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Betroffene helfen Betroffenen: Rorschacher Verein «Mensch zuerst» ist eine fünfjährige Erfolgsgeschichte

«Mensch zuerst» bietet Leuten mit Handicap Weiterbildungen an. Was vor fünf Jahren in Rorschach begann, kommt auch in Zürich an. Und der Verein will weiter wachsen.
Jolanda Riedener
Donato Lorusso (links) und Gunter Tschofen sind Vorstands- und Gründungsmitglieder des in Rorschach entstandenen Vereins «Mensch zuerst». (Bild: Jolanda Riedener)

Donato Lorusso (links) und Gunter Tschofen sind Vorstands- und Gründungsmitglieder des in Rorschach entstandenen Vereins «Mensch zuerst». (Bild: Jolanda Riedener)

Der Verein «Mensch zuerst» ist aus der Not entstanden. «Eine Weiterbildung für Selbstvertreter gab es damals nicht, das Bedürfnis war aber gross», sagt Gunter Tschofen vom Vorstand. Selbstvertreter, das sind Menschen mit Beeinträchtigung, die für sich selbst sprechen und eigene sowie Interessen einer Gruppe vertreten. Sie übernehmen Verantwortung für sich und die Gemeinschaft und wirken bei institutionellen sowie politischen Entscheidungen mit.

«Es gab damals vor allem Weiterbildungen im Bereich Alltagsbewältigung», sagt Tschofen, der lange beim HPV tätig war. Zum Beispiel: «Wie bediene ich ein Smartphone?» Was aber fehlte, waren Lehrgänge, die sich mit der eigenen Beeinträchtigung oder Beeinträchtigungen generell auseinandersetzen. Mittlerweile würden auch Institutionen solche Kurse anbieten, das sei wichtig, denn die Nachfrage bestehe.

Betroffene helfen Betroffenen

Um die Weiterbildungen unter ein Dach zu bringen, wurde im Oktober 2014 der Verein gegründet. Heute ist auch die Beratung eine Haupttätigkeit von «Mensch zuerst». Sowohl bei den Weiterbildungs-, als auch bei den Beratungsangeboten gilt: Betroffene helfen Betroffenen, man begegnet sich auf Augenhöhe. «Die Arbeit des Vereins ist eine Bereicherung», sagt Erwin Ganz, Geschäftsführer des HPV Rorschach. Es gebe zwar zum Teil Überschneidungen. Zum Beispiel Selbstvertretung ist auch beim HPV ein grosses Thema, jedoch sei ein weiteres Sprachrohr hilfreich.

In den fünf Jahren seit der Gründung hat sich einiges getan. 2016 eröffnete der Verein ein zweites Büro in Zürich, wo fünf Personen angestellt sind. In Rorschach arbeiten aktuell vier Personen. An beiden Standorten setzt sich das Team aus Menschen mit Lernschwierigkeiten und Assistenzstellen zusammen. «Das Ziel ist es, an beiden Standorten zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen», sagt Gunter Tschofen. Auch erstrebenswert sei die Eröffnung eines dritten Standorts, zum Beispiel in Bern oder Basel.

Beratungsangebot hat noch Potenzial

200 Teilnehmende zählte der Verein seither total an den verschiedenen Weiterbildungsangeboten. Noch etwas mehr versprechen sich die Vorstandsmitglieder künftig hingegen vom Beratungsangebot vor Ort: «Bisher kommen nur sehr wenige deswegen zu uns», sagt Tschofen. Man vermute, dies habe vor allem damit zu tun, dass die Betroffenen noch nichts vom Angebot erfahren haben oder nicht wissen, wo sich das Büro befindet. Häufig treten Fragen zur eigenen Lebensführung auf: Wie finde ich eine eigene Wohnung oder eine Arbeitsstelle? Oder, wie und wo lernt man Leute kennen?

Von Anfang an dabei ist auch Gründungsmitglied Donato Lorusso. «Mein Ziel war es, irgendwann im Verein zu arbeiten», sagt Lorusso. Dazu hat er sich ebenfalls weitergebildet und gibt heute weiter, was er gelernt hat. Diese Tage arbeitet er unter anderem an einer Powerpoint-Präsentation für einen Informationsabend zur Beiratsgründung. Auch als Co-Kursleiter fungiert er. Ganz nach seinen Fähigkeiten bringe er sich ein. «Er hat vor allem ein hervorragendes Zahlengedächtnis und kann auf Leute zugehen», sagt Gunter Tschofen. Generell sollte man Menschen mit Lernschwierigkeiten mehr zutrauen.

Um noch mehr in den Dialog zu treten, gibt es monatlich einen offenen Abend in den Büros in Zürich und Rorschach – jedes Thema könne angesprochen werden, eingeladen sind alle.

Verein ist auf Gelder angewiesen

Auch wenn der Verein bisher nur auf Erfolge zurückblicken kann, so kämpft er doch mit seiner Finanzierung. «Die ersten Kurse haben wir durchgeführt, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie wir die Kursleiter überhaupt bezahlen», sagt Tschofen.

Der Verein ist auf finanzielle Unterstützung von privater und öffentlicher Hand angewiesen. Derzeit finanziert er sich über Spendengelder, Gönner- und Mitgliedsbeiträge sowie über das Weiterbildungsprogramm. Einzelne Weiterbildungen werden etwa vom Lotteriefonds oder vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) getragen.

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