In Altenrhein wird aus Klärschlamm bald Dünger hergestellt

Die Phosphor-Rückgewinnung ist ein Thema, das den Abwasserverband Altenrhein bereits seit Jahren beschäftigt – das zahlt sich nun aus.

Gert Bruderer
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So sieht der Phosphordünger aus, der aus Quellen wie Klärschlamm hergestellt wird.

So sieht der Phosphordünger aus, der aus Quellen wie Klärschlamm hergestellt wird.

Bild: PD

Die Rückgewinnung des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors wird ab dem Jahr 2026 gesetzlich vorgeschrieben sein. Der Abwasserverband Altenrhein (AVA) als überregionaler Klärschlammentsorger hat schon 2012 begonnen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Christoph Egli ist Geschäftsführer der AVA Altenrhein.

Christoph Egli ist Geschäftsführer der AVA Altenrhein.

Christof Sonderegger

Ein erstes Projekt ist abgeschlossen, das zweite läuft. Sein Name Pyrophos ist aus den beiden Begriffen Pyrolyse (Umwandlung) und Phosphor hergeleitet. Es handelt sich um ein Innosuisse-Projekt, an dem die Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt ist. Es habe sich gezeigt, dass aus Klärschlamm ein guter Dünger herstellbar sei, sagt AVA-Geschäftsführer Christoph Egli.

Schlamm in Bazenheid mit Tiermehl verbrennen

Für einen Abwasserverband ist es wichtig, den Klärschlamm entsorgen zu können. Heute gelangt der getrocknete Klärschlamm in der Form von Granulat ins Zementwerk in Untervaz. Für die Zukunft wird innerhalb der Klärschlamm- Interessengemeinschaft Ost (KIGO) an einer zweiten Möglichkeit gearbeitet – an einer Verbundlösung, an der auch Altenrhein beteiligt ist.

Die Absicht ist es, entwässerten und getrockneten Klärschlamm zusammen mit Tiermehl in Bazenheid zu verbrennen. Tiermehl, das auch als guter Brennstoff dient, enthält viel Phosphor. Die Mineralisierung von Klärschlamm findet schon heute in Bazenheid statt; neu wird sein, dass die Asche zu Dünger veredelt wird. Das auf diese Weise entstehende Tripelsuperphosphat gilt als wichtigstes Phosphor-Handelsprodukt der Düngerindustrie.

Es riecht nun wieder normal in Altenrhein

Der Gestank, unter dem Altenrhein wegen der Kläranlage oft litt, kommt dank einiger Prozessanpassungen endlich nicht mehr vor. Auch als es wärmer wurde, sind keine Reklamationen mehr eingegangen, sagt AVA-Geschäftsführer Christoph Egli. Zum Geruchsproblem war es mit der Inbetriebnahme der Klärschlammpellettierung gekommen. Die Ursache sei lange unklar gewesen. Für den Fall, dass es wider Erwarten doch wieder zu stinken anfangen sollte, bereitet der AVA präventiv mögliche Massnahmen vor. Dass eine Abwasserreinigungsanlage völlig immissionsfrei betrieben werden kann, ist indes nicht zu erwarten. (gb)

Geplant ist die Gründung einer P-AG, also einer Aktiengesellschaft. Der Buchstabe P steht als Symbol für das chemische Element Phosphor. Der Abwasserverband Altenrhein beabsichtigt, sich am Gemeinschaftsunternehmen zu beteiligen. Weil die Delegiertenversammlung wegen Corona nicht stattfinden konnte, ist das Thema für die Herbst-Delegiertenversammlung vom 23. September traktandiert.

Das Pyrophos-Projekt befindet sich in der Abschlussphase. Dabei gewonnene Kenntnisse können in die P-AG einfliessen. Der Abwasserverband Altenrhein ist Industriepartner, die Firma CTU in Winterthur Verfahrenspartner des vom AVA angestossenen Pyrophos-Projekts. Gegenüber importiertem Dünger, der – je nach Herkunft – mit Cadmium oder Uran verunreinigt sein kann, werde es sich beim KIGO- wie auch beim Pyrophos-Dünger um ein sauberes Produkt handeln, sagt Christoph Egli.

Europaweit einzigartiges Verfahren in Altenrhein

Das Bestreben, möglichst umweltschonend zu wirken, hat der Abwasserverband Altenrhein auch mit der seit Herbst betriebenen vierten Reinigungsstufe bewiesen. Es geht um die Beseitigung von organischen Mikroverunreinigungen. Altenrhein verfügt im Kanton über die erste Anlage ihrer Art und bedient sich eines europaweit einzigartigen kombinierten Verfahrens. Der Ozonierung folgt eine Nachbehandlung mit granulierter Aktivkohle, wodurch eine bestmögliche Wirkung erzielt wird und weniger Ozon nötig ist.

Die Abwasserreinigung Altenrhein ist die erste im Kanton St.Gallen mit einer vierten Reinigungsstufe.

Die Abwasserreinigung Altenrhein ist die erste im Kanton St.Gallen mit einer vierten Reinigungsstufe.

Adriana Ortiz Cardozo

Das macht das Verfahren umweltfreundlicher. Im Rahmen einer Pilotierung wurden vor der Inbetriebnahme der vierten Reinigungsstufe, aber auch danach, Erkenntnisse gewonnen, die voraussichtlich in der Oktoberausgabe der Zeitschrift «Aqua & Gas» veröffentlicht werden.

Im Zusammenhang mit der in einem Jahr abgeschlossenen Sanierung der Stapelanlage verabschiedet sich der Abwasserverband zudem endgültig von den relevanten Methanemissionen. Um die Verringerung von Lachgasemissionen, die bei der biologischen Abwasserreinigung entstehen, ist der AVA – im Rahmen eines eigens lancierten Subventionierungsprogramms – ebenfalls sehr bemüht.

Dies ist umso wichtiger, als Lachgas zwölf Mal schädlicher ist als Methan. Aus dem Ammoniak, das im Klärschlamm enthalten ist, wird ab Oktober ein flüssiger Stickstoffdünger produziert.

Fernwärme ab Herbst

Die grosse Baustelle in der Nähe der ARA in Altenrhein verwundert viele. Sowohl der Chef des Abwasserverbandes Altenrhein, Christoph Egli, als auch der Polier der Baugesellschaft bestätigen, dass sich immer wieder vorbeifahrende Velofahrer und Spaziergänger nach dem Grund für die Baustelle erkundigen. Neben der Strasse ist ein breites Trassee zu sehen, und viele dicke Rohre liegen bereit.

Bei der ARA wird das Fernwärmenetz gebaut.

Bei der ARA wird das Fernwärmenetz gebaut.

Gert Bruderer

Einheimische dürften wissen: Im Januar hat die Gemeinde Thal über ein Fernwärmeprojekt abstimmen lassen. Die Gemeinde baut und betreibt das Fernwärmenetz, der Abwasserverband liefert die Energie – vor allem Abwärme aus dem gereinigten Abwasser. Für das Projekt ist ein Kredit von gut 400000 Franken genehmigt worden. Es ist geplant, das neue Fernwärmenetz im Herbst in Betrieb zu nehmen. Der beachtliche Durchmesser der bereit liegenden Rohre liegt übrigens darin begründet, dass sowohl die Hin- als auch die Rückleitung darin erfolgt.