St.Galler Bacchus-Brunnen hat ein Leck

Die Bacchus-Brunnenfigur in der St.Galler Multergasse verliert Wasser. Deshalb wird sie derzeit in der Kunstgiesserei aufgefrischt. Im Frühling kehrt die Statue dann auf ihren angestammten Platz zurück.

Luca Ghiselli
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Der Bacchus-Brunnen hatte immer wieder einmal ein Facelifting nötig. Im Bild wird die Brunnenfigur 2005 nach einer Reparatur wieder montiert. Damals existierte (rechts und links im Hintergrund) die Fehr’sche Buchhandlung und der ABM noch. (Bild: Meinrad Schade (30. Juni 2005))

Der Bacchus-Brunnen hatte immer wieder einmal ein Facelifting nötig. Im Bild wird die Brunnenfigur 2005 nach einer Reparatur wieder montiert. Damals existierte (rechts und links im Hintergrund) die Fehr’sche Buchhandlung und der ABM noch. (Bild: Meinrad Schade (30. Juni 2005))

Dass Brunnen in der Stadt St.Gallen im Winter abgestellt werden, ist nichts Ungewöhnliches. Auch, dass die Bacchus-Brunnenfigur in der Multergasse in den kalten Monaten nicht zu sehen ist, ist nicht neu. In früheren Jahren wurde sie mit einer Holzkiste jeweils vor Klima und Vandalenakten geschützt. Diese Kiste fehlt dieses Jahr aber, und Bacchus tut es ihr gleich. Der Sockel, auf dem die Statue normalerweise steht, ist seit einigen Wochen verwaist.

Weil das städtische Hochbauamt über die letzten Monate einen Wasserverlust in der Zuleitung festgestellt hatte, vermuteten die Verantwortlichen ein Leck in der Brunnenfigur. Bacchus verliert also irgendwo Wasser. «Die städtischen Brunnen werden im Winter sowieso abgestellt. Deshalb haben wir entschieden, dem Problem in den kalten Monaten auf den Grund zu gehen und die Figur zu diesem Zweck abzumontieren», sagt Wendelin Germann, Projektmanager und Brunnenverantwortlicher beim Hochbauamt.

Bacchus bleibt nur kurz weg

Die Bacchus-Figur ist jetzt in der Kunstgiesserei im Sittertobel und wird dort für den Frühling hergerichtet. Wie ihr ging es auch schon zahlreichen anderen St.Galler Brunnenfiguren. Neben dem Vadian-Denkmal wurde auch der Tuchbrunnen von Köbi Lämmler in jüngerer Vergangenheit in der Kunstgiesserei wieder instand gestellt. Bacchus’ Abwesenheit in der Multergassmitte wird aber im Vergleich zu Lämmlerbrunnen und Vadian-Denkmal nur von kurzer Dauer sein. Sobald die städtischen Brunnen im Frühling wieder in Betrieb genommen würden, kehre auch Bacchus an die Multergasse zurück, versichert Germann.

Entworfen wurde der kleine Brunnen in der Multergasse von August Bösch, dem Schöpfer des Broderbrunnens und der bekannten Bauplastiken am Haus Oceanic an der St.-Leonhard-Strasse. Sein niederländischer Geselle Henri Geene setzte die Arbeit in aufwendiger Galvanotechnik schliesslich im Jahr 1897 um. «St.Gallen kam damit zu einer ästhetisch durchaus vertretbaren, fröhlich liebenswürdigen Brunnenplastik», heisst es dazu in der Publikation «St.Gallen und seine Brunnen».

Geplant war eigentlich ein David mit Goliathkopf

Ein kleines Brunnenplätzchen gab es in der Multergasse aber schon länger. Erstmals findet es 1438 urkundliche Erwähnung. Entstanden war der kleine Platz beim Durchgang zur Schmiedgasse durch zurücktretende Häuser. Alte Fotografien zeigen an diesem Platz vor dem damaligen Gasthof zum Toggenburg einen grossen, schmucklosen Brunnen, der aber in den 1890er-Jahren ersetzt werden musste. Zur Diskussion standen damals verschiedene Vorschläge – unter anderem ein Brunnen im Stil der Gründerjahre. Als August Bösch dann aber mit dem Bau eines neuen Brunnens beauftragt wurde, war dieser Vorschlag schnell vom Tisch. Zunächst entwarf er einen kleinen David mit Goliathhaupt, danach folgte die Idee mit dem jungen Bacchus – und deren Umsetzung.

In rund drei Monaten, sobald der Winter weicht und aus allen städtischen Brunnen wieder Wasser sprudelt, fliesst auch aus Bacchus’ kleinem Fässchen wieder Wasser. Und zwar ohne Leck.