Startschuss für das nächste Schlüsselprojekt: Die Appenzeller Bahnen begradigen die Strecke durch das Güterbahnhofareal

Der Baustart ist erfolgt: Die Appenzeller Bahnen verlegen die Gleise durch das St.Galler Güterbahnhofareal auf die Nordseite. Dort entsteht bis Ende 2021 auch eine neue Haltestelle. Sie wird mit einer Passerelle vom Quartier St.Otmar erschlossen.

David Gadze
Merken
Drucken
Teilen
Die Züge der Appenzeller Bahnen fahren künftig nicht südlich des Güterbahnhofgebäudes vorbei, sondern auf der anderen Seite, entlang der SBB-Gleise. Neben dem alten Güterschuppen entsteht eine neue Haltestelle.

Die Züge der Appenzeller Bahnen fahren künftig nicht südlich des Güterbahnhofgebäudes vorbei, sondern auf der anderen Seite, entlang der SBB-Gleise. Neben dem alten Güterschuppen entsteht eine neue Haltestelle.

Benjamin Manser/27. Mai 2019

Lange stand das Lichtsignal für die Streckenbegradigung im Güterbahnhofareal auf Rot. Und nachdem die Appenzeller Bahnen (AB) vom Bundesamt für Verkehr im März endlich grünes Licht für das Millionenprojekt bekommen hatten, stellten die SBB die Ampel auf Orange. Wegen der Coronakrise sistierten sie vor wenigen Wochen sämtliche Bauarbeiten in der Schweiz vorerst. So fiel auch der geplante Baustart im Güterbahnhofareal von Ende März ins Wasser. Doch nun geht es vorwärts: Vor wenigen Tagen sind die Bauarbeiten gestartet.

Eine attraktive innerstädtische Verbindung

Für die Appenzeller Bahnen ist die Streckenbegradigung ein weiteres Schlüsselprojekt nach dem Bau des Ruckhaldetunnels, der Ende 2018 in Betrieb genommen wurde. Zum einen erstellen sie im Güterbahnhofareal eine neue Haltestelle. Diese schafft für die angrenzenden Quartiere – dank einer neuen Passerelle auch für das Quartier St.Otmar – eine attraktive innerstädtische Verbindung in Richtung Hauptbahnhof und Marktplatz, ist aber vor allem aber im Hinblick auf die geplante bauliche Entwicklung des Gebiets wichtig. Da die neue Haltestelle doppelgleisig sein wird, entsteht ausserdem eine neue Kreuzungsstelle. So können allfällige Verspätungen abgefedert werden.

Zum anderen ergibt sich dadurch, dass die Züge zwischen der St.-Leonhard-Brücke und der Vonwilbrücke praktisch geradeaus fahren werden, eine zusätzliche Verkürzung der Fahrzeit zwischen St.Gallen und Appenzell. Diese war bereits durch die Eröffnung des Ruckhaldetunnels um fünf auf 35 Minuten gesunken. Durch die Streckenbegradigung und eine zusätzliche Kreuzungsstelle zwischen Gais und Bühler soll sich die Fahrzeit gemäss AB-Direktor Thomas Baumgartner um weitere vier Minuten auf rund eine halbe Stunde reduzieren.

Inbetriebnahme der Haltestelle im Dezember 2021 geplant

Thomas Baumgartner, Direktor Appenzeller Bahnen

Thomas Baumgartner, Direktor Appenzeller Bahnen

Ralph Ribi

Bis Ende November wird laut Baumgartner nun der Hügel zwischen dem Güterbahnhofgebäude und den SBB-Gleisen abgetragen. Die SBB verkürzen die dortigen vier Abstellgleise und senken sie teilweise ab. Danach erstellen sie die neuen Fahrleitungsfundamente und montieren die Fahrleitungen. Ausserdem macht die neue Streckenführung bauliche Anpassungen am Dach und an der Rampe des Güterbahnhofgebäudes notwendig. Diese müssen teilweise zurückgebaut werden.

2021 entstehen das Trassee der Appenzeller Bahnen entlang des Güterbahnhofgebäudes und daran anschliessend die neue Haltestelle. Dann wird auch der Unterstand gebaut für den Lösch- und Rettungszug der SBB, der heute beim Güterschuppen steht.

So wird die AB-Haltestelle im Güterbahnhofareal aussehen. Sie eröffnet Ende 2021. Dahinter der Unterstand für den Lösch- und Rettungszug der SBB.

So wird die AB-Haltestelle im Güterbahnhofareal aussehen. Sie eröffnet Ende 2021. Dahinter der Unterstand für den Lösch- und Rettungszug der SBB.

