Batterietrolleybusse für St.Gallen verspäten sich – auch die Infrastruktur hinkt zeitlich hinterher

Die VBSG können Ende Jahr erst einen Teil der 17 bestellten Batterietrolleybusse einsetzen – bestenfalls. Bis 2025 wollen sie weitere kaufen. Auf Dieselbusse will man in Zukunft verzichten. 

David Gadze
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Ein «Swisstrolley plus» des Herstellers Hess während einer Testfahrt in St.Gallen.

Ein «Swisstrolley plus» des Herstellers Hess während einer Testfahrt in St.Gallen.

Bild: David Gadze (7. Februar 2018)

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wollten die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) ein neues Kapitel in ihrer Geschichte aufschlagen: Ab dann sollten auf den Linien 3 (Heiligkreuz–Abtwil/St.Josefen) und 4 (Wittenbach–Säntispark) sowie 6 (Heiligkreuz–St.Georgen) Batterietrolleybusse fahren. Diese verfügen über eine Batterie, die sie während der Fahrt an Oberleitungen aufladen, um damit die Teilstrecken an den Linienenden zurückzulegen. Damit brechen die VBSG in eine neue Buszukunft auf. Ihr Beginn verzögert sich nun aber. In der Parlamentsvorlage für die Sanierung des Wendeplatzes im Heiligkreuz heisst es:

«Mit dem vom Stimmvolk am 25. November 2018 gutgeheissenen Ausbau zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte der VBSG werden die Linien 3, 4 und 6 voraussichtlich ab Sommer 2021 mit Batterietrolleybussen verkehren.»

Mit anderen Worten: Die Batterietrolleybusse verspäten sich etwa ein halbes Jahr.

Stadtrat Peter Jans bestätigt auf Anfrage diese Abweichung vom ursprünglichen Zeitplan. Die Herstellerfirma Hess habe schon beim Zuschlag für den 25-Millionen-Auftrag Mitte Oktober 2019 betont, nicht alle 17 Fahrzeuge des Typs «Swisstrolley plus» bis Dezember 2020 liefern zu können. Man habe mit Hess vereinbart, die Busse für die Linie 6 rechtzeitig bis zum Fahrplanwechsel auszuliefern und die elf Doppelgelenk-Trolleys für die Linien 3 und 4 bis im Sommer 2021.

Peter Jans, Stadtrat, Direktion Technische Betriebe.

Peter Jans, Stadtrat, Direktion Technische Betriebe.

Michel Canonica

Lieferverzögerungen wegen der Coronakrise

Allerdings gibt es auch hinter diesem Zeitplan inzwischen Fragezeichen. Das eine betrifft die Busse selbst. Denn wegen der Coronakrise sei Hess von gewissen Zulieferern abgeschnitten, sagt Jans. «Es ist deshalb nicht garantiert, dass die ersten Busse rechtzeitig ausgeliefert werden können.»

Ob im Falle einer Lieferverzögerung Konventionalstrafen fällig werden, sei offen, sagt Jans. Zwar seien solche in den Verträgen vereinbart, der Stadtrat könnte aufgrund der ausserordentlichen Situation aber davon absehen, sie einzufordern. Er sagt:

«An sich entsteht uns daraus kein Schaden, höchstens ein ökologischer Nachteil.»

Im Betrieb seien Trolleybusse wegen der höheren Abschreibungen auf Fahrzeuge und Oberleitungen sogar etwas teurer als Dieselbusse. Auf das Angebot hätte eine Lieferverzögerung bei den Batterietrolleybussen jedenfalls keinen Einfluss, sagt VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Die VBSG würden es dann weiterhin mit Dieselbussen sicherstellen. Und im Dezember seien keine grösseren Anpassungen am Fahrplan beziehungsweise Taktverdichtungen vorgesehen, die eine Vergrösserung der Busflotte erforderten.

Bi Oberleitungen kann es wegen Corona zu Verzögerungen kommen

Das zweite Fragezeichen steht hinter der Infrastruktur. Damit die Batterietrolleybusse überhaupt fahren können, braucht es an der Bogen-, Burg- und Fürstenlandstrasse, zwischen dem Heiligkreuz und der Kantonalbank in Wittenbach sowie an der Gottfried-Keller-Strasse neue Oberleitungen. Dafür braucht es wiederum drei neue Gleichrichteranlagen. Die Transformatoren für die Gleichrichteranlagen werden laut Jans in Italien hergestellt und können wegen der Coronakrise derzeit ebenfalls nicht geliefert werden. Es sei allein schon deshalb nicht ganz klar, ob die Oberleitungen rechtzeitig – für die Linie 6 also bis Ende Jahr – bereit sein werden.

Zudem habe die Stadt vom Bundesamt für Verkehr die Plangenehmigung immer noch nicht erhalten. Wenn diese vorliegt, muss der Bau der Oberleitungen noch öffentlich aufgelegt werden. Die Verhandlungen mit Grundeigentümern beziehungsweise Liegenschaftsbesitzern für die Installation von Masten entlang von Strassen oder von Haken an den Häuserfassaden kommen gemäss Ralf Eigenmann gut voran. Wie lange der Bau der insgesamt rund sechs Kilometer Fahrleitungen dauern wird, ist noch offen.

