Porträt
Barbara Hutter will den männerlastigen Gemeinderat in Gaiserwald aufmischen

Barbara Hutter kandidiert im Herbst für den Gemeinderat Gaiserwald. Die 35-Jährige aus Engelburg wünscht sich mehr Frauen und junge Menschen in der Politik. Die FDPlerin möchte mit ihrer Kandidatur auch andere Personen motivieren.

Perrine Woodtli
Drucken
Teilen
Barbara Hutter (FDP) will in den Gaiserwalder Gemeinderat. Es wäre ihr erstes politisches Amt.

Barbara Hutter (FDP) will in den Gaiserwalder Gemeinderat. Es wäre ihr erstes politisches Amt.

Perrine Woodtli (13. August 2020)

Barbara Hutter brauchte nicht lange, bis sie Engelburg lieben gelernt hatte. Vor sechs Jahren zog es die heute 35-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann in das Dorf, das zur Gemeinde Gaiserwald gehört. «Wir haben tolle und offene Menschen kennen gelernt und sind sehr glücklich hier», schwärmt Hutter. Jetzt möchte die Mutter zweier kleiner Töchter die Zukunft ihrer Wahlheimat mitgestalten. Sie kandidiert am 27. September für den Gemeinderat. Die FDPlerin sagt:

«Wenn man eine Familie hat, ist einem eine langfristige, positive Entwicklung der Gemeinde umso wichtiger.»

Schon der Vater sass im Gemeinderat

Aufgewachsen mit drei Brüdern in Niederbüren kam Barbara Hutter schon als Kind in Kontakt mit der Lokalpolitik – wenn auch nur am Rande. Ihr Vater sass viele Jahre für die CVP im Niederbürer Gemeinderat. Gross politisiert wurde am Familientisch aber nicht. Ihr Vater sei auch nicht der Grund, wieso sie sich für dieses Amt interessiere, betont die gelernte Betriebswirtschafterin, die seit zehn Jahren bei der Postfinance in St.Gallen arbeitet.

«Anders als manch andere, kann ich mir vielleicht einfach eher vorstellen, was für Aufgaben einen erwarten.»
Barbara Hutter hatte sich in Engelburg sofort wohl gefühlt.

Barbara Hutter hatte sich in Engelburg sofort wohl gefühlt.

Nik Roth

Auch für Mütter sind solche Ämter möglich

Hutter hat schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, sich in irgendeiner Form zu engagieren. «Ich habe nach einer Aufgabe neben meinem Beruf und der Familie gesucht.» Als sie dann von der FDP Gaiserwald angefragt wurde, dachte sie sich: Wieso nicht?

Dennoch musste sie sich eine Kandidatur zuerst länger überlegen – auch weil sie eigentlich kein Mensch sei, der gerne im Mittelpunkt stehe. «Ich will es nicht abstreiten: Neben Beruf und Familie wird es sicher viel. Aber das ist alles eine Frage der Organisation.» Zeitfresser seien sicher die vielen Dossier, in die sie sich einarbeiten müsste. Sie wolle aber zeigen, dass auch für Mütter solche Ämter möglich seien.

Zu ihren Qualifikationen zählt Hutter ihre Führungserfahrung, die sie sich die während ihrer beruflichen Laufbahn als Teamleiterin aneignen konnte. Sie beschreibt sich zudem als aufgeweckte, motivierte und vielseitige Frau, die gerne kreative Lösungsansätze schafft und eine schnelle Auffassungsgabe hat. Die Naturliebhaberin erwähnt auch ihr junges Alter als Vorteil. Sie wünscht sich, dass sich mehr jüngere Leute politisch einsetzen.

«Ich fände es toll, wenn jemand zwischen 20 und 30 Jahren kandidieren würde.»

Tagesstrukturen sind ein Muss

Ein Thema, das Hutter am Herzen liegt, ist die Tagesbetreuung. In Gaiserwald läuft seit einem Jahr eine Testphase für familienergänzende Tagesstrukturen – das sei grossartig, wie Hutter sagt.

«Berufstätige Eltern sind auf solche Angebote angewiesen.»

Sie hoffe sehr, dass die Tagesstrukturen langfristig eingeführt werden. Auch sie selber arbeitet Teilzeit seitdem sie Kinder hat.

In Gaiserwald läuft derzeit ein Pilotprojekt für die Tagesstrukturen.

In Gaiserwald läuft derzeit ein Pilotprojekt für die Tagesstrukturen.

Benjamin Manser (Abtwil, 22.Oktober 2020)

Auch Freizeitangebote sind ihr ein Anliegen. Dass in Abtwil oder Engelburg eine Pumptrack-Anlage in Planung ist, sei eine super Sache, sagt Hutter. Aber auch die ältere Bevölkerung liege ihr am Herzen und sie unterstütze Projekte, die Alt und Jung näher zusammenrücken lassen. Und was könnte man in Gaiserwald besser machen? Da wisse sie nichts Konkretes.

«Es braucht definitiv mehr Frauen im Gemeinderat»

Nebst dem Bedürfnis, in ihrer Gemeinde mitzuwirken, gibt es aber auch noch einen anderen Grund für ihre Kandidatur: Barbara Hutter will den Frauenanteil in der Behörde erhöhen. Aktuell besteht der sechsköpfige Gemeinderat aus fünf Männern und nur einer Frau, Yvonne Brülisauer (FDP). Diese stellt sich im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl.

«Es wäre sehr schade, wenn danach gar keine Frau mehr im Gemeinderat wäre. Es braucht definitiv mehr.»

Eine breite Durchmischung sei wichtig, ergänzt Hutter. Unter den drei neuen Kandidaten ist sie die einzige Frau. Sie bedauert, dass sich nicht mehr Frauen zur Wahl stellen. Und sie hofft, dass sie mit ihrer Kandidatur vielleicht auch andere Frauen für ein politisches Amt motivieren kann.

Jeder der Neulinge hat seine eigenen Vorteile

Nebst Yvonne Brülisauer tritt auch Erich Bischof, ebenfalls FDP, zurück. Somit werden zwei Sitze frei. Nebst Barbara Hutter stellen sich am 27. September auch der Grünliberale Luca Frei und Michael Schwizer von der FDP zu Wahl. Es kommt also zur Kampfwahl. «Ein veraltetes Wort», sagt Hutter. «Es ist einfach ein Wettbewerb».

Sie glaubt, dass jeder der drei Neulingen Wahlchancen hat. Ob sie von einem Frauenbonus profitiert, kann Hutter nicht sagen.

«Es ist schwierig einzuschätzen, welche Rolle das für die Leute spielt.»