Visualisierung: PD

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 40 Millionen Franken. Geplant ist, die neue Haltestelle mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 in Betrieb zu nehmen. Nach dem Rückbau der heutigen AB-Gleise soll die Fussgängerverbindung ins Güterbahnhofareal aus der Siedlung an der Oberstrasse wieder geöffnet werden. Die AB hatten sie Mitte 2014 unter massivem Protest der Quartierbevölkerung geschlossen.

Eine neue Passerelle, aber (noch) kein Brückeschlag zwischen den Quartieren

Im Zuge des Baus der neuen Haltestelle der Appenzeller Bahnen im Güterbahnhofareal erstellt die Stadt eine Passerelle, welche dieses mit dem Quartier St. Otmar verbinden wird. Der rund 65 Meter lange und 2,5 Meter breite Steg wird von der Paradiesstrasse, etwa auf Höhe des Pärkleins bei der Zylistrasse, bis zur Güterbahnhofstrasse führen. Die Passerelle werde auf beiden Seiten mit je einem Treppenaufgang sowie einem Lift ausgestattet, sagt Stadtingenieur Beat Rietmann. Dadurch sei die behindertengerechte Erschliessung gewährleistet. Die Ausgestaltung des Zugangs zum Güterbahnhof-Areal werde «einfach und zweckmässig» erfolgen. Da die Passerelle einen Mindestabstand von sieben Metern zu den Gleisen der SBB aufweisen müsse, sei es nicht möglich, sie von der Paradiesstrasse aus direkt, also ohne eine Treppe beziehungsweise den Lift, ins Güterbahnhofareal zu führen.

Beat Rietmann, Stadtingenieur

Beat Rietmann, Stadtingenieur

Urs Bucher

Das Tiefbauamt stelle das Projekt und die Parlamentsvorlage derzeit fertig, sagt Rietmann. Nach der Beschlussfassung durch den Stadtrat soll es noch vor den Sommerferien ins Parlament kommen. Die genauen Kosten seien noch in Erarbeitung, deshalb könnten dazu noch keine Angaben gemacht werden. Geplant sei, die Passerelle bei der Eröffnung der neuen Haltestelle im Dezember 2021 in Betrieb zu nehmen.

Diese Passerelle ist gemäss Beat Rietmann jedoch nur eine provisorische Lösung. Sie soll ungefähr für die nächsten 15 Jahre die Anbindung des Otmar-Quartiers ans Güterbahnhofareal ermöglichen. Wenn dieses dereinst wie geplant über einen neuen Autobahnanschluss verfügen und überbaut sein wird, soll es auch eine definitive Lösung für die Passerelle geben. Sie dürfte dann gemäss den ursprünglichen Plänen, aber angepasst an die neue Überbauung, von der Zylistrasse bis zum Schlosserweg führen und auch für Velos befahrbar sein.

Die Idee reicht zurück ins 19. Jahrhundert

Entsprechende Pläne für eine Passerelle gibt es schon lange. Sie reichen zurück bis ins 19. Jahrhundert. 1899 gab es erste Abmachungen zwischen der Stadt St. Gallen und den Vereinigten Schweizerbahnen – den heutigen SBB – für eine Fussgängerverbindung von der Zylistrasse bis zur Oberstrasse. 1923 bezahlten die SBB der Stadt 50000 Franken, um sich aus ihrer Beitragspflicht für einen solchen Übergang zu befreien. Mit einem Teil des Geldes wurde die Strassenverbindung von der Zyli- zur Paradiesstrasse realisiert. Die verbliebenen rund 32500 Franken landeten in einem Fonds für die Erstellung eines Fussgängerstegs über die Gleisanlagen und das Güterbahnhofareal. Da der Steg jedoch niemals realisiert wurde – zuletzt wegen des Volksneins zur Überbauung des Güterbahnhofareals im Jahr 2007 –, wuchs der Betrag auf über 900000 Franken an. Deshalb beantragte der Stadtrat dem Parlament vor einigen Jahren, den Fonds aufzulösen und das Geld in die Vorfinanzierung für den Langsamverkehr einzuzahlen.

Der Fonds wurde schliesslich an der Parlamentssitzung vom
17. November 2015 nach reger Diskussion aufgelöst. Stadtpräsident Thomas Scheitlin versprach damals: «Wenn wir zum Schluss kommen, der Steg wird gebraucht, bauen wir ihn, auch ohne diesen Fonds.» Bald ist es also so weit. (dag)