Batterietrolleybusse auch auf den VBSG-Linien 7 und 8

Derweil denken die Verantwortlichen von Stadt und VBSG bereits über die nächsten Kapitel der Buszukunft nach: In den kommenden fünf Jahren müssen praktisch alle Dieselbusse, die heute im Einsatz sind, ersetzt werden. Auf den Linien 7 und 8 vom Hinterberg respektive vom Wendeplatz Stocken ins Neudorf sollen laut Peter Jans spätestens dann ebenfalls Batterietrolleybusse fahren. Und auf allen anderen Linien mit Dieselbussen sollen reine Elektrobusse zum Einsatz kommen – oder gar solche mit Wasserstoffmotoren. Jans sagt:

«Unser Ziel ist es, keine Dieselbusse mehr zu beschaffen.»

Auch auf dem Liniennetz dürfte es zu weiteren Anpassungen kommen: Derzeit diskutieren die Verantwortlichen der Gemeinden und Kantone, ab Ende 2022 die Postautolinie 200 von Arbon am Bahnhof Wittenbach enden zu lassen. Dafür würde die VBSG-Linie 3 bis zum Bahnhof Wittenbach verlängert. Und wie es in der Vorlage für die Neugestaltung des Wendeplatzes im Heiligkreuz heisst, soll mittelfristig eine neue tangentiale Busverbindung zwischen Heiligkreuz und Neudorf entstehen.

In fünf Jahren sollen keine Dieselbusse mehr unterwegs sein

Ein grosser Teil der Busflotte der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) nähert sich dem Lebensende. Insbesondere die Dieselbusse, die seit über zehn Jahren fahren, wollen die VBSG bis 2025 ersetzen. Für gewisse Linien, auf denen heute Dieselbusse unterwegs sind, sind die Alternativen schon heute klar: Wie VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann bestätigt, ist geplant, auf den Linien 7 (Neudorf–Hinterberg) und 8 (Neudorf–Wendeplatz Stocken) künftig Batterietrolleybusse einzusetzen.

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter Verkehrsbetriebe St.Gallen.

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter Verkehrsbetriebe St.Gallen.

Benjamin Manser

Eine entsprechende Anforderung sei bereits in der Ausschreibung für die 17 Batterietrolleybusse der Linien 3, 4 und 6 enthalten gewesen. Eine erneute Ausschreibung für die zusätzlichen neun Fahrzeuge für die Linien 7 und 8 sei somit nicht mehr nötig. Den Zuschlag hatte die Firma Hess erhalten. Einen konkreten Zeitpunkt für die Busumstellung auf den beiden Linien gebe es noch nicht. Dieser sei auch von der Finanzierung beziehungsweise von der Höhe des finanziellen Schadens infolge der Coronakrise abhängig.

Am Wendeplatz Neudorf sollen Batterien aufgeladen werden

Für den Einsatz von Batterietrolleybussen auf den Linien 7 und 8 brauche es fast keine neuen Oberleitungen, sagt Eigenmann. Die westliche Teilstrecke der Linie 7 von der Haltestelle Oberstrasse zum Hinterberg (und zurück) könnten die Busse im Batteriebetrieb zurücklegen. Der «8er» hingegen verfügt – nach der Elektrifizierung der Fürstenlandstrasse – vom Wendeplatz Stocken bis zum Schlössli Haggen über Oberleitungen. Von dort bis zur Haltestelle Oberstrasse reicht die Batterie.

Auf dem Ostast, also zwischen Hauptbahnhof und der Endhaltestelle Neudorf, müssten die Busse der Linien 7 und 8 von St.Fiden (stadtauswärts) beziehungsweise bis ins Krontal (stadteinwärts) ohne Oberleitungen fahren – und dabei zweimal den Anstieg in die Achseln überwinden. Es reiche jedoch, bloss den Wendeplatz im Neudorf mit Stromleitungen auszustatten, damit die Busse während des Zeitausgleichs an der Endhaltestelle ihre Batterien kurz aufladen könnten, sagt Eigenmann. Bis zur Umstellung könne man Erfahrungen sammeln mit den Batterietrolleybussen auf den Linien 3, 4 und 6. Ausserdem dürfte sich die Batterietechnologie bis dann weiter verbessern.

Am Buswendeplatz Neudorf müssen Oberleitungen montiert werden, damit die Busse ihre Batterien für die Weiterfahrt wieder aufladen können.

Am Buswendeplatz Neudorf müssen Oberleitungen montiert werden, damit die Busse ihre Batterien für die Weiterfahrt wieder aufladen können.

Benjamin Manser

VBSG wollen auch Trolleybusse durch Batterietrolleys ersetzen

Die Linien 1 bis 8 wären demzufolge spätestens 2025 elektrifiziert. Die normalen Trolleybusse, die heute auf den Linien 1 (Stephanshorn–Winkeln), 2 (Guggeien–Wolfganghof) und 5 (Rotmonten–Riethüsli) fahren, wollen die VBSG gemäss Eigenmann dereinst ebenfalls durch Batterietrolleybusse ersetzen. Diese seien etwa bei Streckenunterbrüchen viel praktischer. Eine einheitliche Flotte erhöhe ausserdem die betriebliche Flexibilität. Ein Abbau der bestehenden Oberleitungen an den jeweiligen Enden der Linien sei derzeit jedoch kein Thema.

Welche Technologie dereinst auf den Linien 9, 10 und 11 zum Einsatz kommen wird, ist gemäss Ralf Eigenmann noch unklar. Mit dem Elektrobus, der seit gut einem Jahr auf der Linie 11 verkehrt, hätten die VBSG sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Kapazität der Batterie reiche jedoch nicht immer für einen ganzen Einsatztag.