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Barbara Frei besteigt heute den Thron des St.Galler Stadtparlaments

Das Amt als Stadträtin blieb ihr verwehrt. Heute Abend wählt das St.Galler Stadtparlament Barbara Frei zur höchsten Stadtsanktgallerin. Nach 14 Jahren in der Politik denkt sie noch nicht ans Aufhören.
David Gadze
Barbara Frei vor dem Waaghaus, dem Tagungsort des St.Galler Stadtparlaments. (Bild: Urs Bucher/14. Januar 2019)

Barbara Frei vor dem Waaghaus, dem Tagungsort des St.Galler Stadtparlaments. (Bild: Urs Bucher/14. Januar 2019)

In der städtischen Politikszene ist Barbara Frei inzwischen fest verankert. Seit genau 14 Jahren sitzt sie für die FDP im Stadtparlament. Nur fünf ihrer Ratskolleginnen und Ratskollegen sind länger im Amt. Ihr 15. Jahr wird nun ein ganz besonderes: Heute wählt das Parlament Frei, die nächste Woche ihren 61. Geburtstag feiert, zur höchsten Stadtsanktgallerin.

Dabei sei sie «zufällig» in die Politik gekommen, erzählt die Ärztin, die beim Regionalärztlichen Dienst der IV-Stelle St.Gallen arbeitet. Jennifer Deuel, die vor knapp einem Jahr aus dem Stadtparlament zurückgetreten ist, habe sie einst als Visitatorin zur Unterstützung der Schulbehörde gewonnen. Über private Kontakte zu Politikern seien dann Anfragen für eine Kandidatur fürs Parlament gekommen. Zunächst habe sich die SVP gemeldet.

«Ich lasse mir aber keinen Maulkorb anlegen, sondern will sagen, was ich denke.»

Dann habe die CVP angeklopft, «als reformierte Winterthurerin konnte ich aber nicht zusagen». Zehn Tage vor Abgabeschluss der Liste sei schliesslich die FDP gekommen. Barbara Frei sagte zu – und schaffte auf Anhieb die Wahl. Sie habe sich nicht als Listenfüllerin verstanden, sondern von Beginn an die Ambition gehabt, gewählt zu werden: «Wenn ich zu etwas A sage, sage ich auch B.»

Nicht mit Scheuklappen der Parteilinie folgen

Ein weiteres politisches Amt blieb ihr jedoch verwehrt. 2007 kandidierte sie erfolglos für den Nationalrat. Im Juli 2014 nominierte sie die FDP dann als Kandidatin für die Stadtratsersatzwahl von Fredy Brunner. Gegen Peter Jans (SP) blieb sie am Ende aber chancenlos. Verbittert ist sie deswegen nicht:

«Da die SP zwei Jahre zuvor aus dem Stadtrat geflogen war, war es eine schwierige Ausgangslage. Und es hatte sich abgezeichnet, dass wir diesen Sitz verlieren würden.»

Ihr Elternhaus sei zwar bürgerlich geprägt gewesen, habe sie aber nicht wirklich politisiert. Ihr Grossvater väterlicherseits sei ein überzeugter «Sozi» gewesen und beim Generalstreik 1918 an vorderster Front mitmarschiert. Das unternehmerische, bürgerliche Denken habe sie vielmehr von ihrer Mutter, die selbstständige Zahnärztin war – «mit einem extremen sozialen Engagement». Auch Frei engagiert sich in diversen Gremien, etwa als Präsidentin der Spitex Centrum oder früher als Schulärztin.

Als regelmässige Votantin ihrer Fraktion hat sich Frei nicht nur innerhalb der Partei einen Ruf erarbeitet als Politikerin, die pointiert bürgerliche Positionen vertritt. Dennoch sagt sie:

«Einer Partei anzugehören, heisst nicht, stur und mit Scheuklappen ihrer Linie zu folgen.»

So befürwortete Frei auch die Senkung des Steuerfusses, die das Parlament im Dezember beschlossen hat. Denn damit hätten die Bürgerlichen den Stadtrat dazu zwingen wollen, die Verwaltung zu verschlanken. Dass er stattdessen kürzlich bei den geplanten Erhöhungen der Subventionen ans Palace und ans Sitterwerk zurückruderte, bezeichnet sie als «völlig unverständlich», ja als «absoluten Kindergarten».

Ende 2019 will Frei erneut kandidieren

Barbara Frei ist in Winterthur aufgewachsen. Nach einem Studium der Medizin in Zürich lernte sie am Kantonsspital Frauenfeld ihren Mann kennen, den Radiologen Stefan Frei, mit dem sie zwei erwachsene Söhne hat. Später folgte sie ihm nach St.Gallen. Den Kulturschock hat sie inzwischen überwunden. Heute, rund 30 Jahre später, ist die Gallusstadt längst ihre Heimat.

Als Parlamentspräsidentin wolle sie die gute Arbeit fortführen, die Franziska Ryser (Grüne) und Gallus Hufenus (SP) vor ihr gemacht haben, sagt Barbara Frei. Ein Anliegen sei ihr, die Parlamentssitzungen möglichst effizient abzuhalten. Diskussionen seien zwar wichtig. «Aber es bringt nichts, gebetsmühlenartig seine Argumente zu wiederholen.» Ausserdem sei das Parlamentspräsidium nun eine gute Gelegenheit, einzelne Mandate abzugeben. Sie tritt aus dem Vorstand der FDP Frauen und jenem der Wirtschaft St.Gallen (Wisg) aus. Politikmüde ist Barbara Frei aber immer noch nicht. Im Herbst 2019 werde sie vermutlich nochmals für das Stadtparlament kandidieren, sagt sie. Für eine, die zufällig in die Politik gekommen ist, ist das doch beachtlich.

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