Baustart im St.Galler Güterbahnhof: Ein Holzbau fürs Lattich-Quartier

Die Stadt hat die Bewilligung für einen Holzbau im Lattich-Quartier erteilt. Bald entstehen dort Werkstätten und Ateliers. Die SBB-Halle steht künftig aber nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung.

Roger Berhalter
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Blick ins Lattich-Quartier auf dem alten St.Galler Güterbahnhof. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)

Blick ins Lattich-Quartier auf dem alten St.Galler Güterbahnhof. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)

Noch ist die alte Lagerhalle an den Gleisen belebt und die Agenda gut gefüllt. Seit Mai und noch bis Ende Oktober finden in der SBB-Halle auf dem St.Galler Güterbahnhof-Areal regelmässig Veranstaltungen statt. Privatanlässe, aber auch Öffentliches wie Theater- und Tanzvorstellungen, Flohmärkte und Konzerte.

Das Hallenprogramm ist Teil des Zwischennutzungsprojekts Lattich, das nach aussen vor allem durch seine farbigen Schiffscontainer unter freiem Himmel sichtbar ist. Lattich geht auf eine Initiative des Gemeindeverbunds Regio Appenzell-Ausserrhoden-St.Gallen-Bodensee zurück und ist aktuell in der dritten Saison.

Einblick ins Lattich-Quartier im alten Güterbahnhof. Rechts hinter dem Bauwagen befindet sich die kulturell genutzte SBB-Halle. Davor stehen die Heks-Hochbeete. Links sind die Lattich-Container zu erkennen. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
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Die Lattich-Zwischennutzung zieht regelmässig viele Leute an. Das war beispielsweise auch...
...aus Anlass des Gin-Festivals diesen Sommer der Fall. (Bilder: Ralph Ribi - 1. Juni 2018)
Ebenfalls im Lattich-Quartier fand Mitte Juni eine Gant zum Kulturerbejahr statt. Peter Abegglen versteigert barocke Deckendielen für einen guten Zweck. (Bild: PD - 13. Juni 2018)
Ein Detail am Rand: das im Freien stehende Lattich-Piano. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Flyer und Plakate im Lattich-Garten. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Der Lattich ist auch ein Alltags-Treffpunkt. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Das Lattich-Quartier ist auch eine kleine grüne Oase. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Dazu tragen nicht zuletzt die Heks-Hochbeete auf dem Vorplatz der SBB-Halle bei. Ihre Zukunft ist derzeit etwas ungewiss. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Dekorativ und zugleich nützlich: eine Tomaten-Plantage in alten Fässern. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Auch eine Kräuterkiste darf natürlich in so einem Garten nicht fehlen. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Ein ungewöhnliches Hochbeet aus alten Fässern und Eisenstangen. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Mitten durchs Lattich-Quartier führt weiterhin der Veloweg zwischen der Oberstrasse und dem Stadtzentrum. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)
Vor dem Start der dritten Lattich-Saison: Die Vorbereitungsarbeiten laufen Anfang Mai auf Hochtouren. Und zwar drinnen...
...genau so wie draussen. (Bild: Benjamin Manser - 2. Mai 2018)
Im April 2018 wurde publik, dass die Lattich-Zwischennutzung sich entwickeln will und ein Baugesuch für ein Holzgebäude in Modulbauweise eingereicht hat. (Illustration: Verein Lattich - 18. April 2018)
Die Visiere für den Lattich-Holzbau. (Bild: Reto Voneschen - 21. April 2018)
Eine neue Ansprechperson für die dritte Saison: Nathalie Bösch stellt sich den Fragen der Medien. (Bild: Urs Bucher - 22. März 2018)
Die optisch spektakuläre Nacht der Pyromanen am Ende der zweiten Lattich-Saison. (Bild: Verein Lattich - 3. September 2017)
Der Lattich-Container als Proberaum: Musiker Roman Rutishauser, am Klavier, probt mit einem Quartier-Chor. (Bild: Benjamin Manser - 17. August 2018)
Die «Fuck Up Night» in der Lattich-Halle: Unternehmer berichten von ihren grössten Flops und wie sie ihnen geholfen haben, sich weiter zu entwickeln. (Bild: Urs Bucher - 21. Juni 2017)
Idyllisches Lattich-Areal: Das Piano, noch in besserem Zustand als 2018, lädt zum Spielen ein. (Bild: Hanspeter Schiess - 31. Mai 2017)
Fürs Lattich-Kulturprogramm 2017 zeichneten Tobias Sporri und Ann Katrin Cooper verantwortlich. (Bild: Hanspeter Schiess - 31. Mai 2017)
Vorbereitungen für die zweite Saison des Lattich-Projekts im Frühling 2017. (Bild: Benjamin Manser - 5. Mai 2017)
Ein Monat zuvor im alten Güterbahnhof: Drei Schiffscontainer plus Holz warten vor der Lattich-Halle auf ihren Einsatz. (Bild: Urs Bucher - 9. März 2017)
Schlussfest der ersten Lattich-Saison in der SBB-Halle. (Bild: Michel Canonica - 29. Oktober 2016)
Gabriela Falkner und Jasmin Häne vom Verein Lattich ziehen im Herbst 2016 Bilanz zur ersten Saison des Zwischennutzungsprojekts. (Bild: Ralph Ribi - 20. Oktober 2016)
Lattich-Rundgang für Interessierte im alten Güterbahnhof. (Bild: Samuel Schalch - 19. August 2016)
Rundgang für Interessierte beim Lattich-Projekt: Alfred Mallepell (rechts mit Signalkreuz), der Präsident des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum, erzählt von den Problemen des Quartiers unter anderem mit den Fussgängerwegen über die Gleise der Appenzeller Bahnen. (Bild: Samuel Schalch - 19. August 2016)
Blick ins Innere der vom Lattich-Projekt gemieteten SBB-Halle. (Bild: Urs Bucher - 3. August 2016)
Blick über Veloweg und Grünstreifen, die heute ebenfalls von den Lattich-Containern belegt sind. (Bild: Urs Bucher - 3. August 2016)
Der alte St.Galler Güterbahnhof im Sommer 2014. Das Projekt Lattich ist im hinteren Teil der ehemaligen SBB- und Cargo-Domizil-Hallen eingemietet. (Bild: Ralph Ribi - 14. August 2014)

