Bald kommt der Sheriff mit dem Tablet: Die St.Galler Stadtpolizei stellt Bussen künftig mit einer App aus

Die Stadtpolizei wagt den Schritt ins digitale Zeitalter: Statt mit Bussenblock werden die Polizistinnen und Polizisten in Zukunft mit einem Tablet ausgerüstet.

Christoph Renn
Drucken
Teilen
Ab 2021 können Bussen in der Stadt per App bezahlt werden, wie das bei der Kantonspolizei bereits möglich ist.

Ab 2021 können Bussen in der Stadt per App bezahlt werden, wie das bei der Kantonspolizei bereits möglich ist.

Bild: PD/Kapo SG

Polizistinnen und Polizisten mit Kugelschreiber und Block gehören in der Stadt St.Gallen bald der Vergangenheit an. Denn die Stadtpolizei will einen Schritt in Richtung Digitalisierung machen. Das entspricht einem der Jahresziele des Stadtrates. Die wichtigsten Neuerungen sind eine neue Bussen-App und ein digitales Journal- und Rapportierungssystem. Statt mit Bussenblock werden die Polizistinnen und Polizisten in Zukunft mit einem Tablet ausgerüstet.

Stadträtin Sonja Lüthi.

Stadträtin Sonja Lüthi.

Michel Canonica

Die Bussen-App bringt laut Stadträtin Sonja Lüthi, Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, sowohl für die Beamten als auch für die Bevölkerung Vorteile. «Die Polizei muss sich so weniger mit administrativer Arbeit beschäftigen», sagt sie. Damit bleibe mehr Zeit für ihre Kernaufgabe. Neu können andererseits die Bussen sofort und einfach beglichen und schneller abgewickelt werden.

«Mit der neuen App und dem Rapportierungssystem können die Polizistinnen und Polizisten die Arbeiten direkt an der Front erledigen.»

So sei das System auf der einen Seite schneller und auf der anderen Seite weniger fehleranfällig. «Die Beamten müssen nicht mehr Notizen auf einen Zettel schreiben, dann ins Büro gehen und die Informationen ins System übertragen.» Bald werde das alles automatisiert.

Andere Polizeikorps arbeiten bereits mit der App

Bis die Bussen-App eingeführt wird, dauert es noch eine Weile. «Wir nehmen sie Anfang 2021 in Betrieb.» Die Einführung von digitalen Diensten würde jeweils länger dauern. Dies, obwohl andere Korps bereits mit der App arbeiten – beispielsweise die Kantonspolizei St.Gallen oder die Polizei Luzern. «Wir arbeiten mit demselben Entwickler und adaptieren die schon funktionierende Bussen-App», sagt Sonja Lüthi. Wie viel die Einführung der Tablets kostet, kann Lüthi noch nicht sagen. Doch löse sie ein anderes Problem:

«Wir brauchen dann weniger Büroarbeitsplätze. Damit entschärft sich die Platznot der Stadtpolizei.»

Für die Beamten bringt hingegen das neue Journal- und Rapportierungssystem die grösste Veränderung. Die polizeilichen Prozesse werden schweizweit vereinheitlicht und im neuen System abgebildet. Ebenfalls gibt es eine Schnittstelle für den digitalen Datenaustausch mit der Staatsanwaltschaft.

«Die Polizisten an der Front können direkt vor Ort Bestandsaufnahmen durchführen, wobei sie durch die einzelnen Schritte geführt werden.» Auch Einverstandserklärungen könnten direkt vor Ort abgewickelt werden. Die betroffenen Personen können ihre Aussage auf dem Tablet unterzeichnen. Damit entfalle der Gang zum Polizeiposten. Zudem erleichtere das System die statistische Aufarbeitung der Daten.

Die Bevölkerung nicht überfordern

Mit der neuen Bussen-App und dem Rapportierungssystem macht die Polizei zwar einen Schritt in die digitale Zukunft. «Wir müssen jedoch immer auch darauf achten, dass wir die Bevölkerung mit den Neuerungen nicht überfordern», sagt Sonja Lüthi. Deshalb sei es auch in Zukunft möglich, dass die Bussen auf dem herkömmlichen Weg beglichen werden können. Zudem sei es auch eine Frage der Ressourcen. «Wir sind eine Verwaltung und kein Start-up. Wir können nicht überall eine Pionierrolle einnehmen.» Deshalb hinke die Stadtpolizei bei der Bussen-App anderen Städten zwar hinterher, könne dafür ein bereits funktionierendes und getestetes System übernehmen.

Trotzdem übernimmt die Stadtpolizei Pionierarbeit. Sie testet Smart-Parking: So will die Stadt Autofahrer in Zukunft per App über freie Parkplätze informieren. «Die ersten Tests sind abgeschlossen und ausgewertet», sagt Sonja Lüthi. Für die Realisierung kommen zwei verschiedene Sensoren in Frage. Für einen Typen konnte jedoch noch kein Produzent gefunden werden. Bis zur Lancierung wird es also noch dauern.