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«Keine Chance gegen Coop»: Baulärm vermiest Beizern in Rorschach das Geschäft

Coop lässt derzeit sein Restaurant umbauen. Der Lärm ist so stark, dass er bei den umliegenden Restaurants für einen Gästeschwund sorgt. Die Wirte reagieren mit Unmut. Und Ohropax.
Martin Rechsteiner
Der Baulärm am Rorschacher Marktplatz verursacht bei den Restaurants Umsatzeinbussen. (Bild: Martin Rechsteiner, Video: Rebecca Frei)

Der Baulärm am Rorschacher Marktplatz verursacht bei den Restaurants Umsatzeinbussen. (Bild: Martin Rechsteiner, Video: Rebecca Frei)

Lärm, Staub, Absperrgitter. Am Marktplatz Rorschach geht es derzeit laut zu und her, denn Coop baut sein Restaurant komplett neu aus. Mehrere Bagger brechen seit vergangener Woche Beton aus dem Fundament des Gebäudes. Der Boden des Marktplatzes zittert leicht unter den ratternden Schlägen der Hydraulikhämmer.

In den Cafés, die im Dreieck um den Platz angeordnet sind, stehen an diesem sonnigen Nachmittag die Aussentische grösstenteils leer. Auf seinem Stuhl sitzend, beugt sich ein Mann über die Zeitung und hält die Ohren zu. Weiter hinten versucht ein Gast zu bestellen. Er und der Kellner müssen beide schreien.

«Nicht einmal ein Viertel des Umsatzes»

«Für uns ist das schon sehr schwierig im Moment», sagt Joy Bernard. Er ist Pächter des Münzhofs. «Wir machen nicht einmal mehr einen Viertel des Umsatzes, seit das Coop-Restaurant umgebaut wird.» Das Wetter sei zwar schön, bei dem Lärm und dem Staub, der regelmässig durch die Tischreihen wehe, wollen sich aber nur wenige an die Aussenplätze des Restaurants setzen. «In der warmen Jahreszeit leben wir aber genau davon», sagt Bernard. Auch Stammgäste gingen für das Mittagessen derzeit lieber in eine andere Gartenbeiz. «Mit den Bauarbeitern habe ich schon gesprochen. Netterweise haben sie ihre Mittagspause um eine halbe Stunde verlängert, so haben wir um diese Zeit etwas Ruhe hier.» An seine Gäste und das Personal verteilt der Münzhof-Pächter derzeit Ohropax.

Coop habe eine Sonderbewilligung für den Umbau seines Restaurants, sagt Joy Bernard. «Da können wir nichts machen, ausser hoffen, dass der Lärm bald vorbei ist.» Dass die lauten Bauarbeiten «mehr oder weniger unangekündigt» in der Sommersaison stattfinden, störe ihn. «Wir haben trotzdem den Aufwand, aber keine Einnahmen. Ich kann meinen Leuten wegen einer Baustelle nicht einfach Zwangsferien verordnen.»

«Keine Chance gegen Coop»

Auch die Betreiber des Restaurants Stars and Stripes sind nicht erfreut über den Baulärm. «Wir haben derzeit merklich weniger Gäste», sagt die Service-Fachangestellte Antonia Schürpf. «Wenn wenigstens die Schutzwände der Baustelle etwas höher wären, sodass der ganze Staub nicht zu unseren Tischen herüberweht.» Zwei Tage vor Baubeginn habe Coop ein Informationsschreiben geschickt. «Wir haben überlegt, uns zu beschweren. Aber gegen den Grossverteiler haben wir sowieso keine Chance», sagt Schürpf. «Für mich persönlich ist der Lärm langsam belastend. Zuerst die Migros, dann das Mode-Weber-Gebäude und jetzt der Coop: Von meinen elf Jahren hier habe ich etwa acht mit Baustellen in der Nachbarschaft verbracht.»

Antia Künzler ist Pächterin des Cafés Marktplätzli. «Natürlich, der Baulärm ist unangenehm. Wir hoffen, dass das bald vorbei geht», sagt sie. Die Tische vor ihrem Café blieben derzeit öfter leer. «Wir sind nicht vor dem Baulärm vorgewarnt worden», Bei Coop reklamieren will Künzler nicht. «Wir haben es erwogen, aber das bringt nichts.» Stattdessen versuche sie, den Bauarbeiten etwas Positives abzugewinnen. «Wenn der lärmige Teil vorbei ist, wird es besser. Baustellen sind für Cafébesucher interessant, da gibt es immer etwas zu sehen.» Schliesslich gebe es auch Cafés an viel befahrenen, lärmigen Strassen, die stets gut belegt seien.

Weniger Lärm ab Ende Woche

Markus Brunner, Mediensprecher bei Coop, sagt: «Coop hat die Öffentlichkeit in Form einer Medienmitteilung über das Bauvorhaben informiert.» Die umliegend Nachbarschaft habe zusätzlich von der Coop-Immobilienabteilung Informationen erhalten.

Bei Coop sei man sich bewusst: Die Fassaden-, Fundations- und Abbrucharbeiten am Restaurant sind intensiv und führen zu Staub- und Geräuschemissionen. «Coop hält sich dabei aber an die gesetzlichen Vorgaben und versucht, die Lärmbelästigung so gering wie möglich zu halten.» Entschädigungen aufgrund von Lärm- oder Staubemissionen an die umliegenden Restaurants seien laut Gesetz nicht üblich und auch nicht vorgesehen.

«Läuft alles nach Plan, ist Ende Woche der lärmige Teil der Arbeiten abgeschlossen», sagt Brunner. «Dann gehen die Arbeiten im Innenausbau los. Das Coop-Restaurant wird voraussichtlich Ende September 2018 wiedereröffnet.»

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