Einblick ins Lattich-Quartier im alten Güterbahnhof. Rechts hinter dem Bauwagen befindet sich die kulturell genutzte SBB-Halle. Davor stehen die Heks-Hochbeete. Links sind die Lattich-Container zu erkennen. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)

Die Zwischennutzung der Brache startete im Sommer 2016 mit einem zweimonatigen Testbetrieb in der SBB-Lagerhalle. In den Folgejahren vermieteten die SBB die Halle jeweils von Mai bis Oktober an den Verein Lattich, der den grossen Raum für Kulturelles nutzte und verschiedenen Veranstaltern günstig zur Verfügung stellte.

Mietvertrag mit SBB läuft aus

Die SBB sind dem Verein bis heute mit einer Miete entgegengekommen, die weit unter dem üblichen Marktpreis liegt. Zudem haben die SBB das Projekt Lattich im vergangenen Jahr mit ein paar tausend Franken unterstützt.

Ende Oktober ist Saisonschluss in der Lattich-Halle. Bis dahin läuft der aktuelle Mietvertrag mit den SBB. Danach dürften so schnell keine kulturellen Anlässe mehr dort stattfinden. So günstig wie bisher ist die Halle nämlich in Zukunft nicht mehr zu haben.

Gesucht wird ein Dauermieter

Die SBB haben beschlossen, die Halle ab dem kommenden Jahr nicht mehr befristet herzugeben. Vielmehr suche man nun einen «ganzjährigen, festen Mieter», bestätigen die SBB auf Anfrage. Das dürfte das Ende der Lattich-Halle sein. «Ein ganzjähriger Betrieb kommt für uns nicht in Frage», sagt Gabriela Falkner vom Lattich-Verein.

Dies einerseits wegen des Klimas: Die Halle mit ihrem Rohbau-Charme ist schlecht isoliert und im Winter kalt, kulturelle Veranstaltungen sind dann kaum mehr darin durchführbar. Anderseits sei ein ganzjähriger Kulturbetrieb auch nie das Ziel gewesen. «Wir wollen kein zweites Kugl und keine zweite Grabenhalle sein», betont Falkner. Zudem wäre eine Miete zu Marktpreisen für den Verein nicht finanzierbar.

«Wir wollen kein zweites Kugl und auch keine zweite Grabenhalle sein.»
Gabriela Falkner (Co-Präsidentin Lattich)
Die Heks-Hochbeete auf dem Vorplatz der Lattich-Zwischennutzung im alten Güberbahnhof. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)

Die Heks-Hochbeete auf dem Vorplatz der Lattich-Zwischennutzung im alten Güberbahnhof. (Bild: Sabrina Stübi - 31. Mai 2018)

Offen ist weiter, wie der Vorplatz der Halle 2019 aussehen wird. Noch stehen dort die Hochbeete des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks). «Wir werden den Winter über planen, wie die Brache in Zukunft aussehen wird», sagt Gabriela Falkner. Die Schiffscontainer sollen aber auch nächstes Jahr wieder zum Einsatz kommen.

Werkstätten und Ateliers für Kreative

Illustration zum Projekt des Lattich-Holzbaus im alten Güterbahnhof. (Illustration: Verein Lattich - 18. April 2018)

Illustration zum Projekt des Lattich-Holzbaus im alten Güterbahnhof. (Illustration: Verein Lattich - 18. April 2018)

Zuerst steht aber eine andere grosse Veränderung am Güterbahnhof an. Der Lattich-Verein plant zusammen mit dem Gossauer Unternehmen Blumer-Lehmann als Hauptinvestor einen Holzbau. Auf der Brache sollen Werkstätten und Ateliers entstehen, der Lattich-Bau soll zum urbanen Begegnungsort für die kreativen Köpfe in der Region werden.

Im April haben die Lattich-Macher das Baugesuch eingereicht, nun hat die Stadt die Baubewilligung erteilt. Der Lattich-Bau ist ebenfalls eine Zwischennutzung, da auf der Brache früher oder später ein Autobahnanschluss gebaut werden dürfte.

Ein Holzbau in Modulen

Wenn klar ist, ob dieser Teil der Teilspange von der Autobahn in die Liebegg kommt und wie er positioniert wird, dürfte wie schon einmal 2005 eine Überbauung des Güterbahnhofs mit Wohnungen und Arbeitsplätzen zur Diskussion stehen. Der Lattich Holzbau ist darauf ausgelegt: Er ist modulartig konzipiert und innert weniger Wochen auf- und bei Bedarf wieder abbaubar.

Führung durch das Lattich-Quartier: Montag, 24. September 2018, 17 Uhr, Güterbahnhofstrasse 8 (Anmeldung unter info@lattich.ch).