegangen. «Nun müssen wir dahinter.» Im Fokus der SD stehen die Gemeinderatswahlen in St.Gallen und Gossau. «Aber dafür sind sechsmal mehr Stimmen nötig.» Hohe Ziele für eine Kleinpartei.