Bäumchen, Eistorte und Lichterkette: So feiern bekannte St.Gallerinnen und St.Galler an Heiligabend

Das «Tagblatt» hat bekannte St.Gallerinnen und St.Galler befragt: Sie feiern den Heiligabend ganz traditionell.

Christina Weder
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Der Christbaum auf dem Klosterplatz in St. Gallen.

Der Christbaum auf dem Klosterplatz in St. Gallen.

Ralph Ribi

Das «Tagblatt» hat nachgefragt: Bekannte St.Gallerinnen und St.Galler feiern bevorzugt im Kreise der Familie und halten an Heiligabend an Traditionen fest. Nationalrätin Franziska Ryser schmückt den Baum. Gourmetkoch Agron Leshi verwöhnt seine Kinder mit Apérohäppchen. Suchtexperte Jürg Niggli spielt eine CD mit Panflötenklängen ab. Theaterleiterin Frauke Jacobi singt «O Tannenbaum». Und für Dompfarrer Beat Grögli ist es einer der schönsten Arbeitstage im Jahr.

Der Gourmetkoch

Agron Lleshi verwöhnt für einmal seine Familie kulinarisch.

Agron Lleshi verwöhnt für einmal seine Familie kulinarisch.

PD

Das Restaurant Jägerhof bleibt über die Festtage geschlossen. Trotzdem steht Chefkoch Agron Lleshi in der Küche. An Weihnachten will er seine Familie verwöhnen. Der Apéro gibt besonders viel zu tun. Er bereitet ihn alleine bei lauter Musik zu und füllt kleine Schalen mit Pulpo, Rindstatar, Lachs, Trüffel, Entenleber und anderen Häppchen. Seine vier Kinder im Alter zwischen 2,5 und 9 Jahren würden alles probieren, sagt er. Danach folgt ein 3-Gänge-Menu mit Zitronensuppe und Hechtsoufflé, Rindsfilet mit Artischockenrisotto und Passionsfrucht-Mango-Dessert.

Im Alltag esse seine Familie nicht wie im Gourmetlokal. «Aber an Weihnachten gehört etwas Gutes auf den Tisch», sagt Lleshi. Dann holt er das Sonntagsgeschirr hervor, deckt die Tafel für zwölf Personen. Der Baum ist mit Kugeln geschmückt und reicht bis zur Decke. Nur die Lichterkette, die er auf Wunsch seiner Kinder montiert, trifft nicht ganz seinen Geschmack.

«Ich liebe Weihnachten und will das an meine Kinder weitergeben.»

Noch vor dem Apéro gibt es die Bescherung. Die Kinder seien so aufgeregt. Da bringt es Lleshi nicht übers Herz, sie länger warten zu lassen.

Die Nationalrätin

Franziska Ryser lässt die Politik ruhen und nimmt sich Zeit.

Franziska Ryser lässt die Politik ruhen und nimmt sich Zeit.

Keystone

Dieses Jahr macht Franziska Ryser eine neue Erfahrung, wie man Weihnachten feiern kann. Die neue Nationalrätin der Grünen verbringt Heiligabend erstmals bei den Grosseltern ihres Partners im deutschen Ruhrgebiet. Sie wisse noch nicht so recht, was auf sie zukomme, sagt sie. Immerhin das Festmenu hat man ihr verraten: Es gibt verschiedene Würste und Kartoffelsalat. Die Festgesellschaft ist gross. 25 Personen werden erwartet.

Am 25. Dezember wird Franziska Ryser dann mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern in St.Gallen feiern – so wie sie es kennt. Ein Christbaum darf nicht fehlen; er macht für sie das Ambiente aus. Dekoriert wird er mit Baumschmuck aus den 1950er-Jahren, den die Familie über die Jahre gesammelt hat. Auf den Tisch kommt Schinken im Teig. Wichtig ist der neuen Nationalrätin an Weihnachten vor allem, sich Zeit zu nehmen und mit der Familie zusammenzukommen. Sie hat ein intensives Jahr hinter sich – mit dem Wahlkampf und dem Start in Bundesbern. Über die Feiertage will sie die Politik bewusst ruhen lassen, abschalten und keine Termine wahrnehmen. Für sie lautet das Stichwort in diesen Tagen: Entschleunigung.

Der Dompfarrer

Beat Grögli stellt seine neapolitanische Krippe auf.

Beat Grögli stellt seine neapolitanische Krippe auf.

