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Nicht mehr zeitgemäss: Deutscher Basketballclub schafft Cheerleader ab – Cheers des FCSG finden das «völlig übertrieben»

Ausgetanzt, heisst es für die Cheerleaderinnen der deutschen Basketballmannschaft Alba Berlin. Ihr Auftreten passe nicht mehr in die heutige Zeit, begründet der Club den Verzicht auf die Pausenshows. Bei den Cheers des FC St.Gallen ist das kein Thema: Sie finden die Aufregung absurd. Und auch der Club hält an seiner Tanzgruppe fest.
Alexandra Pavlovic
Eine Absetzung der Show ist in St.Gallen kein Thema: Die Cheerleaderinnen des FC St.Gallen könne auch weiterhin auf dessen Unterstützung zählen. (Archivbild: Urs Bucher)

Eine Absetzung der Show ist in St.Gallen kein Thema: Die Cheerleaderinnen des FC St.Gallen könne auch weiterhin auf dessen Unterstützung zählen. (Archivbild: Urs Bucher)

Im Zuge der «MeToo»-Debatte wurden 2018 in der Formel 1 die Grid Girls abgeschafft. Auch die Nummerngirls bei Boxkämpfen sind umstritten und sind Sexismus-Vorwürfen ausgesetzt. Und nun trifft es auch die Cheerleaderinnen. Zumindest jene des deutschen Basektballclubs Alba Berlin. 25 Jahre lang boten die «Alba Dancers» während der Halbzeitpausen den Besuchern eine Tanzshow, seit diesem Jahr ist Schluss damit. Weil «das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in die heutige Zeit passt», verzichtet der Club künftig an den Spielen auf die Darbietungen der Tanzgruppe.

Der Entscheid der Verantwortlichen wirft in der deutschen Sportwelt seit Tagen hohe Wellen und hat eine Diskussion über den Sinn der Cheearleader-Shows entfacht. Während einige den Entscheid begrüssen, finden andere das Vorgehen grotesk. Mehr noch, viele plädieren dafür Tanzen ebenfalls als eine Sportart mit grosser sportlicher Leistung zu würdigen. Die Tänzergruppen hätten für ihre Shows folglich eine angemessene Bühne verdient. Und auch in der Politik scheint man(n) eine klare Meinung zu haben. So hat sich etwa der deutsche Innenminister Horst Seehofer in die Debatte eingeschaltet und für «gemischte Tänzergruppen» plädiert. Unterschiedliche Cheerleading-Teams würden viel stärker die heutige Gesellschaft und die Zusammensetzung der Fans abbilden, so der 70-Jährige.

Andrea Meyer, Präsidentin FCSG-Cheerleaderinnen. (Bild: pd)

Andrea Meyer, Präsidentin FCSG-Cheerleaderinnen. (Bild: pd)

«Die Aufregung in Deutschland ist völlig übertrieben»

Sind die Darbietungen der Cheerleaderinnen noch zeitgemäss? «Auf jeden Fall», findet Andrea Meyer. Für die Präsidentin der FCSG-Cheerleaderinnen geht die Diskussion um die Tanzgruppe in eine falsche Richtung.

«Der Fokus auf die Sportart geht gänzlich verloren in dieser Debatte. Viele vergessen, dass Cheerleading ebenfalls ein Leistungssport ist und nicht nur ein Pausenfüller.»

Eine Choreo tanze sich nicht einfach so, sondern bedürfe mehrerer Stunden Training pro Woche, sagt Meyer.

Bei den Cheerleaderinnen des FC St.Gallen ist der Fall von «Alba Berlin» zwar bekannt, gross thematisiert wird der Entscheid jedoch nicht. «Unsere Choreos sind anders als diejenigen der Alba Dancers. Wir haben mehr akrobatische sowie Bodenturn-Elemente», erklärt Meyer. Die Cheerleaderinnen in Berlin haben hingegen nur Tanzelemente und eben diese aufreizenden und bei vielen bekannten Posen, so Meyer.

(Archivbild: Benjamin Manser)

(Archivbild: Benjamin Manser)

«Nicht jedes Team läuft provokativ mit bauchfreien Tops auf»

Dass die Cheerleading-Performance den Alba-Verantwortlichen nun nicht mehr passt, kann Meyer nicht ganz nachvollziehen. «Sie werden sicher ihre Beweggründe haben. Aber in der heutigen Zeit sollte so etwas erst recht kein Problem sein. Die Aufregung in Deutschland ist völlig übertrieben.» Zudem sei es ja nicht so, dass die Frauen angekettet und zu etwas gezwungen wurden, was sie nicht wollten.

«Sie tanzen alle freiwillig, weil sie es gerne machen und Spass am Tanzsport haben.»

Seit gut 19 Jahren stehen auch die Cheerleaderinnen des FC St.Gallen Spalier, wenn die Profifussballer jeweils Match für Match auf den Rasen laufen. In den Halbzeitpausen unterhalten sie zudem die Stadionbesucher mit ihren Darbietungen. In all den Jahren hätten sie glücklicherweise kaum Sexismus erlebt, sagt die Präsidentin voller Stolz. «Klar hören wir ab und zu, dass unsere Röcke zu kurz sind. Davon lassen wir uns nicht beirren.»

Im Cheerdance, einer Kategorie des Cheerleading, geizen gewisse Teams bewusst nicht mit ihren Reizen, führt Meyer weiter aus. Aber: «Nicht jedes Team läuft provokativ mit bauchfreien Tops auf.» Der internationale Cheerleadingverband ICU etwa empfiehlt sogar eine ganze Uniform. «Daran halten wir uns in St.Gallen. Schliesslich wollen auch wir, dass unser Leistungssport im Fokus steht und nicht unsere Bekleidung.»

(Archivbild: Benjamin Manser)

(Archivbild: Benjamin Manser)

«Unsere Cheerleading-Abteilung braucht sich nicht zu verstecken»

Auch für den FC St.Gallen sind seine Cheerleader keineswegs nur «attraktive Pausenfüller». Im Gegenteil: «Wir empfinden die gesamte Pausenshow als attraktiv, das sollte man nicht auf die einzelnen Cheerleaderinnen ‹reduzieren›», sagt Mediensprecher Daniel Last auf Anfrage. Der FCSG habe die erfolgreichsten Cheerleaderinnen der Schweiz und man sei stolz auf diese Leistungen, die sie ja auch für den Verein erbringen.

«Von daher bieten wir ihnen gerne die Plattform, ihre Auftritte einem breiten Publikum zu präsentieren.»

Daniel Last, Mediensprecher FC St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Last, Mediensprecher FC St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Während in der deutschen Sportwelt die Abschaffung der Cheerleading-Show hitzig diskutiert wird, beschäftigt sich der FCSG kaum damit. Last stellt klar: «Alba Berlin wird seine Beweggründe haben, wie gesagt möchten wir das aus der Ferne nicht diskutieren.» Cheerleading habe im Bereich des Sports eine lange Tradition und aus der Sicht des FCSG nichts Anstössiges an sich, sondern seine Daseinsberechtigung in verschiedensten Sportarten als Rahmenprogramm oder eben auch bei eigenständigen Wettkämpfen.

Es sei klar, dass ein solcher Entscheid zu entsprechenden Diskussionen führe, so Last weiter. «Aber dies ist kein Thema für uns. Wir haben eine tolle Cheerleading-Abteilung und diese braucht sich nicht zu verstecken. Weder im noch neben dem Stadion.»

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