Michel Canonica

Für Dompfarrer Beat Grögli ist Weihnachten ein Arbeitstag – einer der schönsten, wie er sagt. Um 17 Uhr feiert er einen Familiengottesdienst in der vollbesetzten Kathedrale, um 23 Uhr die Mitternachtsmesse. Die paar Stunden dazwischen verbringt er im Domzentrum, wo für Menschen, die gerne in Gemeinschaft feiern möchten, ein Menu serviert wird. Hier fühle er sich wohl. Grögli lässt sich überraschen, was auf den Tisch kommt. Zwischen den beiden grossen Gottesdiensten könne er ohnehin nichts Opulentes essen.

Als Italienfan holt er jedes Jahr seine neapolitanische Krippe hervor und stellt die mit gestärktem Stoff bekleideten Tonfiguren auf. Einen eigenen Christbaum hat der Dompfarrer nicht. Auch mit Geschenken macht er sich keinen Stress. Wichtiger sind ihm der festliche Gottesdienst, die Atmosphäre, die vielen Leute und Begegnungen, die er in dieser Zeit besonders pflegen will.

«Wir dürfen uns freuen und feiern.»

Gleichzeitig ist es ihm wichtig, in dieser Zeit auch an jene Menschen zu denken, die in schwierigen Verhältnissen leben. Weihnachten bedeutet für Beat Grögli mehr als nur Kerzenschein und Wohlfühlatmosphäre.

Die Theaterleiterin

 Frauke Jacobi singt auf der Bühne «O Tannenbaum».

Frauke Jacobi singt auf der Bühne «O Tannenbaum».

Urs Bucher

Frauke Jacobi kann sich bestens auf den Heiligen Abend einstimmen. Heute Morgen steht sie im Figurentheater St.Gallen auf der Bühne und spielt «Die Weihnachtsüberraschung». Im Stück summt sie «Ihr Kinderlein kommet» und singt mit dem Publikum «O Tannenbaum». Die ganze Familie ist eingespannt. Ihr Mann ist für die Technik und das Licht zuständig. Die Tochter sitzt möglicherweise an der Kasse. Und die Schwiegermutter schaut zu.

Nach der Vorstellung trifft sich die Familie zu Hause bei selbstgebackenem Weihnachtsstollen – ein Rezept mit Cranberrys nach Betty Bossi. Zum Znacht gibt’s Raclette. Einen Christbaum hat die Familie nicht, dafür einen Adventskranz. Und Geschenke bekommen nur noch die Kinder, die Erwachsenen verzichten darauf. So erspare sie sich viel Stress, sagt die Theaterleiterin. Frauke Jacobi mag die Weihnachtszeit gerne: die Sterne in der Stadt, die Kerzen, das Guetzle, die Weihnachtsmusik. Sie hört das Weihnachtsoratorium von Bach oder ein Gospelkonzert. Und an Heiligabend bummelt die Familie nach dem Abendessen noch durch die Stadt und bewundert den grossen Christbaum auf dem Klosterplatz.

Der Suchtexperte

Jürg Niggli isst zum Desser eine Eisnougattorte.

Jürg Niggli isst zum Desser eine Eisnougattorte.

Michel Canonica

Als Kind hat Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe, an Heiligabend nicht gefeiert. Seine Eltern waren Confiseure; der 24. Dezember war für sie ein Arbeitstag. «Bis abends spät lieferten wir Eistorten aus», erinnert er sich. Gefeiert wurde erst am Weihnachtstag.

Das hat sich geändert. Heute feiert Jürg Niggli mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Töchtern an Heiligabend ganz traditionell zu Hause bei einem Fondue Chinoise. Geblieben ist die Eisnougattorte. Das Relikt aus seiner Kindheit ist sozusagen die Krönung des Abends. Sie darf am 24. Dezember genauso wenig fehlen wie eine über 30 Jahre alte CD mit Panflötenklängen. Auch ein Weihnachtsbaum gehört dazu. Dieses Jahr ist es zum ersten Mal eine nachhaltige Tanne im Topf.

Jürg Niggli gibt Ende Jahr die Funktion des Geschäftsleiters bei der Stiftung Suchthilfe ab. Weihnachten sei für ihn eine Zeit, um Bilanz zu ziehen und Dankbarkeit zu spüren, wenn man Grund dazu habe. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, weiss er von seiner Arbeit gut genug. Am morgigen Weihnachtstag wird er in der Gassenküche vorbeischauen, wo ein festliches Menu auf den Tisch kommt.

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